INTERVIEW MIT ZWEI ORGANISATOREN DER GEISLINGER WIRTSCHAFTSMESSE: "Die Masse machts nicht immer"

Mit 3000 Besuchern enttäusch- te die Geislinger Wirtschaftsmesse. GZ-Redakteur Roderich Schmauz sprach darüber mit der Wirtschaftsbeauftragten Michaela Wiedmann-Misch und Messeorganisator Willi Dörr.

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Michaela Wiedmann-Misch: Die Wirtschaftsmesse spielt in anderer Liga.

Wie viele Besucher kamen zur Geislinger Wirtschaftsmesse?

WILLI DÖRR: Knapp 3000 Leute an den drei Tagen - das ist eine ehrliche Zahl.

Erwartet hatte man 5000, wie vor drei Jahren. Wie beurteilen Sie den Verlauf?

DÖRR: Unterm Strich muss man das sehr differenziert sehen für die einzelnen Aussteller, ob einer großen Publikumszuspruch braucht oder nur 20 Leute, die sich für sein Produkt interessieren und mit denen er einen Abschluss machen kann. Ich würde es nicht grundsätzlich negativ sehen, gleichwohl ist natürlich Enttäuschung da.

Am Freitag und Samstag war ziemlich tote Hose. Der Sonntag verlief etwas versöhnlicher. Wie beurteilen Sies, Frau Wiedmann-Misch?

MICHAELA WIEDMANN-MISCH: Ich sehe es wie Herr Dörr. Von der visuellen Wahrnehmung her waren es zu wenig Besucher. Ich habe allerdings mit einigen Ausstellern gesprochen, die positiv gestimmt sind. Diese Aussteller sagen: Wir haben tolle Gespräche geführt und haben weitere Kundentermine. Die Masse machts nicht immer.

Woran lag der schwache Besuch?

WIEDMANN-MISCH: Es lag mit Sicherheit zu großen Teilen am Wetter. Ich glaube nicht, dass es hauptsächlich die Konkurrenzveranstaltungen in Ulm und Göppingen waren. Unsere Messe lebt vom regionalen und Geislinger Publikum. Wir haben hier eine sehr familiäre Messe, die Besucher kommen auch deswegen, weil sie hier viele Leute kennen. Dieses Publikum wandert nicht nach Ulm oder Göppingen ab.

Herr Dörr, Sie haben in puncto Messen lange Erfahrung. So viel Konkurrenz wie diesmal gab es für Geislingen noch nie: Leben, Wohnen, Freizeit in Ulm, Baumesse in Göppingen, in Gmünd soll auch eine Messe stattgefunden haben, in Stuttgart ohnehin. Es gab in der Nähe verkaufsoffene Sonntage, dann vor Ort Hausmessen und Tage der offenen Tür.

DÖRR: In den zurückliegenden 20 Jahren hat sich die Landschaft kolossal verändert in der Form, dass Sie heute mit den Terminen keine Sonderstellung mehr haben, Sie stehen immer im Wettbewerb mit anderen. Und die Leute werden nicht mehr, sie verteilen sich nur anders auf die Veranstaltungen, für die sich an einem Wochenende entscheiden.

... und sie werden immer mobiler.

DÖRR: Auch das. Dass hierher weniger Leute kamen, ist kein Geislinger Phänomen. Die Messen generell müssen mit weniger Besuchern zufrieden sein. Diesmal kam hinzu, dass wir, dem schönen Wetter geschuldet, überproportional abgeben mussten. Hätten wir nur 15 oder 20 Prozent weniger Besucher gezählt, wäre das normal gewesen. Das ist andernorts auch so.

Was müsste man ändern? Einen anderen Termin finden oder zusätzliche Attraktionen bieten?

DÖRR: Die Situation nun ist die Chance für eine neue Herausforderung, das Ganze zu überdenken. Was können wir besser machen? Wie können wir uns neu positionieren? Wie bekommen wir ein Alleinstellungsmerkmal - Stichwort Termin. Wir werden das sehr zeitnah besprechen und unsere Konsequenzen daraus ziehen.

In welche Richtung gehen Ihre Überlegungen, Frau Wiedmann-Misch?

Angedacht ist, dass man den Messetermin deutlich vorverlegt?

WIEDMANN-MISCH: Genau. Aber das müssen wir zusammen mit den Ausstellern besprechen. Machen wir die Messe kürzer? Machen wir sie zu einem anderen Zeitpunkt?

Bei früheren Messen waren auf der Schaubühne und an den Messeständen mehr Aktionen und Aufführungen geboten.

WIEDMANN-MISCH: Das Programm hat schon so seinen Grund. Wir wollen nicht durch viel Programm eine permanente Unruhe hereinbringen, wodurch alle Besucher abrupt in Richtung Bühne strömen würden. Die Bühne soll nicht der Mittelpunkt sein, sie soll alles auflockern und ergänzen.

DÖRR: Wir machen eine Wirtschaftsmesse und keine Erlebnismesse mit angeschlossenen Ausstellern. Wir machen kein Event, uns geht es um das Geschäft der Fachhändler.

53 Aussteller sind nicht schlecht, wünscht sich die Wirtschaftsbeauftragte aber nicht doch deutlich mehr Teilnehmer, damit das ganze Spektrum von Handel und Gewerbe präsent ist?

WIEDMANN-MISCH: Uns ist es gelungen, diesmal mehr Handwerker zu gewinnen. Wir haben damit einen guten Branchenmix. Mehr Platz haben wir in der Halle eben nicht.

DÖRR: Der Mix ist mit fast 20 Handwerkern, dem Handel und den Dienstleistern wirklich nicht schlecht. Wir müssen den regionalen Charakter weiterhin hochhalten, dann kommen auch die Besucher.

Neben der Wirtschaftsmesse alle drei Jahre gibt es in Geislingen jährliche Themenmessen wie die Gesundheitsmesse oder die Automobilschau - Messen mit Eventcharakter. Ist das die Zukunft? Denkbar wäre auch eine Reisemesse oder eine Genussmesse rund um regionale Produkte?

WIEDMANN-MISCH: Diese Wirtschaftsmesse hat eine ganz andere Größe, sie ist mit der Gesundheitsmesse nicht vergleichbar. Natürlich gibt es auf dem Gesundheitssektor heute in Geislingen sehr viele Angebote, da tut man sich viel leichter, Aussteller zu finden. Aber die Wirtschaftsmesse spielt in einer anderen Liga. Nur mit einem bestimmten Thema könnten wir die Michelberghalle nicht füllen.

Info Veranstalter der Geislinger Wirtschaftsmesse sind Stadt, Gewerbeverein und Aktionsgemeinschaft 5-Ster- ne; Organisator ist Will Dörr.

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