Inklusiver Skatepark ist gut gestartet

Seit April ist der inklusive Skatepark in Altenstadt geöffnet. Hier kann sich jeder ausprobieren: mit BMX-Rad, Skateboard oder Rolli. Eine Gruppe engagierter Jugendlicher betreut das außergewöhnliche Projekt.

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Die Mitglieder des "Träumertreffs" in Aktion - mit viel Spaß.  Foto: 

"Vincent, du musst kommen und mir bei meinem Trick helfen." Benni Schmidt fährt mit seinem Rolli auf den BMX-Fahrer zu und winkt aufgeregt. Heute ist der "Träumertreff" des Göppinger Vereins "Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen" zu Besuch im inklusiven Skatepark bei der TVA-Halle in Altenstadt. Acht Kinder und Jugendliche mit geistiger oder körperlicher Behinderung haben mit drei Betreuern ihren Jahresausflug hierher unternommen. Zusammen mit zehn Mitgliedern der Skatepark-Projektgruppe wagen sie sich mit Skateboards, BMX-Rädern und Rollstühlen auf die Ramps.

Eine Runde Skateboard-Fahren - vorsichtshalber erst mal an der Hand? Kein Problem, die Trainer stellen sich geduldig auf jeden ein. Mutige wie Benni wagen sich gar auf die Minirampe (siehe nebenstehendes Interview). Zusammen mit Vincent übt der 19-Jährige fleißig und führt - etwas nervös - seinen Trick vor: Rauf auf die Rampe, dann folgt, mit einem Ruck, eine Drehung. Es klappt. Benni strahlt glücklich, Vincent Stampfer auch.

Der Aktionstag mit dem "Träumertreff" ist ein Paradebeispiel für das Konzept des inklusiven Skateparks: Kinder und Jugendliche sollen sich hier begegnen, gemeinsam sportlich aktiv sein, Spaß haben und voneinander lernen - egal ob behindert, gesund, mit Migrationshintergrund oder sozial benachteiligt. Dazu gehört nicht nur, dass Behinderte sich beispielsweise aufs Skateboard wagen, sondern auch, dass Nichtbehinderte im Rollstuhl eine Runde drehen, wie an diesem Tag BMX-Fahrer Vincent.

Ein fester Kern von 15 Jugendlichen engagiert sich - unter Leitung des Stadtjugendrings - für den Skatepark: Es sind Jugendgemeinderäte, Vorstandsmitglieder des Stadtjugendrings sowie Skate- und BMX-Fahrer und Rollifahrer Markus Dehnert (siehe nebenstehende Artikel). Unterstützt werden sie von Projektmanager Thorsten Fischer vom Stadtjugendring. Dazu kommen weitere ehrenamtliche Helfer.

Sie alle stecken seit über drei Jahren viel Zeit in das inklusive Projekt: Das fing bei den aufwendigen Planungen an und ging weiter bei der Beschaffung von Spendengeldern und der Werbung für die Anlage. Auch die GZ hat den Skatepark mit ihrer Weihnachtsaktion unterstützt Das besondere Konzept hat auch überregional Interesse gefunden: Der SWR berichtete Ende 2012 in der Landesschau.

Einmal im Monat trifft sich nun die Projektgruppe, dazu kommen Besprechungen mit den zahlreichen Kooperationspartnern: Vereinen und Einrichtungen aus dem Landkreis. Weitere Aktionen wie jene mit dem "Träumertreff" sollen folgen. Für alle Interessierten gibt es seit der Eröffnung des Skateparks im April regelmäßig öffentliche Workshops. Wegen des schlechten Wetters konnte bisher allerdings nur einer stattfinden - der war mit 30 Kindern und Jugendlichen aber ein voller Erfolg. Bis zur Sommerpause im August gibt es noch Termine: am 6. und 28 Juli. Auch zwei Inklusionsfeste sind geplant: voraussichtlich am Kinderfest am 22. Juli und im Herbst.

Für ihre Arbeit wurden die Jugendlichen speziell geschult: Im Mai besuchten sie ein zweitägiges Inklusionsseminar bei der Krypta von St. Johannes, bei dem sie mehr über verschiedene Behinderungen lernten und mit den Eltern betroffener Kinder sprachen.

So viel Einsatz funktioniert nur, wenn es richtig Spaß macht. Und das tut es, das merkt man den Jugendlichen beim Aktionstag mit dem "Träumertreff" an. Auch Sarah Buchwald, bei der Stadtverwaltung für den Jugendgemeinderat zuständig, ist begeistert: "Die Jugendlichen sind sehr engagiert dabei. Die Gruppe hat schon sehr viel erreicht, es läuft alles sehr gut."

Mit Geräten ist der Skatepark nun gut ausgestattet: Vorhanden sind zehn Skateboards, sieben BMX-Bikes, 20 Helme samt Schutzausrüstung, drei Rollstühle und ein Sportrolli sowie 30 Pylonen. Die ersten Veranstaltungen haben aber gezeigt, dass es bei der Infrastruktur noch an ein paar Dingen mangelt: etwa an Sitzbänken, einer Beleuchtung und einer behindertengerechten Toilette. Dringend notwendig wäre auch eine kleine Garage, in der die Geräte vor Ort gelagert werden können, sagt Thorsten Fischer. Bislang müssen sie jedes Mal vom Stadtjugendring zum Skatepark gefahren werden.

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