Immer mehr Schwerverletzte

Bei Verkehrsunfällen im Landkreis gab es im vergangenen Jahr deutlich mehr Schwerverletzte als 2010. Fast jeder vierte Unfallverursacher beging Fahrerflucht. Erfreulich: Die Zahl der Toten ist auf vier gesunken.

|
Schwer verletzt wurde der Fahrer dieses Kastenwagens im August 2011 bei einem Unfall zwischen Göppingen und Hohenstaufen. Foto: Archiv

Der Göppinger Polizeichef Martin Feigl konnte gestern bei der Vorstellung der Unfallstatistik eine gute Nachricht verkünden: "Die Zahl der tödlich verletzten Verkehrsteilnehmer auf den Straßen im Landkreis und auf der Autobahn ist im vergangenen Jahr von sieben auf vier zurückgegangen. Das ist der niedrigste Wert, seit das Autobahnpolizeirevier Mühlhausen in die Polizeidirektion Göppingen integriert wurde."

Große Sorge bereitet Feigl jedoch die deutliche Zunahme der Zahl der Schwerverletzten. 2011 wurden bei Verkehrsunfällen 195 Menschen schwer verletzt, das entspricht einem Anstieg von 25,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Insgesamt hat die Polizei auf den Straßen in ihrem Zuständigkeitsbereich im vergangenen Jahr 6845 Unfälle registriert - knapp zwei Prozent mehr als 2010. Davon ereigneten sich 945 Unfälle auf den rund 64 Kilometern der A 8 zwischen Wendlingen und Ulm-Ost, die vom Autobahnpolizeirevier Mühlhausen betreut werden. Bei der Mehrzahl der Kollisionen (5978) blieb es bei Blechschäden, bei 867 Unfällen gab es Verletzte. Hauptursache war auch im vergangenen Jahr überhöhte Geschwindigkeit, verbunden mit einem zu geringen Sicherheitsabstand. Das galt für rund ein Viertel aller Fälle. Dass auf den Straßen im Kreis zu schnell gefahren wird, belegen auch die Messungen und Kontrollen der Polizei. 10 027 Verkehrsteilnehmer hielten sich nicht an das jeweilige Tempolimit.

Ein Problem bleibt auch der Alkohol am Steuer: Gegenüber 2010 stieg die Zahl der promillebedingten Unfälle mit Verletzten von 41 auf 64 - eine solche Steigerung hatte es in der Statistik der Polizei zuvor noch nie gegeben. 251 Fahrer mussten ihren Führerschein abgeben. Junge Verkehrsteilnehmer zwischen 18 und 24 Jahren waren an knapp einem Viertel aller Unfälle mit Verletzten oder Toten beziehungsweise hohem Schaden beteiligt. Polizeisprecher Rudi Bauer sagte gestern: "Nach wie vor ist diese Altersgruppe überproportional in Unfälle verwickelt." Bedenklich sei, dass über die Hälfte der Beteiligten dieser Altersgruppe die Unfälle auch verursacht haben.

Deutlich gestiegen ist im vergangenen Jahr auch die Zahl der Unfälle mit motorisierten Zweiradfahrern (plus 35 Prozent). Rund die Hälfte der Fahrer hatte den Unfall selbst verursacht - hauptsächlich durch überhöhte Geschwindigkeit. 53 Prozent aller Opfer, die 2011 bei Unfällen schwer verletzt wurden, gehörten der Gruppe der Zweiradfahrer an (einschließlich Radfahrer). Einen geringeren Anstieg verzeichnete die Polizei bei Unfällen mit Fußgängern (plus 4,3 Prozent). Im vergangenen Jahr wurden 24 Fußgänger schwer und 63 leicht verletzt. An 155 Unfällen waren 2011 Radfahrer beteiligt - im Vorjahr war es ein Unfall mehr. Besonders tragisch: Im April vergangenen Jahres stürzte auf dem Radweg zwischen Grünbach und Donzdorf beim Steinernen Kreuz ein 24-Jähriger. Der Mann, der keinen Schutzhelm getragen hatte, starb eine Woche später im Krankenhaus.

Kummer bereitet der Polizei die erneut gestiegene Zahl der Unfallfluchten. Die Statistik weist hier 1474 Delikte auf. Das entspricht einem Plus von 7,1 Prozent. Anders ausgedrückt: Fast jeder vierte Verursacher eines Verkehrsunfalls beging Fahrerflucht. Dabei handelt es sich beim unerlaubten Entfernen vom Unfallort - so die juristisch korrekte Bezeichnung - keinesfalls um ein Kavaliersdelikt, sondern um eine gravierende Straftat. Polizeichef Feigl appelliert daher an die Bevölkerung, "auch weiterhin nicht wegzuschauen, sondern sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen". Tatsächlich konnten 2011 zahlreiche Unfallfluchten aufgeklärt werden, weil aufmerksame Zeugen sich das Kennzeichen des Verursachers notiert und die Polizei alarmiert hatten. Erst vergangene Woche konnte in der Göppinger Hohenstaufenstraße so der Verursacher eines Unfalls ermittelt werden, bei dem ein Schaden von 4000 Euro entstanden war.

Seit Jahren wächst im Kreis auch die Zahl der Senioren, die an Unfällen beteiligt ist - im vergangenen Jahr um knapp 16 Prozent. Polizeidirektor Martin Feigl: "Dieser Anstieg zwingt uns zum Handeln. Neben der bewährten Verkehrsprävention an den Jugendverkehrsschulen werden unsere Spezialisten in vielseitigen Aufklärungsaktionen die Senioren noch stärker unterstützen."

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Neue Herausforderungen für Geislinger Jugendsozialarbeit

Eine steigende Zahl von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund stellt die Jugendsozialarbeit der Stadt Geislingen vor neue Herausforderungen. weiter lesen