Im Tourismus noch auf Zickzackkurs

Wohin steuert der Tourismus im Landkreis Göppingen? Setzt er künftig auf Naherholer oder auf den klassischen Urlaubsgast? Bei einer IHK-Tagung in Bad Boll gab es auf die Frage noch keine klare Antwort.

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Mountainbike-Touren auf der Schwäbischen Alb und am Albtrauf lassen sich touristisch gut vermarkten. Foto: Archiv

In wenigen Wochen beginnt im Landratsamt in Göppingen die Arbeit an einem Tourismuskonzept. Das soll auch die Frage beantworten, die die Teilnehmer bei einer IHK-Veranstaltung im Bad Boller Hotel Seminaris beschäftigte. Setzt der Kreis künftig auf Naherholer oder auf den klassischen Urlaubsgast? Richtungsweisend war die Tagung allerdings nicht.

Geht es nach dem Geschäftsführer des Tourismusverbandes Schwäbische Alb haben die Tourismus-Anbieter im Kreis Göppingen durchaus Chancen, vom klassischen Urlaubsgast stärker zu profitieren als bisher. Steiner, ein gutes Jahr im Amt, lieferte auch gleich die Gründe dafür mit: Die Angebote, die der Tourismusverband schnüre, seien themenbezogen, aber nicht kreisbezogen. Die Ferienregion "Schwäbische Alb" könne vieles bieten, unter anderem auch als "Zwei-Strom-Land" neugierig machen. Steiner schwebt ein Radweg von Stuttgart am Neckar entlang an dessen Ursprung bei Villingen-Schwenningen vor, weiter zur wenige Kilometer davon entfernt plätschernden jungen Donau und an ihr entlang bis nach Ulm. In dieses Angebot könnten dann auch die Radwege entlang der Nebenflüsse beider "Ströme" eingebunden werden, also auch der Filstal-Radweg von Plochingen nach Wiesensteig. Steiner zeigte die vielen Angebote auf, die seine Organisation für Feriengäste konzipiert habe und unterstrich, dass die Anbieter unter dem Dach des Verbandes Schwäbische Alb gute Vermarktungschancen hätten, ohne auf ihre eigenen touristischen Leuchttürme verzichten zu müssen. Steiner warnte davor, die Ferienregion zu zersplittern. Der Gast fahre nicht in Landkreise, sondern orientiere sich an konkreten Angeboten. Außerdem dürfe Tourismus nicht länger verwaltet, sondern müsse gestaltet werden, erklärte Steiner und übte Kritik an noch häufig vorzufindenden Tourismusstrukturen auf der Schwäbischen Alb.

Was Tourismus-Anbietern im Kreis Göppingen zu schaffen macht, verdeutlichte Hoteldirektor Anton Brucker vom "Seminaris" in seinem Impulsvortrag mit Zahlen aus seinem Hause. Nur 1,5 Prozent der rund 36 000 Gäste-Übernachtungen im "Seminaris" entfielen auf den klassischen Urlaubsgast. Für Brucker hat der geringe Anteil auch seinen Grund darin, dass die Schwäbische Alb in so gut wie keinem großen Reisekatalog vorkommt. Der niedrige Bekanntheitsgrad der Schwäbischen Alb und die Probleme, buchbare Angebote potenziellen Gästen zu vermitteln, führt Brucker auf den niedrigen Anteil an Urlaubern zurück.

Zu Beginn der Tagung hatte IHK-Geschäftsführer Dr. Peter Saile daran erinnert, dass der Kreis seit mehr als 20 Jahren versuche, im Tourismus an Boden zu gewinnen. "Doch das Pflänzchen ist noch nicht gediehen. Was haben wir beim Gärtnern falsch gemacht?" Möglicherweise hänge das auch damit zusammen, dass der Kreis sowohl zur Region Stuttgart gehöre als auch Teil der Schwäbischen Alb sei. Eine Chance, im Tourismus Fuß zu fassen, sieht Saile im geplanten Baumwipfelpfad. Für ihn befremdlich sei jedoch, wie hier die Diskussion geführt werde. Statt über die mit dem Projekt verbundenen Herausforderungen, wie der Verkehrsanbindung, zu sprechen, würde es von den Kritikern gleich abgelehnt.

ZITAT DES TAGES

"Ich bin immer wieder erstaunt, wie Sie Stuttgart als Vorort von Bad Boll darstellen."

IHK-Geschäftsführer Dr. Peter Saile zu Hoteldirektor Anton Brucker vom "Seminaris" in Bad Boll.

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