Bei Alarm: Wie im Notfall gehandelt werden muss

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Nach dem Amoklauf am 11. März 2009 an der Albertville-Realschule in Winnenden wurden für die Schulen Orientierungssysteme eingeführt. Auf dem Foto Sicherheitskräfte beim Planen.  Foto: 

Neun Uhr morgens, Matheunterricht im Helfenstein-Gymnasium in Geislingen. Franziska Braun und ihre Mitschülerinnen bereiten sich auf die nächste Klassenarbeit vor. Plötzlich ertönt durch das Schulhaus der laute Ton einer Sirene. Feueralarm. Die Jugendlichen reagieren sofort, so wie sie es gelernt haben. Sie schauen auf den Fluchtplan, auf dem markiert ist, wie sie das Gebäude verlassen können. Schnell wird Franziska klar, dass es sich bei dem Alarm um eine Probe handelt. „Doch ein bisschen erschrickt man am Anfang schon“, erzählt die Zehntklässlerin. Nach wenigen Minuten ist das Gymnasium mit 775 Schülern und 63 Lehrern geräumt.

So oder so ähnlich spielt es sich in regelmäßigen Abständen auf allen Schulen in Geislingen und Umgebung ab. Geübt wird für den Ernstfall, auch auf einen Amokalarm sind die Beteiligten vorbereitet. Doch, wie sicher sind die Geislinger Schulen und wie reagiert das Kollegium, wenn Panik ausbricht?

Die Antwort gibt Jörg Hofrichter, Leiter des Schulamts Göppingen: „Krisensituationen lösen immer Angst und Chaos aus. Das wird und lässt sich nicht ändern. Deswegen brauchen und haben wir einstudierte Reaktionsweisen, die mit den Kollegien schuljährlich eingeübt werden.“  Zuständig dafür sind schulpsychologische Beratungsstellen, die von der Polizei unterstützt werden. Des Weiteren kann eine Simulation eines Amokalarms durchgeführt werden, wobei bei diesem Schüler nicht teilnehmen, erklärt Hofrichter weiter

Nach dem Amoklauf von Tim K. am 11. März 2009 in der Albertville-Realschule Winnenden hat sich an den Sicherheitsvorkehrungen in den Schulen in Baden-Württemberg viel geändert. Der Sonderausschuss „Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen“ spielte dabei die wichtigste Rolle. „Alle Schulen haben einen lückenlosen Krisenplan“, berichtet Hofrichter, der 1992 sein Abitur am Helfenstein-Gymnasium Geislingen absolvierte. Im Klartext bedeutet das, dass Fluchtwege, Sammelpunkte und Grundrisse aller Gebäude bei der Schule und der örtlichen Polizei, sowie dem Polizeipräsidium und der Feuerwehr vorliegen.

„Das Alarmierungssystem mit Pagern wurde ebenfalls eingeführt“, informiert Hofrichter, dem die Sicherheit der Schüler enorm wichtig ist. Mit Hilfe der Pager können in akuten Krisensituationen Warnmeldungen verschickt werden. Genau bedeutet das: Wird an einer Schule ein Amokalarm ausgelöst, kann das Kollegium über den Pager ein Signal an umliegenden Schulen senden, um diese zu warnen. Der Vorteil am Pager, der im April 2012 an allen Schulen eingeführt wurde, ist, dass er vom Mobilfunknetz unabhängig ist. Am 11. März 2009 war das Mobilfunknetz zusammengebrochen.

Eine weitere Schutzmaßnahme, die vom Sonderausschuss erteilt wurde, ist der deutliche Unterschied zwischen dem Amoksignal und dem Feueralarm. Der Unterschied sei wichtig, denn Lehrer sollten sofort erkennen, ob sie das Gebäude verlassen oder die Türen barrikadieren sollten, sagt Hofrichter.

„In den Geislinger Schulen wurde in den vergangenen Jahren zugunsten der Sicherheit einiges erneuert und entsprechend dem Standard angepasst“, erklärt Ottmar Dörrer, Rektor der Tegelbergschule Geislingen. Momentan bekommt die Gemeinschaftsschule eine neue Lautsprecheranlage. „Nach den Osterferien werden alle Lautsprecher wieder funktionsfähig sein, die jetzige Anlage ist um die 50 Jahre alt“, berichtet Dörrer.

Des Weiteren hält er es „für wichtig, regelmäßige Brandfallübungen durchzuführen.“ Die Schüler sollten wissen, wo die Sammelpunkte sind und wie man sich richtig verhält.

Viele Geislinger Schulen führten auch ein Verschlüsselungssystem der Türen ein. „So kann man die Türen nur mit Chipkarte oder von innen öffnen“, erklärt der ehemalige Sonderschullehrer Hofrichter. Und weiter: „Zudem gibt es ein Krisenhandy, das nur von den Schulen bei extremen Krisensituationen angerufen werden kann.“

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