Hotels müssen sich gegen übermächtige Onlineportale behaupten

Jedes vierte Hotelzimmer wird auf Internet-Plattformen gebucht. Hoteliers schätzen zwar den Service, stöhnen aber über hohe Provisionen.

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Mit 7 Prozent fing es an, daraus wurden 10, mittlerweile sind es 15 Prozent. So viel Provision zahlt Andrea Schiehle, die Inhaberin des Burghotels Schiehle in Weiler, dafür, dass die Online-Buchungsplattform HRS (Hotel Reservation Service) ihr Kunden vermittelt. Das größte Hotelbuchungsportal Deutschlands bietet Unternehmen günstige Spezialtarife, weshalb die meisten auf diesem Weg Zimmer für ihre Mitarbeiter buchen.

Für Andrea Schiehle hat das fatale Folgen: Mehr als 90 Prozent ihrer Gäste sind Geschäftskunden; die meisten kommen über HRS. „Für die ist das toll, die bekommen Prozente. Den Rest zahlt der Hotelier.“ 15 Prozent könne sie bei den Zimmerpreisen nicht draufschlagen – „für mich ist das wirklich hart“.

Jedes vierte Hotelzimmer in Deutschland wird mittlerweile über Internetportale gebucht, erklärt Susanne Weißkopf, Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga im Kreis Göppingen und Betreiberin des Hotels Ochsen in Uhingen. Die Zahlen dürften in etwa auch auf die Hotellandschaft im Landkreis zutreffen.

Die Onlineportale seien zunächst einmal Partner für die ­Hotellerie, betont Susanne Weißkopf. „Aber wie in jeder Partnerschaft wird es dann schwierig, wenn ein Teil so mächtig und dominant wird, dass er dem anderen die Bedingungen diktiert.“

Weißkopf bezieht sich auf die Versuche mehrerer Internetportale, per „Bestpreis-Klausel“ Hotels dazu zu verpflichten, die günstigsten Übernachtungspreise immer und ausschließlich über das jeweilige Portal anzubieten. Das Bundeskartellamt verbot HRS diese Preisdiktatur 2013. Ein Teilerfolg für den Dehoga und die Betriebe – doch Portalbetreiber versuchen immer wieder auf unterschiedlichen Wegen in die Preisgestaltung – und damit den Wettbewerb – einzugreifen. ­Susanne Weißkopf spricht deshalb auch von einer Dauerauf­gabe für alle Hoteliers, die eigenen Vertriebs- und Buchungskanäle so zu stärken, „dass wir eine Partnerschaft auf Augenhöhe pflegen können und nicht abhängig oder erpressbar werden“.

Andrea Schiehle hat von der Entscheidung des Bundeskartellamtes zumindest ein wenig profitiert: Sie bietet ihre Zimmer seither für ein paar Euro günstiger an – wenn sie direkt über die Homepage des Hotels gebucht werden. „Es kommen aber nur ein paar wenige auf dem Weg zu uns.“

Ariane Schweizer betreibt das Hotel Krone in Geislingen. Von den rund 8500 Übernachtungsgästen im Jahr – Geschäftsleute, aber auch Touristen – kämen zirka 20 Prozent über Online-Plattformen. Die Provision an die Vermittler schmeckt auch ihr nicht, doch sie ist realistisch: „Dass auf den Portalen freie Zimmer angezeigt werden, schafft eine bessere Transparenz. Wir können unsere Auslastung optimieren, insofern sind die Portale mehr Segen als Fluch für uns.“

Die Hoteliers stecken in der Zwickmühle: Sie müssen den ­Spagat zwischen einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis und einer Auslastung schaffen, die Wirtschaftlichkeit garantiert. „Lieber zahlen wir die Provision, als dass unsere Zimmer leer stehen“, sagt denn auch Ariane Schweizer. Und Andrea Schiehle räumt ein: „Ohne HRS wäre das Haus halb so voll. Niemand fährt zufällig an Weiler vorbei. Wir profitieren sehr davon, denn so kommen die Leute in die letzten Zipfelchen.“

Könnte eine eigene Buchungsplattform für die Hotels im Kreis Göppingen die Lösung sein? Die Hoteliers zweifeln daran: Zu ­teuer Einrichtung und Betrieb der Technik, zu stark die Marktmacht der großen Portale. Ariane Schweizer sieht die Zukunft noch kritischer: Der Konzern Google, über den viele Suchanfragen bereits jetzt ihren Anfang nehmen, werde sich künftig mehr und mehr in den Markt einmischen und eine immer größere Rolle spielen. „Kleinere Firmen werden als schnellste sterben.“

Susanne Weißkopf rät ihren Kollegen, viel Wert auf die Kommunikation mit den Gästen direkt und im Internet sowie eine attraktive Homepage zu legen – dies seien die wichtigsten Grundvoraussetzungen, um auf sich aufmerksam zu machen.

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Kommentare

09.06.2017 09:11 Uhr

Dann halt ohne!

Die gute Frau soll mal kalkulieren wie viel Gäste Sie ohne die Internetportale hätte, um einiges weniger! Aber es werden natürlich immer nur die Schattenseiten kundgetan...

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