Höhlenvandalismus: Himmelsfelsen-Schacht freigeräumt

Der Himmelsfelsen-Schacht war jüngst das Ziel von Höhlenforschern. Die kamen als Aufräumkommando, um die Spuren eines Vandalen zu beseitigen.

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Eigentlich erkunden Höhlenforscher Höhlen. Das sagt schon der Name. Manchmal müssen die Höhlenforscher auch zum Großreinemachen anrücken. Der jüngste Einsatz: In einer konzertierten Aktion machten sich der Kahlensteiner Höhlenverein, die Malteser Höhlenrettung, die Höhlenforschungsgruppe Ostalb-Kirchheim sowie die Arge Rosenstein im Himmelsfelsen-Schacht bei Eybach an die Arbeit.

Die Mission des zwölfköpfigen Teams: Die 40 Meter tiefe Schachthöhle von einer Verstopfung zu befreien. Einer Verstopfung aus Fichten- und Buchenstämmen sowie Plastiktüten, gefüllt mit Hausmüll - das Werk eines Vandalen, wie Hannes Köble vom Kahlensteiner Höhlenverein meint. "Das war eine geplante Aktion, für die jemand viel Energie aufgewendet hat", erläutert er: Das Holz, das an der Schachtkante lag, war in ein Meter lange Stücke aufgesägt und zum Teil noch bearbeitet worden, damit es überhaupt durch den kleinen Höhleneingang passte. "Wir denken, dass es sich um Sturmholz handelt", sagt Köble: "Wann genau es in die Höhle geworfen wurde, wissen wir nicht. Auf jeden Fall gibt es in unmittelbarer Nähe keinen Schlag, das Holz muss also mühsam dorthin herantransportiert worden sein."

Das Werk des oder der Vandalen hatten die Höhlenforscher bei einer Exkursion im Juli entdeckt. Außerdem stießen sie noch auf einen weiteren Schaden im Schacht: Die Seilaufhängungen der Höhlenrettung waren ebenfalls zerstört worden - vermutlich mit einem Hammer zusammengeschlagen. Köble: "Das sind enorm stabile Haken, das geht nicht so einfach."

Ungleichgewicht bei Flora und Fauna als Folge

Gerade im Falle einer Höhle wie dem Himmelsfelsen-Schacht können die Folgeschäden solcher Zerstörungswut immens sein, kann das gesamte Gleichgewicht des empfindlichen unterirdischen Ökosystems durcheinander gebracht werden, erklärt Köble. "Im konkreten Fall sind weniger die Fledermäuse betroffen, zu deren Schutz die Höhle übrigens nun von 1. Oktober bis 31. März nicht betreten werden darf", erläutert der Experte. Vermoderndes Holz sowie Lebensmittel-Reste, wie sie Köble und Co. in den Müllsäcken fanden, bescheren der Fauna in dem sonst so kargen Lebensraum plötzlich ein Übermaß an Nahrung. "Die wenigen Spezialisten aus dem Tierreich, die an ein Leben in völliger Dunkelheit und mit permanenter Nahrungsknappheit angepasst sind, können nicht alle mit dem plötzlichen Eintrag von Nahrungsquellen umgehen, das schafft ein Ungleichgewicht", sagt Köble: "Empfindliche Arten werden dann schnell von dominanteren Spezies verdrängt."

Für die Höhlenforscher im Raum Geislingen ist Vandalismus in den vergangenen Jahren zu einem Dauerärgernis geworden. "Wir schauen regelmäßig nach einigen Dutzend Höhlen in der Region, schauen, ob dort alles in Ordnung ist. Leider stoßen wir immer wieder auf Spuren von Zerstörung", sagt Köble. Ein beliebtes Ziel ist inzwischen das Mordloch im Roggental, "dort wird immer wieder die Tauchleine durchgeschnitten". Ein anderer Dauerbrenner ist laut Köble, dass die Wasserabflüsse in den Höhlen mutwillig verstopft werden.

Übrigens können auch die Kahlensteiner ein Lied von der Zerstörungswut der Menschen singen, gibt ihre Höhle bei Bad Überkingen doch reichlich Zeugnis über solches Tun. Nur noch wenige Tropfsteine blieben in der Höhle erhalten, die schon Steinzeitmenschen als Unterschlupf gedient hatte. Ehe in den 1970er Jahren der Eingang dicht gemacht wurde, hatten sich Generationen von Jugendlichen bei Festen in der Höhle ausgetobt und ihren Müll hinterlassen. Den hatten die Höhlenforscher seinerzeit ebenfalls mühsam wegräumen müssen.

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