Hochhaus wird verkleinert

Die Anwohner hattens gleich von vorne herein beklagt - jetzt, nach 40 Jahren, wird ihr Wunsch erfüllt: Das GSW-Hochhaus in der Auchtweide, einst für flexibles Wohnen hochgepriesen, wird verkleinert.

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Hochgelobt und preisgekrönt, aber aus heutiger Sicht nur noch schwer zu vermieten. Attraktives Wohnen sieht mittlerweile anders aus. Der Klotz in der Auchtweide, acht Geschosse hoch und den Bewohnern der umliegenden kleinen Häuschen seit jeher ein Dorn im Auge, müsste grundlegend saniert werden, was angesichts asbesthaltiger Teile, die es zu beseitigen gilt, einen immensen finanziellen Aufwand erfordert.

Die Geislinger Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft (GSW), die das Projekt 1973 trotz des erbitterten Widerstands einer Bürgerinitiative durchgepeitscht hatte, möchte das Gebäude so schnell wie möglich abstoßen. Geschäftsführer Peter Ströhle erklärte jetzt im Gemeinderat auf Anfrage von SPD-Stadtrat Peter Zajontz, dass man auf der Suche nach einem Investor sei. Dieser müsse jedoch die Vorgabe erfüllen, das Gebäude um drei oder vier Stockwerke zu verkleinern. Damit soll es sich besser in die Umgebung einfügen.

Gerade die Höhe war es Anfang der 70er Jahre gewesen, wegen der die Anlieger bis zum Verwaltungsgerichtshof gezogen sind. Dort wurde dann zwar der Bebauungsplan für ungültig erklärt, doch an dem bereits im Rohbau stehenden Klotz änderte sich nichts mehr. Trotzdem fand der Wortführer der Bürgerinitiative, Jürgen Obermeier, Genugtuung: Das Gebäude, für das eine ganze Häuserzeile der Witzlebenstraße geopfert wurde, sei dreieinhalb Stockwerke zu hoch.

Die Anwohner hatten insbesondere die Verschattung beklagt. Im Sommer, so lautete eines der Argumente, verschwinde die Sonne bereits ab 15 Uhr hinter dem Hochhaus.

Die Stadt und ihre kommunale GSW freilich wollten sich nicht ausbremsen lassen, war doch gerade erst die Wohnungsbaugesellschaft zusammen mit einem Geislinger Architekten-Team als einer von sechs gleichrangigen Gewinnern aus einem bundesweiten städtebaulichen Wettbewerb hervorgegangen, bei dem es um "flexibles Wohnen" ging. Ein solches Projekt sollte so schnell wie möglich in Geislingen realisiert werden. Die Idee, die dahinter stand: Nur Bad, Klo und Küche sind in den Wohneinheiten festgelegt, während die Mieter die Größe ihrer übrigen Räume individuell durch flexible Trennwände gestalten können. Nach der Fertigstellung des Gebäudes seien noch "gravierende Veränderungen" möglich, hieß es. Dieses Baukastensystem sei "so einfach wie verblüffend". Die Schalldämmung erfolge mit Steinwolle oder mit ganz gewöhnlichen Eierschachteln. Selbst Laien sollten mit den Wänden umgehen können, vorausgesetzt, so schrieb die GEISLINGER ZEITUNG, "ein Wohnungsinhaber hat nicht gerade zwei linke Hände". Lediglich bei der Elektro-Installation sei es ratsam, einen Fachmann zurate zu ziehen.

Mit dem Abstand von 40 Jahren sieht man derlei Vorteile bei der GSW etwas nüchterner. Dass irgendein Mieter eine Änderung der Raumeinteilung vorgenommen hat, ist GSW-Geschäftsführer Ströhle nicht bekannt. Außerdem wäre dies angesichts der Vielzahl heutiger Verkabelungen auch kaum ohne großen Aufwand zu bewerkstelligen.

Ohnehin, so gibt Ströhle zu bedenken, seien wegen der möglichen Flexibilität der Wände im Vergleich zu heutigen Anforderungen viel zu wenig Stromleitungen in ihnen verlegt worden.

Vor 40 Jahren allerdings waren die Vorgaben ganz andere: Es galt, die Wohnungsnot zu überwinden. Heute, so Ströhle, gehe es um Qualität, nicht mehr um Quantität.

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