Hitzestau im Michelberg-Gymnasium

Bei großer Hitze heizen sich einige Klassenräume des Geislinger Michelberg-Gymnasiums stark auf. Ein Wärmeschutzsystem läuft nicht rund.

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In der Doppelfassade des Michelberg-Gymnasiums verhindert normalerweise ein Umluft-System, dass sich die Luft zwischen den fest installierten Glasscheiben nicht zu stark aufheizt. Doch dieses System funktioniert nicht wie es sollte.  Foto: 

Eigentlich ist Heiner Sämann, Schulleiter des Geislinger Michelberg-­Gymnasiums,  rundum zufrieden: „Das ist ein wirklich tolles Gebäude geworden“, sagt Sämann im Rückblick auf die im Herbst abgeschlossene, knapp 20 Millionen Euro teure Sanierung der Schule. Eine Ausstattung mit modernster Medientechnik, neue, helle Räume, viel Licht im Gebäude, dazu eine Mensa, „man spürt förmlich das gute Klima unter den Schülern“, erklärt Sämann: „Wir haben viel weniger Probleme als früher mit Müll und Vandalismus, die Schüler gehen sorgsam mit dem Gebäude und seiner Einrichtung um.“

Dazu kommt eine energetische Sanierung, die das MiGy von einem Energiefresser in ein Plusenergie-Gebäude vewandelt hat. Durch die Kombination von Strom- und Wärme-Erzeugung, thermoaktiver Fassade und Erdsonden-Tiefenspeicher ist die Schule energieautark. Dank dieser Technik hatte es das Michelberg-Gymnasium im Frühjahr sogar bis ins Fachmagazin „Sonne, Wind und Wärme“ geschafft. Der Titel. „Die Super-Sanierung“.

Nun aber kommt das Wörtchen „eigentlich“ ins Spiel. „Ein Thema ist leider noch die Klimatisierung“, sagt Sämann. Genauer: die Klimatisierung der Räume der obersten Stockwerke auf der Südwest-Seite des Gebäudes. Die hatten sich vor der Sanierung bei hochsommerlichen Temperaturen stark aufgeheizt – und tun es nach der Sanierung immer noch, in den vergangenen Wochen war dieses Problem spürbar. Sobald die Sonne herunterbrennt und die Luft auf über 30 Grad im Schatten aufheizt, steuern in besagten Zimmern die Temperaturen stramm auf die 30-Grad-­Marke zu. „Normalerweise ist es im Sommer dort 25 bis 26 Grad warm“, erklärt Sämann, „steigt die Temperatur, gibt das ein unangenehmes Raumgefühl, die Konzentration fällt  schwer.“

Wobei, das betont Sämann ausdrücklich, kein Planungsfehler der Gebäudehülle die Ursache für diesen Wärmestau ist. Das MiGy hat um seine alte Fassade eine neue Glas-Holz-Fassade bekommen, der Hohlraum dazwischen ist mit Dämm-Material gefüllt. Sämann: „Die Dämmung des Gebäudes ist so gut, dass im Winter die Körperwärme der Schüler fast schon ausreicht, um den Raum aufzuheizen.“

Genau diese guten Dämmeigenschaften sorgen bei starker Hitze dafür, dass eben die Räume stark aufheizen, die besonders der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind – weil ein Wärmeschutzsystem nicht richtig arbeitet. „Wir haben zwei Lüftungssysteme im Gebäude“, erklärt Sämann: „Um die Klassenzimmer zu belüften, strömt frische Luft in einem Schacht zwischen den Fassaden hoch, kommt durch Fenster herein, zirkuliert im Raum und zieht wie in einem Kamin über die Fenster nach oben ab.“

Dieses System lässt sich sommers sogar zum Kühlen vewenden: Das Kiesbett, das sich unter den Schächten befindet, kann über eine Sprinkleranlage befeuchtet werden, die Verdunstungskälte macht die Luft gut zwei bis drei Grad kühler.

Damit sich die Räume auch bei starker Sonneneinstrahlung nicht über Gebühr aufheizen, sorgt indes ein weiteres Kühl- oder Entlüftungssystem. Zwischen den Fenstern liegen so genannte Stagnationsfelder, das sind abgeschlossene Kammern zwischen den Glasscheiben der Innen- und Außenfassade. Durch diese Kammern wird via Kühlaggregat und Lüfter über Rohrleitungen Luft gepumpt, die die Stauwärme ableitet. Und eben dieses System funktioniert derzeit nicht so, wie es soll. „Wir kennen aber noch nicht die genaue Ursache. Womöglich steckt ein Konstruktionsfehler im Leitungssystem dahinter, da reicht schon ein Rohr, das zu stark geknickt ist. Womöglich ist aber auch die Technik zu schwach“, erklärt Sämann.

Als Sofortmaßnahme bekommt das Gymnasium derzeit einen größeren Lüfter, „man wird sehen, ob das ausreicht“, sagt Sämann. Sollte diese Sofortmaßnahme nicht greifen, geht es an die Rohrleitungen, „die zweite Stellschraube“, wie es der Schulleiter nennt – von der er aber hofft, nicht daran drehen zu müssen: Diesen Fehler zu beheben würde einen immensen Aufwand bedeuten, weil die Leitungen oberhalb der Zimmerdecken verlaufen und erst freigelegt werden müssten. Die Nagelprobe folgt dann nach den Ferien, „im September haben wir in aller Regel noch sommerliche Temperaturen“.

Wobei Sämann, der in der Sache gerne schon weiter wäre,  ziemlich sauer ist auf den zuständigen Fachingenieur Michael Kammerer. „Da muss ich ganz deutlich Kritik üben. Das Problem ist längst bekannt, der Planer kommt aber nicht in die Gänge und arbeitet nicht in dem Tempo, wie wir uns das vorstellen.“

Ein KOMMENTAR von Jochen Weis: Es geht nur ums Wohl der Schüler

Man braucht kein Prophet sein, um voraussagen zu können: In Geislingen wird bald die nächste Sau durchs Dorf beziehungsweise Städtchen getrieben. Wie kann es nur sein, dass bei einem knapp 20 Millionen Euro teuren Projekt so etwas Simples wie ein Umluftsystem nicht funktioniert und sich deshalb einige Klassenräume stark aufheizen? Das ist Wasser auf die Mühlen all jener, die die Generalsanierung des Geislinger Michelberg-Gymnasiums schon immer als Luxussanierung gebrandmarkt haben.

Gegen diesen Vorwurf gibt es nichts einzuwenden: Wer so viel Geld in die Hand nimmt, der hat ein Recht darauf, dass alles im und am Gebäude so funktioniert, wie man es ihm versprochen hat. Natürlich kann man nun wieder die Frage stellen, ob alles so teuer hätte sein müssen, ob aus dem maroden Betonklotz unbedingt ein Plusenergie-Haus mit allem möglichen technischen Schnickschnack hätte werden müssen. Und wieder kann man den Kritikern antworten, dass trotz aller Kostenexplosionen eine konventionelle Sanierung nicht billiger gekommen wäre, ein Neubau sogar noch einmal zehn Millionen Euro mehr gekostet hätte. Man kann die Sanierung gut finden, man kann sie verdammen, für alles gibt es gute Argumente. Nur ist es wenig zielführend, diese schon tausendmal gehörten Argumente erneut auszupacken, um sich damit gegenseitig verbal abzuwatschen. Das nervt.

Fakt ist: Es gibt ein Problem, Stadt und Schule haben reagiert, um das Problem aus der Welt schaffen. Das Dumme an der Sache ist nun einmal, dass man einen Fehler an einem System zur Wärmeregulierung erst dann bemerkt, wenn es heiß ist. Es dürfte wohl auch nur selten jemand auf Grund von Intuition oder Hellseherei drauf kommen, dass das Dach seines Häuschens undicht ist. Da braucht es auch erst mal einen Platzregen.

So gesehen ist es Glück im Unglück, dass gerade die Sommerferien laufen und sich das Problem sozusagen selbst entschärft. Denn es geht letzten Ende nicht um ein Gebäude, sondern um die, die drin sind und fürs Leben lernen: die Schüler. Es steht außer Frage, dass ein regulärer Unterricht in überhitzten Räumen nicht möglich ist. Einfacher formuliert: Heiß gleich Matschbirne. Dass die Geislinger Stadtverwaltung das Thema eines Tage wieder einholen dürfte, weil das Problem mit überhitzten Räumen an anderen Schulen nicht unbedingt besser ist, steht indes auf einem ganz anderen Blatt.

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