HfWU-Gastprofessoren kritisieren Brexit und Trump

Gastprofessoren der HfWU berichten aus ihren Heimatländern Schottland, Wales, USA und England über die aktuelle politische Situation.

|
In seinen Reden spricht Donald Trump häufig über seine Leitlinie „America first“ („Amerika zuerst“). Vor der Abschottungspolitik des US-Präsidenten warnen Politiker in Europa und auch bei der Veranstaltung der HfWU am Montagabend war sie in der Kritik.  Foto: 

Die Welt ist von einem grassierenden Virus der Unvernunft befallen. Davon ist Gareth Llywelyn überzeugt. Mit anderen internationalen Gastprofessoren und Interessierten diskutierte er an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen in Nürtingen über die Folgen von Protektionismus und Globalisierung.

Llywelyn kommt aus Wales. Aber auch in Schottland, England und den USA haben neu gewählte Entscheidungsträger tiefgreifende politische Änderungen eingeleitet. Aus diesen Ländern stammen die derzeit an der HfWU lehrenden Gastprofessoren. Sie unterrichten im Rahmen eines Programms der Bildungsstiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Mit Blick auf ihre Heimatländer berichteten die Wissenschaftler über ihre Erfahrungen zum Thema Globalisierung und nationale Abschottung.

„Ich bin bekennender Waliser“, stellte Llywelyn klar, „aber wir dürfen Nationalismus nicht mit Protektionismus verwechseln. Ich bin genauso bekennender Europäer“. Die Phänomene Trump und Brexit sind für ihn Zeichen eines sich weltweit verbreitenden, ansteckenden Irrsinns. Eine Erklärung für diese Entwicklung sieht der Immobilienwirtschaftler in der Sehnsucht der ehemaligen Weltmächte Großbritannien und USA nach früherer Größe.

Roger Evans unterrichtet derzeit an der HfWU in den Studiengängen Internationales Projektmanagement und Landschaftsarchitektur. „Für einen Großteil meiner Landsleute war der Brexit ein Schock. Auch wir sehen uns als Teil von Europa“, sagte der gebürtige Schotte. Evans kommt von der Estonian University of Life Sciences in der estnischen Stadt Tartu. Seine Frau Erika Jeret, die ebenfalls an der Diskussionsrunde teilnahm, kommt aus Estland. Für ihn hätte ein harter Brexit ganz persönliche Folgen: „Ein Lebenspartner könnte beispielsweise nicht im gleichen Land bleiben, nur weil er keine private Krankenversicherung abgeschlossen hat“, befürchtet Evans. Er fasst die Situation mit dem Wort „Unsicherheit“ zusammen.

Von der Stimmung in den USA berichtete Madeleine Romero. Sie lehrt am Linfield College im US-Bundesstaat Oregon. „Trumps Politik der Abschottung macht null Sinn“, sagte die Wirtschaftswissenschaftlerin. Auch die Ansichten des neuen Präsidenten zum Klimawandel hält sie für „unglaublich naiv“. Produktion und Kapital wanderten dorthin, wo sie am effektivsten eingesetzt werden können. „Es mag sein, dass bestimmte Wirtschaftssektoren das bei uns zu spüren bekommen – aber das hat nur zur Folge, dass wir uns dann darauf konzentrieren, wobei wir wirklich gut sind.“ Eine Globalisierung, die langfristig allen Menschen zugute kommt, hält Romero für eine Utopie: „Ohne eine maßgebliche Unterstützung der reichen Länder werden die unterentwickelten nicht am globalen Fortschritt teilhaben können.“

Nachhaltigkeit als Richtschnur

In Sachen Protektionismus pflichtete Catalina Spataru der Amerikanerin bei. „Die Geschichte zeigt: Abschottung funktioniert nicht.“ Spataru lehrt am University College London, neben Oxford und Cambridge eine der fünf Top-Forschungsuniversitäten in England. Gründe, warum die Briten für den Brexit gestimmt haben, sieht die Expertin für Energiepolitik und erneuerbare Energien darin, dass den Menschen falsche „Fakten“ präsentiert wurden. Zudem gebe es in England sehr viele Menschen, die dort seit Jahrzehnten leben, aber nicht gebürtige Briten seien und so kein Wahlrecht hatten.

HfWU-Rektor Professor Dr. Andreas Frey hob die vielschichtigen Dimensionen des Prozesses der Globalisierung hervor, die keineswegs nur ein ökonomisches Phänomen sei. Es sei unabdingbar, die nachhaltige Entwicklung, die auch im Zentrum des Leitbilds der HfWU steht, zur Richtschnur der globalen Entwicklung zu machen.

Frey überreichte bei der Veranstaltung den Gastprofessoren ihre Ernennungsurkunden. Bei einem Umtrunk konnten Gastprofessoren und Besucher noch gemeinsam diskutieren und offene Fragen klären. Zum Abschluss führte Roger Evans im schottischen Kilt einen traditionellen Tanz vor.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

GZ-Hochschulseite

Was passiert an der HfWU Nürtingen-Geislingen? Was bewegt die Studenten? In unserem Dossier klären wir Fragen wie diese.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gesuchter 27-Jähriger bei Unfall schwer verletzt

Bei einem Autounfall auf der Geislinger Steige hat ein VW-Golf-Fahrer am Freitagmorgen schwere Verletzungen erlitten. Er war zur Festnahme ausgeschrieben. weiter lesen