Herzliches Treffen der Partnerstädte Geislingen und Montceau

Die Trikolore dominierte am Wochenende die Farben in Geislingen, gestiftet von den Freunden aus der Partnerstadt Montceau. Rund 42 Jahre nach dem ersten Schüleraustausch war überall herzliches Willkommen.

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  • Im Geislinger Stadtpark weist nun ein Schild nach Montceau, enthüllt von OB Wofgang Amann und Montceaus Bürgermeister Didier Mathus. Schubart (rechtes Bild) empfing die Franzosen beim Kulturherbst. 1/3
    Im Geislinger Stadtpark weist nun ein Schild nach Montceau, enthüllt von OB Wofgang Amann und Montceaus Bürgermeister Didier Mathus. Schubart (rechtes Bild) empfing die Franzosen beim Kulturherbst.
  • So herzlich wie sie empfangen worden waren, wurden die Gäste aus Frankreich auch wieder verabschiedet. 2/3
    So herzlich wie sie empfangen worden waren, wurden die Gäste aus Frankreich auch wieder verabschiedet. Foto: 
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Zur Feier der 20-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Montceau-les-Mines und Geislingen herrschte am Wochenende in der Fünftälerstadt beste Stimmung - die Gäste aus Frankreich wurden herzlich aufgenommen. Auf den Plätzen der Stadt war bei mannigfachen Begegnungen ein vertrautes "Guck, unsere Franzosen send auch do" zu hören.

Den Wert der Städtepartnerschaft und damit internationalen Freundschaft bekräftigten Montceaus Bürgermeister Didier Mathus und Geislingens früherer Oberbürgermeister Martin Bauch sowie OB Wolfgang Amann beim Festakt am Samstag (wir berichteten) - in Geislingen wurde diese Freundschaft gelebt.

Angesichts des gewaltigen Programms musste sich die französische Delegation schon am Freitagnachmittag sputen, um zum Begrüßungszeremoniell in den SchubartSaal zu kommen: Es war das erste Wiedersehen mit langjährigen Freunden, bei einem leckeren Imbiss des Cateringservices der Uhlandschule und mit schwäbischem Wein und Bier.

Kultur verbindet - so auch die Menschen aus der französischen Bourgogne, die sich bei einem abendlichen Wandelgang auf die Spuren Schubarts begaben. Vor dem Helfensteiner Stadtschloss, dem Sitz des Ulmer Obervogts Baldinger, wurden die Querelen um den Revoluzzer dargestellt. In den historischen Kleidern steckten Mimen der Theatergruppe Obere Roggenmühle. Erläutert wurden die Szenen von Ensemble-Mitglied und Stadtrat Roland Funk, der die Machenschaften um und das Leben von Christian Friedrich Daniel Schubart umfassend auf Französisch beschrieb.

Aus der Schubart-Ära stammten auch die 40 und mehr Strophen des gar nicht so traurigen Liedes von der Fürstengruft, das Geislingens auch in Frankreich berühmte "Stadtratten" gekonnt und witzig beim anschließenden Kulturherbst-Treff in der überfüllten Stadtbücherei intonierten. Gar garstiges Liedgut von der Aushebung junger strammer Männer, die von der Obrigkeit an die Ostindien-Kompanie zum Kriegerlesmachen verkauft wurden, ließ die Stimmung an diesem Abend nicht sinken. Zumal es beim Weinfest auf der oberen Rebelleninsel noch einen (italienischen) Absacker für die Gruppe zu genießen gab.

Der gemischte Partnerschaftsausschuss hatte sich am nächsten Morgen in den Räumen der Volkshochschule mit schwerwiegenden Problemen auseinanderzusetzen, nämlich der Wiederbelebung des Schüleraustausches. Ein Teil der Delegation ging derweil den Besuch der Fünftälerstadt locker an: Einkaufsbummel in der Fußgängerzone und beim Fabrikverkauf der WMF. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft: So gab es in der Fabrikstraße Süßigkeiten oder ein Edelstahl-Lämpchen als "Cadeau" (Geschenk) aus Deutschland.

Dem Festakt im Kapellmühlsaal am Samstagvormittag schlossen sich nahtlos die Enthüllungen von Schildern am Partnerschaftsbaum, einem Amber-Stamm im Stadtpark, und des richtungsweisenden Straßenschildes an. Die Welt weiß seit Samstag: Bis Burgund sind es 613 Kilometer. Manche der Gäste interessierten die Vorführungen der Slackline-Artisten auf den zwischen den Parkbäumen gespannten Zurrbändern.

Die Kommunalpolitiker und Vereinsvorsitzenden aus Montceau wurden anschließend zu Geislingens neuen Errungenschaften geführt: ins Seniorenzentrum Bronnenwiesen, ins 5-Täler-Bad und zum Wasserkraftwerk in der Wölk. Kurze Verschnaufpause - dann kamen die deutsch-französischen Freunde zum großen Partnerschafts-Treffen in der "Krone" zusammen. Auch hier heizten wieder die Stadtratten ein und animierten zu gemeinsam gesungenen Liedern vom "Chevalier de la table ronde" bis zum schwäbischen Moscht-Song. Ein 20-Fragen-Quiz zu Europa stellte die Tisch-Teams auf die Probe. Den Gewinner-Tisch mit den Bürgermeistern und den Urgesteinen des Schüleraustausches, Marie-Claude Valabregue und Ulrich Frank, ließen alle gemeinsam mit dem typisch burgundischen Summlied "Banc bourguignon" hochleben.

Selbst am Abschluss-Sonntag ging den Gästen die Luft nicht aus: Die Gastgeber stellten ihren Besuchern die Türkheimer Biogas-Anlage samt der umliegenden Windkraft- und Fotovoltaik-Anlagen vor. Trotz des "gärigen Odeurs" in einigen Hallen, das viele Nasen unvorbereitet traf, weckte die innovative Energieproduktion das Interesse der Gäste. Frankreich wird zu 80 Prozent aus staatlichen Atomstrom-Anlagen versorgt. Das hält Montceaus Bürgermeister Didier Mathus, der Präsident der französischen Stromnetz-Gesellschaft RTE ist, für ein Manko.

Die Türkheimer Ortschaftsräte und Landfrauen bewirteten die Gäste anschließend im Gemeinschaftshaus - Zeit, um Gast- und Dankesgeschenke auszutauschen: Die Geislinger warteten mit Kellerpils-Flaschen in Jubiläumsgröße von drei Litern auf, die französische Delegation hatte edle Burgunder-Tropfen und Produkte für die gute Küche im Busgepäck.

Nicht leicht, sich am Ende dreier toller Tage in "großer Freundschaft und Herzlichkeit", wie Didier Mathus das Jubiläums-Wochenende bezeichnete, zu trennen. Die Franzosen ließen die deutsche Gruppe um OB Amann fähnchenschwingend und singend zurück: "Nehmet Abschied Brüder, ungewiss".

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