Gemeinderat berät Sortimentserweiterung der Fabrikverkäufe

Die Geislinger Mode- und Schuhhändler bekommen kalte Füße. Der Grund: Ein Antrag auf Sortimentserweiterung bei den Fabrikverkäufen. <i>Mit Kommentar</i>

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Der Tagesordnungspunkt 3 der kommenden Gemeinderatssitzung am Mittwoch macht schon im Vorfeld einigen Wirbel. Was sich ganz unspektakulär liest – „Antrag auf Erweiterung des Angebots in den WMF Fabrikverkäufen um die Sortimente Bekleidung und Schuhe“ – lässt beim Geislinger Einzelhandel die Alarmglocken schrillen. In einer von Günter Rösch unterzeichneten Stellungnahme im Namen der Geislinger Einzelhändler vom 24. März an die Geislinger Stadtverwaltung heißt es wörtlich: „Wie uns mitgeteilt wurde, wollen die Geislinger Fabrikverkäufe ihr momentan genehmigtes Sortiment um den Bereich Textil um 1700 Quadratmeter und den Bereich Schuhe um 500 Quadratmeter erweitern.

Um das Ganze einmal plastisch darzustellen: 1700 Quadratmeter Textilflächen bedeuten die gesamten Flächen der Modehäuser Rösch (Männermode Rösch, Esprit, vis-a-vis) sowie der Modehäuser Fahr (Modehaus Fahr, Kindermoden Fahr, Cecil). 500 Quadratmeter zusätzliche Schuhflächen entsprächen zudem den Flächen aller momentan in Geislingen ansässigen Schuhgeschäfte.“

Unterstützung erhalten die Verfasser dieses Papiers von der Industrie- und Handelskammer Göppingen. Geschäftsführer Dr. Peter Saile nennt drei Punkte, darunter als Erstes die Größen der Verkaufsflächen für Textil und Schuhe, die eben mit 2000 Quadratmetern oder mehr genauso groß ist wie die des Geislinger Einzelhandels in dieser Sparte. Saile fürchtet zum Zweiten, dass damit nicht nur Kaufkraft von außen angezogen, sondern vor allem klassische Kaufkraft aus Geislingen und Umgebung gebunden werde, den Anteil kann er aber nicht abschätzen.

Und drittens fürchtet der IHK-Geschäftsführer, dass der „Solitäreinzelhandelsstandort Fabrikverkäufe“ die anderen städtischen Einkaufslagen ausbluten lässt, sprich die Einzelhandelsattraktivität weiter abnimmt. Die Geislinger Einzelhändler fordern deshalb zusammen mit der IHK in ihren Stellungnahmen ein Gesamtkonzept, „das inhabergeführten Geschäften auch langfristig eine Perspektive in Aussicht stellt“. Und Saile ergänzt hier noch, indem er eine deutliche Reduzierung des Sortiments und eine behutsame Veränderung einfordert, die zeitlich gestreckt die Möglichkeit biete, bestehende Einkaufslagen zu verbessern und attraktiver zu machen. Er anerkennt allerdings auch wortwörtlich: „Denn zweifellos steckt in den hohen Besucherzahlen der Fabrikverkäufe Potenzial für den Einzelhandel und Tourismus der Stadt Geislingen.“

Die Einzelhändler, darunter auch der Laichinger Schuhhändler Johannes Walter, der in Altenstadt einen Laden hat, verweisen in ihren Schreiben an die Stadtverwaltung zudem auf ein von der die Fabrikverkäufen betreibenden Mutschler-Gruppe in Auftrag gegebenes Gutachten der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA). In diesem Gutachten sei angeblich von einem Umsatzrückgang von zehn Prozent für die Bestandsgeschäfte in Geislingen die Rede. Beklagt wird auch, dass dieses Gutachten nicht in vollem Umfang dem Geislinger Einzelhandel zugänglich gemacht wird. Johannes Walter droht sogar, den Standort Geislingen aufzugeben, sofern seine Umsätze weiter einbrechen. Er könnte sich dann einen Neubau eines Schuhgeschäfts im Bereich Deggingen bis Mühlhausen vorstellen.

Aber die ganze Aufregung ist möglicherweise umsonst, da Sylvie Mutschler am Montagabend in einer Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung erklärte, die laut Gutachten verträgliche Erweiterung gar nicht in vollem Rahmen ausschöpfen zu wollen. „Da der einzigartige Markenmix als ’Home & Lifestyle’ Outlet grundsätzlich erhalten bleiben soll, wird auch im aktuellen Bestand keine solche Veränderung angestrebt“, heißt es wörtlich. Ziel sei vielmehr eine flexiblere Sortimentsgestaltung, um die „überregionale Strahlkraft des Centers gezielt zu erhöhen“. Sylvie Mutschler verweist zudem auf ihr Engagement im Gewerbeverein und bei städtischen Events wie das Stabhochsprung-Meeting oder Verkaufssonntage. Ein kleines Tourist-Infozentrum soll im Neubau entstehen.

Die Bauarbeiten an den Fabrikverkäufen gehen voran

Erweiterung Der Spatenstich zur Erweiterung der Fabrikverkäufe erfolgte am 23. November 2015 (wir berichteten). Auf knapp 900 Quadratmetern Erweiterungsfläche sollen sechs bis acht neue Geschäfte entstehen, die gesamte Anlage hin zur Eberhardstraße geöffnet werden. Wer in diesen neuen Geschäften welche Waren anbieten wird, das haben die Betreiber bislang noch nicht verraten. Sollten allerdings künftig auf 1700 Quadratmetern Textilien und auf 500 Quadratmetern Schuhe angeboten werden, dann müsste es auch Veränderungen in der bestehenden Belegung der Fabrikverkäufe geben. Knapp vier Millionen Euro investiert die MutschlerGruppe, um das vorhandene Areal auf dann rund 5000 Quadratmeter Verkaufsfläche zu erweitern. 50 Arbeitsplätze entstehen.

Ein Kommentar von Michael Rahnefeld: Sturm im Wasserglas?

Erst vor wenigen Tagen haben Geislinger Handel und Gewerbe „die Sterne aufgehen lassen“ und einen neuen Marketingverein gegründet, der einiges anschieben soll im Städtle. Doch schon droht Ungemach. Nicht durch die neue Organisation, sondern durch ein Mitglied des Gewerbevereins, das in Geislingen sein Angebot auf Schuhe und Textilien erweitern will. Mit Entsetzen blickt der Geislinger Einzelhandel auf die Gemeinderatssitzung am Mittwoch und fürchtet, dass die Stadtväter den WMF Fabrikverkäufen genehmigen, ihr Angebot großflächig um Schuhe und Textilien zu ergänzen. Bislang schloss das Sortiment an der WMF dieses Angebot nebst Sportartikeln aus. Die Gründe dieser Protektion sind nicht ganz ersichtlich.

Immerhin teilt die IHK die Bedenken der Einzelhändler und verweist auf ein schlüssiges Marketingkonzept. Das braucht aber genauso Zeit wie die geforderte Verbesserung in anderen Geschäftslagen. Nun belebt ja Wettbewerb in aller Regel das Geschäft und erweiterte Angebote locken Kunden an. Eine Chance?

Aber meist wird ohnehin nie so heiß gegessen wie man kocht. Und Sylvie Mutschler, die schon beim Spatenstich ein Engagement für die Stadt unterstrichen hat, besänftigt: Es wird alles gar nicht so umfangreich, wie vom Handel befürchtet. War alles nur ein Sturm im Wasserglas? Lassen wir uns überraschen. Vielleicht lohnt ja auch mal ein Blick nach Metzingen? Wie haben sich dort örtlicher Handel und Gewerbe mit dem Outlet arrangiert?

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