Geislinger Schulleiter kritisieren Oberstufenreform

Geislinger Schulleiter sehen der geplanten Oberstufenreform kritisch entgegen. Schüler können sich zwar spezialisieren, aber die geeigneten Lehrer fehlen.

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Ziele: Die Stärken der Schüler zu vertiefen und die Allgemeinbildung zu fördern.  Foto: 

Man wird den Schülern wieder mehr gerecht“, sagt Heiner Sämann, Schuleiter am Michelberg-Gymnasium in Geislingen zur geplanten Reform der Oberstufe. Diese sieht ab dem Jahr 2019 drei fünfstündige Leistungsfächer anstatt den bisherigen vier Kernfächern mit je vier Wochenstunden vor. Das derzeitige ­Konzept komme keinem Schüler entgegen, sagt Sämann und nennt ein Beispiel: Mathematik müssen alle Oberstufenschüler vier­stündig belegen und werden gemeinsam unterrichtet. Das sei für Mathe-Begeisterte zu wenig, für Schüler mit anderen Vorlieben wiederum zu viel und vielleicht überfordernd.

Die geplante Neuerung ermögliche es, sich auf bestimmte Fächer zu spezialisieren und damit die eigenen Stärken zu vertiefen. Mathe-Fans können das fünfstündige Leistungsfach wählen, während als Alternative ein dreistündiger Kurs angeboten wird. Das neue Konzept fördere die Begabung, sagt der Leiter des MiGy.

Ottmar Dörrer, Leiter der Gemeinschaftsschule am Tegelberg und Geschäftsführer der Geislinger Grund-, Haupt-, Werkreal- und Sonderschulen sieht das ­anders: „Die Schüler können dann nicht mehr so differenziert Schwerpunkte setzen.“ Da zwei Leistungsfächer aus Deutsch, ­Mathe, Fremdsprachen und Naturwissenschaften gewählt werden, bleibt ein drittes zur freien Wahl. So könne ein Schüler nicht etwa Geschichte und Gemeinschaftskunde als Leistungsfächer kombinieren, erklärt Dörrer.

Sämann meint hingegen, die Reform mache es nicht nur den Schülern, sondern auch den Lehrern leichter: Sie könnten in den Leistungsfächern Inhalte wieder mehr vertiefen. In einem fünfstündigen Deutschkurs etwa sei ein deutlich höheres Pensum an Literatur möglich als in einem vierstündigen. Für die Basisfächer müsse der Unterrichtsstoff wiederum reduziert werden – in drei Stunden lässt sich nicht so viel vermitteln wie in vier. „Ich bin gespannt, wie das umgesetzt wird“, sagt Sämann.

Da manche Fächer künftig stärker gewichtet werden sollen – wie für Mathe und Deutsch – sind auch für die Basisfächer Sprachen und Naturwissenschaften drei Wochenstunden vorgesehen – rechnet der MiGy-Leiter auch mit personellen Veränderungen. Auch Dörrer befürchtet Engpässe wegen Lehrermangels, gerade im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich: „Es ist nicht so einfach, qualifizierte Kollegen in der Bandbreite aufzustellen.“ Bereits jetzt sei es schwierig, bei Ausfällen Vertretungslehrer zu finden.

Einig sind sich Dörrer und Sämann bei den geplanten Neuerungen der Abiturprüfungen: Dass die Präsentationsprüfung abgeschafft wird und stattdessen eine zusätzliche mündliche Prüfung rücken soll, bedauern beide Schulleiter. Dörrer findet es fürs Berufsleben wichtig, dass man gut präsentieren kann. Sämann stimmt damit überein und betont zudem, dass mündliche Prüfungen einen höheren organisatorischen Aufwand bedeuten: Man brauche mehr Lehrer, die als Prüfer anwesend sind und dann Unterricht ausfallen lassen müssen.

Einen Vorteil sehen sowohl Sämann als auch Dörrer darin, dass durch die Reform die Anforderungen mit denen in anderen Bundesländern vergleichbar sein sollen. „Momentan sind die Unterschiede gravierend“, sagt Dörrer. Die Gefahr, dass Baden-Württemberg durch die Angleichung der Standards im Niveau sinken könnte, gebe es nicht.

Wolfgang Rapp findet den Ansatz der Reform gut: „Wenn die Allgemeinbildung besser wird, ist die Reform zu begrüßen“, sagt der Leiter des Helfenstein-Gymnasiums. Das HeGy sei „bereit, neue Wege zu gehen“. Je nach Neigung eines Schülers könne es durch die Neuerung aber durchaus auch Nachteile geben, weil bei den Leistungsfächern nicht alle Kombinationen möglich sind. Auch Rapp weist zudem darauf hin, wie schwer es ist, Lehrer für Naturwissenschaften zu finden. Das müsse sich ändern, um den künftig noch größeren Bedarf abzudecken: „Man muss dafür sorgen, dass viele diesen Bildungsweg einschlagen.“

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