Geburt bei Kerzen und Musik

Eine Hausgeburt. Was früher noch alltäglich war, kommt heute fast gar nicht mehr vor. Doch Ronja Mühlberger aus Geislingen hat es gewagt - und würde es sofort wieder tun.

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Familie Mühlberger: Der kleine Samuel Liam (Mitte) wurde mit Unterstützung einer Hebamme am 4. Februar zu Hause auf dem Sofa geboren. Foto: Claudia Burst

"Wir haben Kerzen aufgestellt, schöne Worship-Songs eingelegt, gebetet - es war einfach eine ganz andere Atmosphäre als im Krankenhaus", erzählt Ronja Mühlberger. Die 27-Jährige hat am 4. Februar ihr Söhnchen Samuel zur Welt gebracht, zu Hause im Wohnzimmer auf dem Sofa.

Eine Geburt, wie sie heutzutage nicht mehr allzu oft praktiziert wird. Auch ihr Mann Matthias war anfangs skeptisch. "Was machen wir, wenn etwas passiert?", fragte er sich. Doch der Kontakt zu Sabine Hanke-Seidel, der Hebamme, entkräftete seine Befürchtungen. Die Hebamme aus Maitis gehört zu den wenigen Fachkräften ihrer Branche, die trotz der damit verbundenen hohen Versicherungsbeträge die Begleitung bei Hausgeburten anbietet. Das Geislinger Paar lernte die Geburtshelferin mit 13-jähriger Erfahrung bereits im Vorfeld kennen - und schätzen. Schnell waren sie sowohl von ihrer Kompetenz als auch von ihrem Versprechen, eventuelle Komplikationen so rechtzeitig einschätzen zu können, dass es auf jeden Fall bis in die Geburtsklinik reiche, überzeugt.

Tatsächlich zeigte es sich, dass die Geburt zu Hause eine ganz andere "Qualität" erreichte als im Krankenhaus. "Obwohl wir bei der Geburt unserer Tochter Norah in der Helfenstein Klinik sehr zufrieden waren", fügt der junge Papa hinzu. Dass in Geislingen die Geburtshilfestation nicht mehr zur Verfügung steht, war ein weiterer Punkt, der für die Hausgeburt sprach.

Für den großen Tag bereiteten sich Ronja und Matthias vor - mit Einkäufen im Baumarkt. Eine große Maler-Abdeckplane spannten sie über das breite Wohnzimmersofa, Eimer stellten sie für alles bereit, was hinterher entsorgt werden musste.

Los ging es mitten in der Nacht. Innerhalb einer halben Stunde war Sabine Hanke-Seidel in Geislingen. "Klar, die Schmerzen waren so heftig wie im Krankenhaus", gibt Ronja Mühlberger zu. Aber sie habe sich die ganze Zeit sicher gefühlt. Die Hebamme habe ein tragbares CTG-Gerät zur Kontrolle der Herztöne des Babys dabei gehabt. Ansonsten wusste sie mit Abtasten und mithilfe eines Hörrohrs immer, was zu tun war. Auch als die Stärke der Presswehen plötzlich nachließ, konnte sie helfen. Um 7.55 Uhr erblickte der gar nicht so kleine Samuel mit seinen 3700 Gramm Gewicht das gedämpfte Licht im elterlichen Wohnzimmer. Sein dreijähriges Schwesterchen Norah, das die ganze Nacht über friedlich geschlafen hatte, wachte eine halbe Stunde nach der Geburt auf und war vollkommen begeistert. Weil Papa Matthias vom Tag der Geburt an drei Wochen Urlaub hatte, erlebte Ronja Mühlberger auch ihr Wochenbett stressfrei und positiv.

Die jungen Eltern würden diese Art der Geburt sofort wieder so machen. Übrigens: Die Krankenversicherung bezahlt die Hausgeburt. "Manche Hausgeburt-Hebammen nehmen noch eine Bereitschaftspauschale von 300 Euro, aber unsere nicht", freut sich Ronja Mühlberger.

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