Flüchtlinge tanzen bei „All you can dance“ mit Profi-Tänzern

|
In die Hocke, hoch das Bein: Beim Workshop schauen sich die Kinder und Jugendlichen von Profi-Tänzern Schritte ab.  Foto: 

Zeig deinen besten Roboter“, ruft Jonas Frey und bewegt die Arme ruckartig. Es ist eine der wenigen Anweisungen, die der professionelle Tänzer den Workshop-Teilnehmern gibt. Denn die Veranstaltung „All you can dance“, zu der am Donnerstag vor allem junge Flüchtlinge in die Geislinger Rätsche gekommen sind, nimmt Worte nicht so wichtig. „Es ist eine Chance, wenn Sprache keine Rolle spielt“, sagt Andrea Gern, Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft Tanz – TanzSzene Baden-Württemberg. Der Verein rief das Projekt, das vom Innovationsfonds Kunst des Landes Baden-Württemberg und der Lechler-Stiftung gefördert wird, ins Leben. Seit Februar sind Tänzer und Choreografhen mit dem Projekt landesweit unterwegs. Mit zeitgenössischem Tanz sollen kulturelle und sprachliche Barrieren überwunden werden, erklärt Andrea Gern. „Wir machen etwas miteinander und schauen nicht nur zu.“

Jonas Frey hebt die Hände hoch und die vielen Kinder, die einen Kreis um ihn gebildet haben, machen es ihm nach. Jungen und Mädchen, unter denen auch Jugendliche sind, strecken sich und gehen dann zeitgleich mit Frey in die Knie, um sich ganz klein zu machen. Aus den Lautsprecherboxen schallt rhythmische Musik. Die Eltern der Kinder stehen oder sitzen rund um die Tanzgruppe, einige klatschen oder wippen mit den Füßen.

Der Workshop, den die Rätsche in Kooperation mit dem Geislinger Arbeitskreis Asyl veranstaltet, ist der zweite Teil von „All you can dance“ – sozusagen die Hauptspeise am Tanz-Büfett.

Zuvor hat Hip-Hop-Tänzer Jonas Frey zusammen mit Ballerina Michelle Cheung den Gästen das Tanzen schmackhaft gemacht. Auf der Bühne hüpfte und drehte sich mal jeder für sich, dann wanden sich die beiden Profis umeinander als würden sie zu einer Figur verschmelzen. So unterschiedlich und doch gemeinsam ließen sie ihre Körper zum Publikum sprechen. „Man versteht die Stücke ohne sich mit der Kunst auszukennen“, sagt Andrea Gern.

Der Tanz, den die Workshop-Teilnehmer lernen, ist nicht ganz so komplex wie zuvor bei der rund 45-minütigen Vorführung. Jonas Frey zeigt den Jungs ein paar Hip-Hop-Schritte und um Michelle Cheung haben sich vor allem Mädchen geschart, die auf den Zehenspitzen trippeln. Die kleine Lugien tänzelt immer wieder zu ihrer Mutter, die mit einem Baby auf dem Schoß auf einer Bank an der Wand sitzt und zuschaut.

Getanzt habe sie selbst noch nicht, sagt die Syrerin. Sie beobachtet aber gerne ihre sechsjährige Tochter dabei, wie sie sich zusammen mit den anderen Kindern zur Musik austobt.

Normalerweise treffen sich um diese Uhrzeit viele Flüchtlinge zum Kontaktcafé des AK Asyl in der Rätsche. So sei es gelungen, viele Besucher zu der Tanzveranstaltung zu locken, sagt Brigitte Auerbach vom Rätschevorstand. Dass die meisten auch beim Workshop mitmachen, freut sie besonders. „Jeder macht in dem Rahmen mit, wie er es sich traut.“

Nach dem Workshop lassen sich die Gäste auch das „Dessert“ am Tanz-Büfett nicht entgehen: Zum Trommeln der Rätsche-Gruppe „Trommelfell“ sausen die Kinder durch den Saal oder trommeln mit ihren Händen auf dem Boden mit. Alle verstehen sich gut – auch ohne Worte, und die würde man bei dem Gepolter ohnehin nicht verstehen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

MiGy-Sanierung: Es kommen nochmal 1,6 Millionen Euro oben drauf

An diesem Mittwoch, 22. November, muss der Geislinger Gemeinderat erneut außerplanmäßige Ausgaben fürs Michelberg-Gymnasium genehmigen. Die Kritik an Architekt und Fachplaner ist massiv. weiter lesen