Flotte Sprüche, zugespitzte Formulierungen

Flotte Sprüche, zugespitzte Formulierungen - das Salz in politischen Reden. Kostproben aus den Etatreden der Geislinger Fraktionssprecher.

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Geislingens Finanzlage ist gut, aber nur vergleichsweise, auf niederem Niveau. Wie lässt sich das ausdrücken? In seiner Etatrede fand CDU-Fraktionschef Holger Scheible diesen Vergleich: "Wenn der Wasserlauf der Rohrach nicht, wie in manchen Jahren zu befürchten, total eintrocknet, sondern sich plötzlich als kleines Rinnsal entpuppt, dann empfinden wir dies schon so, als ob Hochwassergefahr bestünde, während man in anderen Städten allenfalls von einem unscheinbaren Bächlein reden würde."

Die Finanzlage der Stadt Geislingen ist also kein trockenes Thema. Flott lässt sich darüber sprechen, wie GAL-Vertreter Bernhard Lehle bewies, als er die Entwicklung so charakterisierte: "Nachdem wir in diesem Jahr fast schon eine relaxte Haushaltssituation haben, stehen die Zeichen für die Zukunft auf Panik." Lehle zitierte im Folgenden den alten Griechen Euripides, seltsamer Weise mit einem lateinischen Satz, der auf Deutsch so lautet: "Solange der Kranke atmet, gibt es Hoffnung."

Thomas Reiff von der SPD richtete den Blick aufs Gesicht des Kämmerers bei der Einbringung des Haushalts, bei der ein städtischer Kassenwart immer den warnenden Zeigefinger hebt; meist fällt dann die Abrechnung des Haushaltsjahrs freundlicher aus. Reiff machte nun "den in langen Berufsjahren eingeübten, zerknittert pessimistischen Stadtkämmererblick bei der Haushaltseinbringung" aus, "der übrigens mit dem meist freudigeren Blick beim Rechnungsabschluss korreliert".

Als sich Bernhard Lehle von der GAL beim Vortrag seiner Etatrede einmal verhaspelte, kommentierte das sein Fraktionskollege Holger Schrag trocken so: "Den Vorlesewettbewerb gewinnst du nicht."

Hier Euripides, dort Pädagogik- Professor Hilbert Meyer. Mit einem Zitat des Letzterem leitete FW-Vorsitzender Roland Funk seine Etatrede ein: "Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es gemacht."

Funk stellte übrigens folgenden süffisant formulierten Antrag: Stadtarchivar Gruber solle jeweils die Jubiläen der nächsten zehn Jahre mitteilen, "um nicht von anstehenden Jubiläen überrascht zu werden" - wie seinerzeit vom Jubiläum der ersten Nennung Geislingens.

Rund zweieinhalb Stunden zogen sich die Etatreden der vier Fraktionssprecher hin - zu lange? Thomas Reiff gab das zu bedenken: "Sie durften mir jetzt lange zuhören. Ich versichere Ihnen aber, es hat noch länger gedauert, diese Rede zu schreiben."

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