Fledermausexpertin warnt vor Windkraft

Bei der jüngsten Fledermaustagung der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg in Stuttgart wurde bundesweit ein dramatischer Schwund von Rauhautfledermäusen festgestellt. In den bekannten Quartieren und bei Netzfängen werden kaum noch Tiere dieser Art gefunden.

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Die Experten meinen, dass besonders wandernde Fledermausarten wie beispielsweise Großer- u. Kleiner Abendsegler, Zweifarb- u. Rauhautfledermäuse aktuell durch Windräder sehr starke Verluste erleiden. Insbesondere in ihren Jagdgebieten im oder über Wald wirken sich Windräder unter diesen Tieren verheerend aus.

Fledermäuse orientieren sich mit ihren Ultraschallrufen bei ihren Wanderungen anhand von Landschaftsstrukturen wie Waldrändern, Alleen, Flussuferstreifen, Hecken, Böschungen oder an der Albtraufkante entlang, erklärt die Geislinger Fledermaussachverständige Christine Köpf. Wenn entlang solcher Strukturen plötzlich Änderungen entstehen, zum Beispiel großflächig abgeholzt wird oder an längeren Flußabschnitten Bäume und Gesträuch auf den Stock gesetzt werden, entsteht für die Tiere unmittelbar eine Lücke in ihrer gewohnten Landkarte - sie finden sich dort nicht mehr zurecht - es fehlt ein Stück in ihrer "Straße", - vergleichbar wie wenn man einem Blinden alle Orientierungspunkte entfernen würde, erklärt Christine Köpf.

Inneren Organe platzen und das Tier verblutet

Kommt eine Fledermaus dazu noch in den Druckradius eines Windrades, hat sie keine Chance zu entkommen. Selbst wenn sie von dem Flügel nicht unmittelbar getroffen wird, platzen ihr die inneren Organe durch den hohen Luftdruck und sie wird verbluten.

Für Fledermausfachleute gehören Windräder ganz klar nicht in den Wald. Hier richten sie eindeutig - bedingt durch enorme Abholzungen - eine Zerstörung von Lebensräumen, mehr Schaden als Nutzen an. Christine Köpf verweist in diesem Zusammenhang auch auf den Verstoß gegen das Tötungsverbot nach Paragraf 42 Naturschutzgesetz.

"Nicht nur bei uns werden die wandernden Fledermausarten dann fehlen, sondern auch in den nord- osteuropäischen Ländern, in die sie ja dann im Sommer nicht mehr zurückkehren können", sagt die Fledermausexpertin.Sie fürchtet, die Lobby der Windkraftindustrie und der politische Druck seien leider derzeit so groß, dass sich über bestehende Naturschutzgesetze einfach hinweg gesetzt werde. Von den Windkraftunternehmen bezahlte Gutachten könnten nicht unabhängig und neutral sein, die Kontrolle und Durchführung des Gondelmonitorings (Detektor an der Gondel zur Feststellung von Fledermausrufen) durch die gleichen Leute ebenso wenig, so ihr Vorwurf. Auch würden ungeeignete Messgeräte eingesetzt, die gar nichts aufnehmen, selbst wenn starker "Flugverkehr" herrsche. "Es fehlen einfach unabhängige Fachleute und Kontrolleure", ärgert sich Christine Köpf.

Das Fledermaussterben vollziehe sich zunächst leise und von den meisten Menschen unbemerkt. Bemerken wird man eher die Zunahme von Schadinsekten, ist sich die Fledermausexpertin sicher - denn eine Fledermaus vertilgt jede Nacht bis zur Hälfte ihres Körpergewichtes an Insekten und die meisten Wald- und Obstschädlinge fliegen vorwiegend nachts. Das werde dann einen vermehrten Verbrauch von Insektiziden nach sich ziehen, was wiederum die natürlichen Feinde der Insekten dezimieren wird. "Folglich wird man noch mehr Gifte brauchen und diese Spirale wird sich weiter drehen", sagt Christine Köpf. Sie fordert: "Die für die Genehmigung von Windparks zuständigen Leute bei der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes sollten sich ihre Entscheidung gut überlegen, bevor sie politischem Druck und Lobbyismus nachgeben. Keine Windkraft im Wald."

Die Warnungen der Experten und Naturschützer

Zerstörung Durch die Waldrodung für eine Windkraftanlage werde mehr gespeichertes Kohlendioxid pro Jahr frei, als solch eine Anlage jährlich einsparen kann, unterstreichen die Experten. Der Wald ist mit einer jährlichen Senkleistung von zehn Tonnen Kohlendioxid pro Hektar der bedeutendste Kohlenstoff-Reduzierer Deutschlands. Demgegenüber stehe das jährliche Einsparpotenzial eines Windrades von fünf bis acht Tonnen Kohlendioxid ohne Berücksichtigung des bei der Herstellung freiwerdenden Kohlendioxids. Für ein Fundament werden 1500 Kubikmeter Beton und 180 Tonnen Stahl im Erdreich versenkt, es entstehen Hunderte von Metern offene Waldränder, die Angriffsflächen für Sturm, Käfer und Sonnenbrand sind, warnen die Fledermausschützer.

SWP

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Kommentare

24.05.2016 11:53 Uhr

Antwort auf „Drei Nullen vergessen”

Sie mögen recht haben, wenn Sie eine WKA betrachten. Aber in der Summe ist der CO2-Ausstoß in Deutschland 2015 trotz 26000 WKA gestiegen! Das liegt u.a. daran, dass ein Reserve-Kraftwerkspark vorgehalten werden muss, da WKA nicht in der Lage sind, uns kontinuierlich mit Strom zu versorgen.
Und dazu noch die Naturzerstörung?! Die Umweltbilanz aller WKA in Deutschland fällt eindeutig negativ aus.

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11.05.2016 17:06 Uhr

Drei Nullen vergessen

Die genannten Experten der Zusatzinfo haben leider drei Nullen unterschlagen: Das jährliche Einsparpotenzial eines modernen Windrads liegt bei 5.000 bis 8.000 Tonnen CO2 pro Jahr - und zwar netto, d.h. unter Berücksichtigung der Vorkettenemissionen für den Herstellungsprozess und die Inbetriebnahme.

Bei allem Verständnis für das Engagement im Natur- und Artenschutz - die Fakten dürfen dabei aber nicht nach Belieben verdreht werden.

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