Filteranlage: Schluss mit Gestank aus Türkheimer Biogasanlage

Die Türkheimer Biogas-Aufbereitungsanlage wird im ersten Quartal 2018  mit einem Filter nachgerüstet. Damit soll Schluss sein mit schlechten Gerüchen.

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Die Biogas-Aufbereitungsanlage bei Türkheim. Ein Aktivkohle-Filter soll verhindern, dass über entweichendes Schwachgas Gestank entsteht. Der Filter ist schon vor Ort und wird laut ENBW im kommenden Jahr eingebaut  Foto: 

Seit Jahren schon ärgern sich die Türkheimer über ständig wiederkehrenden Gestank, der Teile des Orts einhüllt. Als mutmaßlicher Verursacher gilt der Energieversorger ENBW, der im nahen Gewerbepark Schwäbische Alb eine Bio-Erdgas-Aufbereitungsanlage betreibt. Professionelle Schnüffler sollen nun ab kommendem Jahr per Rastergeruchsmessung klären, welchen genauen Ursprung der Gestank hat, sprich: ob er Folgeprodukt der Landwirtschaft ist oder eben der Aufbereitungsanlage.

Nun greift aber auch die ENBW an, um das Problem aus der Welt zu schaffen – und zwar mit einem Aktivkohle-Filter, dessen Einbau der Konzern bereits im Januar 2016 angekündigt hatte. Weil es sich dabei um eine Spezialanfertigung handelt, die erst entwickelt, dann konfiguriert und geprüft werden musste und zudem noch einer behördlichen Genehmigung bedurfte, hat sich der Einbau immer wieder verzögert – zum Dauerärger der Türkheimer.

Inzwischen ist der Filter vor Ort, laut Konzernsprecherin Dagmar Jordan wird er im ersten Quartal 2018 installiert. Die ENBW hätte das Jordan zufolge zwar am liebsten schon erledigt. Allerdings müssen beim Schwachgas-Speicher erst noch zwei Ableitungen, die bislang in zwei Kaminrohre mündeten, in einem abführenden Rohr zusammengelegt werden. Das Ganze besteht aus Edelstahl. „Das heißt, es fallen Schweißarbeiten an“, sagt Jordan, „es gibt aber nur wenige Firmen, die dies ausführen können.“ Und die seien gut ausgelastet. Weshalb die beauftragte Firma erst im neuen Jahr loslegen könne.

Ist der Filter in Betrieb, wird er Terpene herausfiltern. Dies sind leicht flüchtige Kohlenwasserstoffe und zugleich wesentlicher Bestandteil von ätherischen, also stark duftenden Ölen. „In dem Filter befindet sich eine spezielle Aktiv-Kohle“, erklärt Jordan, „das sind sozusagen winzig kleine Pellets, welche die Moleküle an sich binden.“

Die Terpene selbst befinden sich im Schwachgas, das als Restprodukt bei der Veredelung von Bio-Rohgas zu Bio-Erdgas, also zu Methan, übrig bleibt. Dieses Schwachgas besteht hauptsächlich aus Kohlendioxid und Stickstoff. Es hat außerdem noch einen geringen Methan-Anteil, allerdings so gut wie keinen Brennwert mehr. Dennoch muss es abgefackelt werden, um nicht die Atmosphäre zusätzlich als Treibhausgas zu belasten. Genau an dieser Stelle lag laut ENBW in der Vergangenheit ein Problem: Der Konzern bezieht das Roh-Biogas vom benachbarten Schraden-Biogas. Die Firma stellt es aus Lebensmittelabfällen her. „Allerdings schwankt hierbei die Rohstoff- und damit die Gasmenge“, sagt Jordan. Kommt zu wenig Nachschub, stoppt die Aufbereitungsanlage – und damit auch die Verbrennung des Schwachgases, das dann nach außen abgeleitet wird. Wobei der Energieversorger nach wie vor betont, dass die Anlage nicht die dominierende Emissionsquelle ist.

Doch auch in der Anlage von Schraden-Biogas tut sich was: Die Gärrest-Becken bekommen eine neue Abdeckung. Bislang wird auf den Gärrest, ein Gemisch aus Wasser und den vergorenen Lebensmittel-Abfällen, Pegülit geschüttet, ein Tonmineral. Das sieht aus wie Katzenstreu und schwimmt auf der Emulsion. Die Körner saugen sich voll und bilden so eine geschlossene Oberfläche. Das Mineral hat allerdings zwei Nachteile: Sind die Behälter voll, bläst der Wind einen Teil des Pegülits fort. Ist der Füllstand niedrig, sinkt ein Teil des Pegülits ab, wenn der Gärrest gerührt wird. Dies ist notwendig, damit sich die Feststoffe der Emulsion nicht am Grund der Behälter absetzen. Dabei reißt die Oberfläche auf, es könnte Gestank entweichen.

Könnte, weil –wie Geschäftsführer Christoph von Jan erläutert – die Gärreste in der Türkheimer Anlage vollständig vergoren sind und deshalb kein Faulgas mehr entweicht. Wegen des Schwunds muss regelmäßig Pegülit nachgefüllt werden.

Weshalb der Konzern nun auf teurere Hexacover-Abdeckplatten umschwenkt. Das sind kleine Kunststoff-Sechsecke, die auf dem Gärrest schwimmen, sich zu einer geschlossenen Oberfläche anordnen und so Gerüche unter der Oberfläche halten. Beim Rühren oder Abpumpen verschwinden die Platten nicht wie Pegülit auf Nimmerwiedersehen.

Warum aber der Aufwand? Zum einen, weil eine Abdeckung Vorschrift ist, zum anderen, „weil wir uns nichts vorwerfen lassen wollen. Wir wissen, dass das ein sehr sensibles Thema in Türkheim ist“, sagt von Jan.

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