Feinsinniges Spiel auf der Gitarre

Am Freitag trat Terry Lee Hale als akustischer Solo Act bei der Geislinger Rätsche auf und begeisterte das Publikum mit variantenreichem und feinsinnigem Gitarrenspiel und starken Songs.

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Gekonnt und eindrucksvoll brillierte Terry Lee Hale.  Foto: 

Ruhe und Entspanntheit waren stets während dieses Konzerts greifbar, das am Freitagabend bei der Rätsche in Geislingen in lockerer Runde vor dem an Tischchen sitzenden Publikum stattfand. Die akustische Grundausrichtung des Konzerts wurde lautstärketechnisch aufgegriffen: Eher zurückhaltend, fast leise, dabei fein abgemischt drangen Stimme und Gitarre(n) an die Ohren der Konzertbesucher, die fast andächtig dem lauschten, was Terry Lee Hale auf der Bühne musikalisch entwickelte. Mit "You guys are so quiet" sollte dieser das sensible Hörverhalten des Publikums im Laufe des Abends goutieren. Im intimen Klangraum war so nicht nur Musik, sondern auch ihr Erschaffen zu hören, etwa das Anschlagen der Saiten, das Umstimmen der Gitarren oder Taktklopfen des Fußes.

Begonnen wurde der Abend nach einer kurzen Vorstellung: "My name is Terry Lee Hale, hope youre at the right concert!" mit dem Titelstück seines neuen Albums "The Long Draw". In atmender Dynamik wurde daraufhin "The Sad Ballad of Muley Graves" angestimmt, zu dem eine melodiöse Instrumentalpassage gehört, die mutig, ohne jede Harmoniebegleitung als Singlenote-Spiel im leicht hallenden Raum entwickelt wurde. Nur das Anschlagen der Saite, ihr Klang und Nachhallen waren dabei zu hören. Das Publikum lauschte still und andächtig - Gänsehautfeeling. Erst nach Verklingen des letzten Tons setzte hier wie in der Folgezeit nach den Stücken großer Applaus ein.

Klangliche Raffinessen kamen durch den Einsatz verschiedener akustischer Gitarren, etwa einer achtzig Jahre alten Dobro, ebenso ins Spiel wie durch die großartigen, nie selbstzweckmäßig dargebotenen, fein differenzierenden Techniken Hales. Geschlagene Akkorde, Riffs, Pickings mit und ohne Fingerpicks kamen zum Tragen. Unterschiedlichste offene Stimmungen ermöglichten Akkord- und Pick-Improvisationen. Bluesgrass-, Country-, Folkelemente mixten sich mit klassischem Songwriting, Bluesakkordfolgen und bluesige Harpklänge klangen an.

Besonders eindrucksvoll gerieten "Gold Mine" und das erst wenige Wochen alte "Scientific Rendezvous". Bei beiden wurden von Hale zunächst Akkordfolgen und Geräusche in ein Loop-Effekt-Gerät live eingespielt und dieses mittels Fußschalter dann so gesteuert, dass in seinem weiteren Live-Spiel mehrere Gitarren parallel zu hören waren. Live-Soli über Akkordfolgen wurden so möglich. Hale benötigte keine personelle Unterstützung, um seine Songs, die oft deskriptiv Situationen umreißen, in abwechslungsreiche klangliche und rhythmische Strukturen zu betten.

Mit seinem brillanten Gitarrenspiel unterstützte er seinen ebenfalls mit Understatement vorgetragenen Gesang. Ein Höhepunkt, neben vielen musikalischen Höhepunkten, war die nette Verlosungsaktion seines ersten, mittlerweile auf CD erschienenen Albums aus dem Jahre 1979. Nach drei Zugaben, die einmal mehr Hales Credo: "Live music is still the best kind of music" belegten, endete ein eindrucksvoller Konzertabend.

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