FDP-Landtagskandidat Armin Koch will vor allem seiner Partei helfen

Armin Koch ist Realist: Der FDP-Landtagskandidat weiß, dass er bei der Wahl am 13. März keine Chance hat auf ein Mandat. Trotzdem will er kämpfen, damit die Liberalen wieder eine Stimme haben im Landtag.

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Der Erhalt des dreigliedrigen Schulsystems ist ein zentrales Anliegen von Armin Koch. Der FDP-Landtagskandidat hat selbst die Daniel-Straub-Realschule in Geislingen besucht: "Nach der mittleren Reife standen mir immer noch alle Wege offen, selbst bis zum Abitur", betont der Unternehmer.  Foto: 

Er will dazu beitragen, dass "die politische Mitte im Landtag wieder eine Stimme hat." FDP-Landtagskandidat Armin Koch macht sich nichts vor: In den Umfragen liegt die FDP derzeit bei knapp sieben Prozent. Das wären voraussichtlich zehn Abgeordnete im neuen Landtag. 22 Liberale treten landesweit an. Da liegt selbst das Zweitmandat für den Süßener in weiter Ferne. Hier zählt die Anzahl der Stimmen, die ein Kandidat bekommt. Doch der Wahlkreis Geislingen gehört nicht gerade zu den Ballungsgebieten im Land. Trotzdem will der 41-Jährige kämpfen: Noch 35 Termine stehen in Kochs Wahlkampfkalender. Und die will er nutzen, um zumindest "ein schönes Ergebnis" für seine Partei zu erreichen. Baustellen gibt es für Koch genug im Ländle.

Dabei sieht sich der Selbstständige, der sich vom Automobilverkäufer zum Inhaber eines Taxi- und Busunternehmens mit 19 Mitarbeitern hochgearbeitet hat, bei Weitem nicht nur als Lobbyist des Mittelstands, wie die FDP gerne bezeichnet wird. Ein großes Thema ist für den Vater eines 16-jährigen Sohnes die Bildungspolitik. Grün-Rot habe mit ihrem radikalen Umkrempeln des Schulsystems Eltern und Schüler total verunsichert, geißelt Koch vor allem die Gemeinschaftsschule: "Ich kann nicht alle in einen Sack stecken und mit Einheitsbrei füttern." Für unterschiedliche Kinder müsse es auch unterschiedliche Schulen geben, plädiert der Kandidat für die Beibehaltung des dreigliedrigen Schulsystems. Koch sieht vor allem die Realschule in Gefahr, die zwischen Gemeinschaftsschule und Gymnasium aufgerieben werde. Dabei gebe die Realschule mit dem mittleren Bildungsabschluss eine klare Zielvorgabe. Und danach seien immer noch alle Wege offen selbst zum Abitur. "Bei der Gemeinschaftsschule weiß keiner, wohin der Weg geht."

Genauso besorgt ist Koch um die innere Sicherheit. Seit der Polizeireform könne die Polizei nicht mehr für die Sicherheit der Bürger vor Ort sorgen, klagt der Kandidat und führt ein Beispiel aus Heiningen an. Dort alarmierten zwei Mädchen über den Notruf 110 die Polizei, weil sie sich vom Fahrer eines Lieferwagens verfolgt fühlten. Im Präsidium Ulm, wo seit der Polizeireform alle Notrufe auflaufen, verwechselte man den Ortsnamen Heiningen mit Hayingen hinter Ulm. Der Dienstführer riet den Frauen, sich "ans nächste Polizeirevier" in Ehingen oder Münsingen zu wenden. Eine Streife wurde erst gar nicht losgeschickt (die GZ berichtete). Die mangelhafte Ausrüstung bei der Polizei ist noch ein Kritikpunkt Kochs. Dass die Landesregierung jetzt kurz vor der Wahl demonstrativ 13 Millionen Euro in die Ausstattung der Polizei stecke, sei bezeichnend. Ganz abgesehen von der schlechten Bezahlung: "Ein Polizist riskiert sein Leben - und was kriegt er dafür?"

Beim Dauerbrenner B 10 ist sich der FDPler hingegen wieder einig mit der politischen Konkurrenz. Und schlägt auch gleich dicke Nägel ein: Der vierspurige Ausbau der B 10 bis hinter Geislingen sei nicht nur dringend erforderlich, sondern könne auch "während einer Legislaturperiode durchgeführt werden", verspricht Koch in auf seiner Homepage. In welcher Legislaturperiode, sagt er nicht. Erst auf Nachfrage räumt er ein, dass der Ausbau wohl frühestens bis 2023 erfolgen könne - und selbst dann "nur bis vor die Tore von Geislingen".

Mit den Themen Breitbandversorgung und Energiewende will Koch bei den Wählern auf dem Land punkten. Als Lautersteiner Stadtrat hat er als Einziger gegen den großen Windpark am Albtrauf gestimmt: Die Lützelalb sei als beliebtes Naherholungsgebiet verloren. Die Natur würde 15 Jahre brauchen, um die Wunden im Wald wieder zu schließen. Und das für eine regenerativen Energiegewinnung, die nicht annähernd das halte, was sie verspreche. Koch zitiert Untersuchungen, wonach Windkraftanlagen wegen der geringen Windhöffigkeit im Land gerade mal fünf Prozent ihrer Nennleistung bringen. "Windkraft an der Nordsee ja. Aber in Baden-Württemberg ist sie so sinnvoll wie Weinbau in Grönland."

Viel größeren Bedarf sieht Koch bei der Breitbandversorgung. Selbst in ländlichen Gebieten müssten flächendeckend 50 Megabit in der Sekunde innerhalb der nächsten fünf Jahre Standard sein. Zum Schluss kommt der FDP-Kandidat auch um das Reizthema Asyl nicht herum: Natürlich habe jeder Flüchtling aus Krisengebieten "Anspruch auf Schutz und Obhut bei uns". Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern wie dem Balkan hingegen müsse man "zügig wieder zurückschicken". Und wie soll das in der Praxis funktionieren? "Na in den Zug oder ins Flugzeug setzen." Dass die wenigstens Herkunftsländer abgelehnte Asylbewerber wieder zurücknehmen, weiß er nicht. Umso wichtiger sei das von der FDP geforderte Zuwanderungsgesetz, das den Flüchtlingsstrom regelt - und "dass die Flüchtlinge auf alle EU-Länder verteilt werden".

Letzteres wird wohl ebenso ein Wunschtraum bleiben wie Kochs Chancen auf einen Sitz im neuen Landtag.

Wir stellen die Landtagskandidaten vor:

Montag, 15.02. Nicole Razavi CDU
Dienstag, 16.02. Sascha Binder SPD
Mittwoch, 17.02. Eckhart Klein Grüne
Donnerstag, 18.02. Armin Koch FDP
Freitag, 19.02. René Niess Linke
Montag, 23.02. Willy Kotzbauer AfD
Dienstag, 24.02. Herbert Krüger ALFA

Zur Person: Armin Koch

Geboren: 1974 in Geislingen Wohnort: Süßen Schule: Grundschule Lauterstein und Böhmenkirch. Mittlere Reife an der Realschule Süßen Beruf: Ausbildung zum Automobilkaufmann bei VW in Göppingen. Nach zweijährigem Wehrdienst zunächst angestellter Kurierdienst- und Taxifahrer. Seit 2001 selbstständiger Taxi-Unternehmer mit 19 Mitarbeitern Politik: 2001 Eintritt in die FDP. 2007 Gründung des FDP-Ortsverbandes Lautertal mit heute 18 Mitgliedern. Seit 2010 stellvertretender FDP-Kreisvorsitzender, seit 2012 Kreisgeschäftsführer und seit 2015 im Bezirksvorstand der FDP Region Stuttgart. Privat: Verheiratet, ein Sohn. Oldtimerfan (280-er Mercedes Bj 79 und Kramer Traktor Bj 57). Gruppenführer der Feuerwehr Lauterstein, Kreisausbilder Sprechfunk bei der Feuerwehr

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