Facebook: Geschichten über Organhandel frei erfunden

Abenteuerliche Horror- Geschichten, die übers soziale Internet-Netzwerk Facebook verbreitet wurden, beschäftigen seit Wochen die Geislinger Polizei. Doch an all den wilden Gerüchten ist nichts dran.

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Von geplanten Kindes-Entführungen ist die Rede und sogar von Organhandel. Rumänische oder bulgarische Banden sollen ihr Unwesen treiben. Doch an all dem ist glücklicherweise nichts dran, versichert die Polizeidirektion Göppingen. Alles nur Horror-Geschichten, die über Facebook verbreitet wurden.

Gestern sah sich Polizei-Pressesprecher Rudi Bauer veranlasst, den Gerüchten nun deutlich entgegenzuwirken. Denn sie hatten offenbar in den letzten Wochen im Raum Geislingen nahezu täglich weitere Kreise gezogen. Dabei waren die Geschichten, die sich Kinder und Eltern erzählten, immer horrender geworden - mit der Folge, dass die Verunsicherung ständig stieg.

Am Donnerstag sei das Gerücht über eine angebliche Kindesentführung sogar das "Tagesthema" an der Schule in Bad Überkingen gewesen, weiß Bauer. Er betont jedoch : "Der Polizei in Geislingen liegen keinerlei Anhaltspunkte vor."

Möglicherweise haben all diese Geschichten ihren Ursprung in zwei Vorfällen, die jedoch geklärt sind. So war Mitte Mai in Geislingen auf dem WMF-Parkplatz im Notzental eine geistig verwirrte 23-Jährige hinters Steuer eines Autos gesessen, während ein Vater noch auf dem Rücksitz seinen dreijährigen behinderten Buben angurtete. Die Frau fuhr mit Auto und Kind davon, konnte aber ein paar hundert Meter weiter beim Nel Mezzo aufgegriffen werden. Der Bub blieb unverletzt.

Rund drei Wochen später gab es abends gegen 20.30 Uhr in Amstetten ebenfalls einen größeren Polizeieinsatz, weil ein Siebenjähriger sein verspätetes Heimkommen mit einer versuchten Entführung begründet hatte: Er sei, so schilderte er es den Eltern, von mehreren Männern in ein Auto gezerrt worden und habe sich nur befreien können, weil er einen der Täter in die Hand gebissen habe.

Im Rahmen der Großfahndung gerieten kurze Zeit später einige osteuropäische Sperrmüllsammler ins Visier der Ermittler. Die Verdächtigen wurden vorläufig festgenommen und zum Polizeirevier Ulm-Mitte gebracht.

Unterdessen nahm der Vater daheim in Amstetten seinen Sprössling ins Gebet, worauf der Siebenjährige einräumte, die Geschichte von der Entführung frei erfunden zu haben, um seine verspätete Rückkehr plausibel zu begründen.

Daraufhin wurden die Festgenommenen sofort wieder auf freien Fuß gesetzt, doch hatte sich inzwischen in dem Wohngebiet, in dem der Bub mit seinen Eltern wohnt, Volkes Zorn gegen den VW-Bus der Sperrmüllsammler gerichtet: Das Fahrzeug wurde mit Tritten und Schlägen demoliert.

Seit Wochen nun werden im Internet abenteuerliche Geschichten verbreitet, die weit über das wirkliche Geschehen hinausgehen. So soll im Juni eine alleinerziehende Mutter über Facebook vor bulgarischen oder rumänischen Kindesentführern gewarnt worden sein.

Derlei Gerüchte, so weiß auch Geislingens Polizeirevierleiter Manfred Malchow, hätten sich in Windeseile weiterverbreitet und an Schulen und Kindergärten für erhebliche Unruhe gesorgt. Auch er betont aber ausdrücklich, dass all diese Geschichten jegliche Grundlage entbehrten und lediglich auf Wichtigtuer zurückzuführen seien. Malchow: "Es gibt keine konkreten Hinweise."

Zu den beliebten Schreckensgeschichten, die seit Jahr und Tag mit schöner Regelmäßigkeit an den Schulen verbreitet werden, gehört auch das Auftauchen eines mysteriösen schwarzen Mannes. Doch auch den hat es nie gegeben.

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