Experten warnen vor Online-Spionage

US-Präsident Barack Obama ist mit seinem Prism- oder Späh-Programm heftig in die Kritik geraten. Auch im Kreis Göppingen ist dieses Thema brisant.

|
Gefahr aus dem Internet: Die Schnüffelei der Geheimdienste wie aktuell des amerikanischen NSA kann auch zur Industriespionage missbraucht werden.  Foto: 

Das heftig kritisierte Datensammeln der US-Geheimdienste, das weltweit für Empörung gesorgt hat, ist auch für Unternehmen in der Region ein wichtiges Thema. Zu diesem Fazit kommen Fachleute aus diversen Branchen im Kreis Göppingen, die sich zum "Expertenkreis Alb-Neckar-Fils" zusammengeschlossen haben.

"Da es sich beim Prism-Programm um ein ganzheitliches Abhörverfahren handelt, gehe ich davon aus, dass kein Internetuser sicher sein kann, dass gerade seine Daten nicht in die Obhut des Geheimdienstes gelangt sind", warnt Joachim Lang, IT-Experte und Inhaber der Firma CTL aus Böhmenkirch - eben auch eine Folge des global vernetzten Datentransfers: "Jede Branche und jedes Unternehmen kann dem Daten-Catch unterliegen, da sich heute nahezu jedes Unternehmen im Internet bewegt."

Nach Meinung des Rechtsanwalts Jörg-Martin Walser aus Göppingen ist die Wahrscheinlichkeit, dass die gesammelten Daten auch zur Industriespionage genutzt werden, nicht von der Hand zu weisen. Der Jurist sieht eine weitere Gefahr für Unternehmen: Die Verantwortung für Kundendaten: "Unternehmen stehen massiv in der Pflicht, die Daten ihrer Kunden zu schützten. Viele sind sich dessen nicht ausreichend bewusst", sagt Walser.

Als Steuerberater kennt Peter Wahler aus Zell u. A., ebenfalls Mitglied im Expertenkreis, die Herausforderungen in Sachen Datensicherheit, vor denen Unternehmen stehen. "Auch wenn die Datenschnüffelei der Geheimdienste aktuell die Schlagzeilen bestimmt, so geht vom Verhalten der einzelnen Mitarbeiter oft auch eine große Gefahr für die Datensicherheit aus", berichtet er.

Dem stimmt Lang zu: "Die Mitarbeiter müssen verstärkt sensibilisiert werden", betont er, "außerdem besteht stets Gefahr durch Schadsoftware. Davor können nur aktuelle Anti-Malware-Programme schützen." Die Verwendung von Firewalls sei deshalb auch für kleine Unternehmen inzwischen unabdingbar.

Nach Ansicht des Sprechers des Expertenkreises, Lothar Lehner aus Geislingen, sollten sowohl Unternehmen als auch Privatleute den jüngsten Datenskandal als Warnschuss verstehen. "Schlimm genug, wenn Unternehmensdaten und private Informationen unbemerkt in die Hände von Geheimdiensten gelangen. Nicht auszudenken, was jedoch Kriminelle mit diesen Daten anstellen könnten", sagt Lehner, Leiter der Kreisgeschäftsstelle des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) in Göppingen. Außer dem Schaden, der einem selbst entstehen könne, stehe dann oft auch noch die Haftungsfrage im Raum, wenn Dritte geschädigt würden. Lehner: "Ich hoffe, dass die aktuellen Schlagzeilen die Sensibilität für diese Themen erhöhen."

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Hunderte Liter Treibstoff laufen nach Unfall auf A8 aus

Hunderte Liter Diesel und Öl liefen am Mittwoch nach einem Auffahrunfall bei Aichelberg auf der Autobahn aus. weiter lesen