Einige WMF-Abteilungen müssen bluten

90 Geislinger WMF-Mitarbeiter aus Werkzeugbau und Instandhaltung werden ab Januar kurzarbeiten. Ihre Abteilungen werden ausgegliedert.

|

Schwierige Verhandlungen zwischen Betriebsrat, Gewerkschaft und WMF-Unternehmensleitung sind am Montag zum Abschluss gekommen. Die Ausgangslage: Seit Jahren laufen auf den Arbeitszeitkonten der WMF-Beschäftigten im Werkzeugbau Minusstunden auf. Aufträge fehlen, weil viel Arbeit weggefallen ist, erläutert Betriebsratsvorsitzender Andreas Hermann. Der WMF-Vorstand habe als mögliche Alternativen die Schließung der Abteilung oder ihre Auslagerung erwogen. Die Auslagerung in eine GmbH, wie nun beschlossen, eröffnet dem Werkzeugbau die Möglichkeit, Aufträge von Dritten zu akquirieren. Hermann: "Ich hoffe sehr, dass es tatsächlich gelingt, zusätzliche Aufträge an Land zu ziehen."

Die Instandhaltung ist ausgelastet - noch. Ihr drohen laut Hermann aber dieselben Probleme wie dem Werkzeugbau, sobald die Kochgeschirrfertigung vollends automatisiert ist. Instandhaltung, Werkzeugbau und der Bereich Fasermetall - diese sogenannten "technischen Dienste" mit gut 90 Beschäftigten - sollen deshalb in eine GmbH ausgegründet werden, voraussichtlich ab 1. April 2013.

Die Metalltarifbindung bleibt erhalten - das habe der IG Metall-Bevollmächtigte Bernd Rattay in den Verhandlungen mit dem WMF-Management erreicht, erläutert Hermann. Doch zahlen die Beschäftigten dafür einen Preis. In einem fünf Jahre geltenden Ergänzungstarifvertrag mit Beschäftigungssicherung wurde im Gegenzug vereinbart, dass die Beschäftigten in den technischen Diensten ab Januar kommenden Jahres nur noch 32 statt 35 Stunden pro Woche arbeiten - und nur für 32 Stunden entlohnt werden. Dies soll zwei Jahre gelten, danach wird die Arbeitszeit wieder um eine Stunde erhöht. In den beiden letzten Jahren, in denen der Ergänzungstarifvertrag gilt, erhöht sich die Wochenarbeitszeit jeweils nochmals um eine halbe Stunde.

Diese Quasi-Kurzarbeit "geht den Leuten ganz schön an den Geldbeutel", ist sich Hermann bewusst. Damit die Betroffenen keine Einbußen im Monatsgehalt erleiden, werden diese Bezüge mit dem Urlaubsgeld und Teilen des Weihnachtsgeldes aufgestockt - natürlich mit der Konsequenz, dass diese Beschäftigten im Sommer kein extra Urlaubsgeld mehr bekommen. Zudem wurde eine Erfolgsprämie vereinbart. Und sobald mehr Arbeit da sein sollte, können die Betroffenen wieder länger arbeiten. "Es wurde alles Menschenmögliche getan, dass es glimpflich abgeht," so Hermanns Resümee.

Die Beschäftigten im Werkzeugbau hätten die Vereinbarung zur Arbeitszeitkürzung "mit Fassung getragen", berichtet der Betriebsratsvorsitzende. Sie seien wohl froh, ihren Job zu behalten; und immerhin zeige sich ja nach der Durststrecke von fünf Jahren ein Lichtblick. Andererseits macht Hermann kein Hehl daraus, dass das Missverhältnis nicht zu vermitteln sei, wenn gleichzeitig die WMF bei Umsatz und Gewinn Rekorde erzielt und der Vorstand Millionen einstreicht.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Stadtmarketing: Geislingen braucht Strahlkraft

50 Teilnehmer diskutieren bei einem Stadtmarketing-Workshop, wie man mehr Menschen für Events in Geislingen begeistern kann. weiter lesen