Eine Reise in die Vergangenheit mit der GZ

Am Samstag ging es für 110 GZ-Leser in zwei Omnibussen zuerst zum Unesco-Weltkulturerbe in Maulbronn, dann ins barocke Ludwigsburg.

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Am Samstag tauchten 110 GZ-Leser tief in die Geschichte ein: erst ins zwölfte Jahrhundert, in dem Zisterzienser-Mönche im heutigen Maulbronn ein Kloster fernab jeder Zivilisation gründeten. Und von dort ins Jahr 1704, als Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg mit dem Bau eines Schlosses die Entstehung der Stadt Ludwigsburg mit ihrem barocken Prunk etablierte.

Der Regen hörte am Samstagvormittag pünktlich mit der Ankunft in Maulbronn auf. Mit dem Eintritt durch das Klostertor schien Historie plötzlich lebendig zu werden: Das Kloster Maulbronn ist die am besten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen und deshalb seit 1993 Unesco-Weltkulturerbe.

Dabei ist das Kloster Maulbronn bereits seit 1536 kein aktives Kloster mehr. Seit Herzog Ulrich von Württemberg evangelisch wurde und die katholischen Kirchen und Klöster in seinem Herrschaftsgebiet auflöste. „Zum Glück haben die Mönche damals das Kloster friedlich verlassen. Deshalb ist alles so gut erhalten“, erklärten die beiden Klosterführerinnen Uta Eich und Barbara Gittinger ihren jeweiligen GZ-Gruppen.

Die waren schon vom Gesamtanblick der vielen Wirtschaftsgebäude beeindruckt gewesen, die außer der Klosterkirche selbst zu der Klosteranlage gehörten: Fachwerk- und Steinhäuser mit Biberschwanzdächern, unter denen sich der achtstöckige Fruchtkasten fürs Getreide befand, die Klostermühle, die Bäckerei, der Haberkasten fürs Futter der Tiere, deren Marstall, die Schmiede, die Küferei. Heute befinden sich unter anderem das Rathaus von Maulbronn und die Polizeistation sowie Restaurants in diesen Gebäuden.

Besonders beeindruckend fanden die Geislinger jedoch die Führungen durch die Klosterkirche selbst. Die Zisterzienser lebten das Motto „Ora et labora“, also Beten und Arbeiten. Fürs Arbeiten lebten drei- bis vierhundert Laienbrüder im Kloster, fürs Beten waren die aus adligem Haus stammenden Priestermönche zuständig. Diese praktizierten ihren Part bis zu siebenmal am Tag. Besonders deutlich wurden deren „Anstrengungen“ in der Mönchskirche – also in ihrem Teil der Kirche, der durch eine Mauer von der Seite der Laienbrüder abgetrennt war. Das Chorgestühl in diesem Bereich – seit fast 500 Jahren nicht mehr in Gebrauch – beeindruckte gleichermaßen durch die aufwendigen Schnitzereien als auch durch die kleinen Anekdoten, die damit verbunden sind. „Beim Beten in der Nacht durften die Mönche die Klappe am Gestühl herunterklappen und darauf sitzen“, erzählten die Führerinnen. Rutschte diese einem der Mönche aus der Hand, tat es einen lauten Schlag. „Daher kommt der Ausdruck ‚Halt’ die Klappe’“, verdeutlichte Barbara Gittinger. Auf der Unterseite dieses tagsüber hochgeklappten Sitzes befindet sich das sogenannte „Erbarmerle“. „Wenn die Beine beim stundenlangen Beten immer schwerer wurden, konnten die Mönche sich unauffällig darauf niederlassen“, lautete die humorvolle Erklärung.

Die einstündige Führung war fast zu kurz für all die Informationen, die in der Klosteranlage versteckt sind. Die Geislinger Besucher nutzten im Anschluss daher noch die Möglichkeit, sich auf eigene Faust umzusehen. Nach dem Mittagessen in Maulbronn ging es mit den Busfahrern Siggi Balzer und Heino Heikamp Richtung Gegenwart – mit Stopp im Barock. Geparkt wurde direkt im Schlosshof in Ludwigsburg, unternehmen konnte jeder in der am Reißbrett entworfenen Stadt, was er wollte: Blühendes Barock oder Schloss besichtigen, bummeln oder Eis essen. Zufrieden kamen die GZ-Leser gegen Abend wieder in der Jetzt-Zeit an.

Lesetipp: Was denken die GZ-Leser über den Ausflug und Maulbronn?

Ziele Schon ist wieder Halbzeit bei den GZ-Ausflügen. Nach Leutkirch und Maulbronn mit Ludwigsburg stehen jetzt noch zwei weitere Ausflüge im August an. Schon am kommenden Samstag geht  es wieder per Bus ins fränkische Dinkelsbühl. Der Ausflug ist zwar ausgebucht, es gibt aber immer Wartelisten, falls Teilnehmer doch nicht mitfahren können. Der letzte Ausflug für diesen Sommer führt dann am 26. August zum Baumwipfelpfad nach Bad Wildbad.

Sponsoring Seit vielen Jahren schon sponsert die Kreissparkasse Göppingen diese Ausflüge der GZ. Nur durch die großzügige Unterstützung dieses Geldinstituts ist es möglich, die Ausflüge für unsere Leser zu solch moderaten Preisen anbieten zu können.

Partner Organisiert werden die Bus-Ausflüge von der Schwäbischen Landpartie, die auch ein eigenständiges Ausflugsprogramm für 2017 anbietet. ra

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Der Baumwipfelpfad im Schwarzwald, das Weltkulturerbe Kloster Maulbronn, die Brauerei Härle im Allgäustädtchen Leutkirch und Dinkelsbühl sind in diesem Jahr die Ziele der GZ-Ausflügler.

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