Schüler werden Sanitätshelfer: Qualifikation fürs Leben

Seit fast vier Jahren gibt es an der Emil-von-Behring-Schule den Schulsanitätsdienst der Johanniter. Alle 31 aktiven Schüler sind ausgebildete Sanitätshelfer.

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Die Schulsanitäter  Niclas Rösch (rechts) und Albert Baumgärtner kümmern sich um die „verletzte“ Duygu.  Foto: 

Stöhnend wälzt sich Duygu am Boden. Aus ihrem Arm strömt Blut, der Knochen steht hervor. Am Hals dehnt sich rosarot und faltig eine Verätzung aus. Ihre Lehrerin schreit panisch, brüllt auf Schülerin Romina ein, die im Chemie­unterricht im Streit eine Chemikalie auf Duygu geschüttet hat. In ihrer Angst war Duygu geflüchtet, über einen Stuhl gestolpert und hatte sich dabei den offenen Armbruch zugezogen.

So jedenfalls lautet das Szenario eines der vier Fallbeispiele, an denen an diesem Dienstagnachmittag die Schulsanitäter der Emil-von-Behring-Schule einen Notfall üben. In diesem Fall sind es Niclas Rösch und Albert Baumgärtner, die als Sanitätshelfer an den Unfallort gerufen werden  – und jetzt entscheiden müssen, wie sie vorgehen. Niclas ist derjenige im Team, der das Kommando übernimmt. Er sondiert die Situation, sorgt dafür, dass Romina und die Lehrerin das Zimmer verlassen und kümmert sich dann mit Albert um das professionell verletzt-geschminkte Mädchen. Sie versorgen die Wunden an Hals und Arm, messen den Blutdruck und rufen den Rettungsdienst an. Dem geben sie konkrete Angaben zu den Verletzungen. Als Ausbilder Jan Grewer mittendrin erklärt, dass Duygu nur noch leicht verzögert antwortet und ihre Sprache verschwommen klingt, weiß das Team, dass jetzt noch ein Schock dazukommt und lagert Duygus  Beine auf einen Stuhl. Im Anschluss wird das Szenario mit den Teilnehmern und den anderen Schulsanitätern, die zugeschaut haben, besprochen.

Seit fast vier Schuljahren gibt es die Schulsanitäter der Johanniter in der Emil-von-Behring-Schule. Seit Lehrerin Irmi Mühlhuber, selber Rettungssanitäterin und aktives Mitglied bei den Johannitern, dieses Projekt startete, haben mehr als 100 Schüler die Ausbildung zum Sanitätshelfer durchlaufen und eine entsprechende Prüfung erfolgreich abgelegt. „Das ist ein deutlich höheres Niveau als an den meisten Schulen“, sagt Jan Grewer, der für derartige spezielle Trainingseinheiten dazustößt und Irmi Mühlhuber unterstützt. Er führt aus, dass im Normalfall die Schulsanitäter „nur“ in Erster Hilfe geschult würden, „als Sanitätshelfer tauchen sie viel tiefer in die Krankheitsbilder ein“.

Per WhatsApp verbunden

Momentan sind es 31 Schulsanitäter, die sich in der Schule für ihre Mitschüler im Schulalltag engagieren. Sie sind in einer WhatsApp-Gruppe miteinander verbunden, treffen sich auf diese Weise alle drei Wochen zu einer Team-Sitzung während der großen Pause und mindestens einmal im Monat zu einer Praxis-Probe wie an diesem Dienstag. Irmi Mühlhuber bespricht mit ihnen den Dienstplan, in dem die Schüler sich vormittags, über Mittag und nachmittags eintragen und dann jeweils zu zweit für die unterschiedlichsten Einsätze verantwortlich sind. „Dafür haben wir mithilfe der Prüfungsgebühren zwei Diensthandys angeschafft, die das Team dann immer bei sich trägt“, erklärt sie.

Schulleiterin Gabriele Braun ist glücklich über „ihre“ Schulsanis. „Die rufen wir einfach an, wenn wir sie brauchen, das läuft perfekt“, lobt sie und bezeichnet die Ausbildung als „Qualifikation fürs Leben“.

Für acht der 31 Schulsanis bedeuten die Intensiv-Proben noch mehr als die normale Schulung – sie werden damit auf den Bundeswettkampf in Koblenz im September vorbereitet, für den sie sich mit ihrem Sieg auf Landesebene im vergangenen Jahr qualifiziert haben. „Da sind alle mit Ehrgeiz dabei“, sagt Nadine Vossler, die Kommunikationsreferentin der Johanniter, und das sei auch kein Wunder. „Immerhin ist das die Olympiade der Retter, bei der sie sich gegen acht andere Landesverbände durchsetzen wollen.“

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