Dreimal Freispruch

Mit drei Freisprüchen ist ein Prozess am Geislinger Amtsgericht zu Ende gegangen. Dort hatte sich der Vorstand der Tierherberge Donzdorf unter anderem wegen des Vorwurfs der Tierquälerei verantworten müssen.

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Neun Stunden Verhandlung, 21 Zeugen und Freisprüche in allen Anklagepunkten: Für den Vorstand der Donzdorfer Tierherberge - Vorsitzende, Stellvertreter und Schatzmeisterin - endete ein Prozess am Geislinger Amtsgericht mit einem Happy-End. Dabei hatten sich die drei einer ganzen Reihe von Vorwürfen ausgesetzt gesehen: Tierquälerei, Betrug, Veruntreuung und Unterschlagung. Im Laufe der Verhandlung wurden die Vorwürfe jedoch immer unhaltbarer.

Weite Strecken der Sitzung befassten sich mit zwei Hunde-Rettungstransporten im Mai 2008 und Januar 2009 von einer spanischen Tötungsfabrik nach Donzdorf, bei denen die Tiere angeblich im nichtklimatisierten Sprinter ohne Wasser und Futter befördert wurden, zudem ohne Pausen, weswegen sie ihre Notdurft in den Boxen hätten verrichten müssen.

Dieser Verdacht erhärtete sich zunächst durch die Aussage einer Zeugin, die beim Mai-Transport beim Ausladen geholfen hatte, inzwischen aber nicht mehr mit dem Verein in Kontakt steht. 98 Tiere seien es gewesen, der Laderaum völlig überhitzt ("An dem Tag war es gnadenlos heiß"), ihr sei Amoniakdunst entgegengeschlagen.

Allerdings kamen danach immer mehr Zweifel an dieser Darstellung auf. Für den Mai-Transport bestätigte die als Gutachterin hinzugezogene Stuttgarter Stadtveterinärin Heike Roloff, dass es am fraglichen Tag nur 24 Grad warm war, "wenngleich die Temperaturen direkt in der Sonne ungleich höher liegen, sodass man durchaus das Gefühl von großer Hitze haben kann".

Weitere Zeugen, die ebenfalls beim Ausladen geholfen hatten, sprachen allesamt von "aufgeweckten, lebensfrohen" Hunden - laut den von der Polizei ermittelten Zahlen nur 42 Stück. Schlussendlich bestätigten zwei Zeuginnen, die beim Transport als Fahrerinnen dabei waren, sowie der Pfleger der Tierherberge, dass zur Kühlung im Sprinter seinerzeit eine mobile Klimaanlage bereit stand. "Die Anlage war nicht in Betrieb, weil die Kühlung über die geöffneten Fenster ausgereicht hatte", erklärte eine der Frauen, "außerdem hatten die Hunde die ganze Fahrt über zu trinken, verdreckte Decken in den Boxen haben wir bei den Pausen ausgetauscht, die Hunde durften da raus." Der Sprinter wurde schon vor Jahren mit einer Klimaanlage nachgerüstet.

Den Tieren sei kein Leid und kein Schmerz zugefügt worden, "ich sehe keine Gesetzesverstöße, auch wenn manches nur suboptimal gelaufen war", befand die Gutachterin, die monierte, dass viele der Informationen erst in der Verhandlung aufkamen: "Anhand der Aktenlage vor dem Prozess war das Gutachten noch anders ausgefallen."

Die anderen Vorwürfe waren rascher vom Tisch. So wurde etwa laut Anklage auf der Homepage des Tierheims um Spenden für eine OP an einem Hund mit Hüftdysplasie (HD) geworben - noch nachdem er bereits vermittelt worden war. Hier stellte sich heraus, dass der Aufruf bereits im Archiv stand. Vermeintlich Geprellte gaben allesamt an, kleinere Beträge für die Herberge, also nicht zweckgebunden, gespendet zu haben. Eine andere Zeugin, die 900 Euro für die OP gesammelt hatte, bekam das Geld auf Drängen ihres Rechtsanwalts wieder zurück. Dass der Hund an HD leidet, zeigten Röntgenbilder. Auch wenn das Tier derzeit keine Probleme habe, sei dennoch damit zu rechnen, dass es im Alter Arthrose bekommen und eine Operation notwendig werde, meinte Roloff.

Beim Vorwurf der gemeinschaftlich begangenen Veruntreuung und Unterschlagung "hätte es nach den Ergebnissen der Nachermittlung gar keine Anklage geben dürfen", meinte Richter Reinhard Wenger. Betroffene: die Vorsitzende und ihr Stellvertreter, die angeblich im Januar 09 Barspenden einer Bonnerin über 45 000 Euro für einen Tierheimbau in Italien nicht wie aufgetragen abgeliefert hätten.

Die 45 000 Euro waren dann laut Vernehmungsprotokoll plötzlich nur 5000 Euro - und das Geld nach Aussage einer Augenzeugin auch bei der (inzwischen verstorbenen) Empfängerin in Apulien angekommen, "sie hatte sich sogar per Telefon bei der Frau aus Bonn bedankt". Die Anklage selbst hatte offenbar zuerst auf Spekulationen gegründet.

Somit waren am Ende alle Angeklagten rehabilitiert - nach einem Prozess, in dessen Vorfeld "vieles schief gelaufen war" und "viel zu früh in die Öffentlichkeit getragen wurde", wie Wenger zu den Vorwürfen der Tierquälerei meinte.

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Kommentare

15.07.2012 00:19 Uhr

Was für einen Unsinn schreiben Sie denn hier?

Welchen Klägern soll denn "zivilprozesslich noch die Hölle heiss gemacht werden"?

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14.07.2012 19:48 Uhr

Dreimal Freispruch...

Unglaublich - wirklich. Da steht eine wirklich gute Gruppe von Tierschützern der Tierherberge Donzdorf jahrelang unter einem Wahnsinnsdruck, weil ein paar durchgeknallte, profilierungssüchtige Neider einfach mal etwas behauptet haben und ein Staatsanwalt sich auf die Gerüchteküche verläßt, anstatt zu recherchieren - und es dann auch noch ungeprüft direkt an die Presse weitergibt.
Ich kann hier nur einmal mehr den Kopf schütteln...
Deutschland- und auch europaweit ist die Tierherberge Donzdorf bekannt und hat einen ausgezeichneten Ruf. Ausgerechnet ihnen mit solchen - wie sich ja nun herausgestellt hat - völlig aus der Luft gegriffenen Anschuldigungen eine noch nicht übersehbaren Schaden zuzufügen, ist unglaublich. Ich kann nur hoffen, dass man den Klägern in dieser Sache zivilprozesslich noch die Hölle heiss machen wird

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