Drei ganze Pfarrstellen fallen weg

Wiesensteig und Gruibingen streiten um Sitz des geschäftsführenden Pfarramtes, alle anderen Kirchengemeinden akzeptieren die Veränderungen durch den Pfarrplan 2024.

|
Dekan Martin Elsässer und die Geschäftsführerin im Dekanatsbüro, Anita Gröh, zählen die Stimmen über die Vorschläge des Pfarrplan-Ausschusses aus.  Foto: 

Die Herbstsynode des Kirchenbezirks Geislingen stand am Freitagabend vorwiegend im Zeichen des anstehenden Pfarrplans 2024. Drei Pfarrstellen, oder besser 300 Prozent an Pfarrstellen-Bezügen, müssen bis 2024 im Kirchenbezirk gekürzt werden (wir berichteten). Darüber hinaus besteht die Vorgabe der Evangelischen Landeskirche, reduzierte Stellen – also 50 oder 75-Prozent-Pfarrstellen – in Zukunft möglichst zu vermeiden.

Dass das nicht einfach sein wird, war allen Synodalen bereits im Vorfeld klar. Darum stimmten sie bis auf eine Enthaltung einstimmig dafür, den vom Pfarrplanausschuss entwickelten Lösungsvorschlag als Grundlagenkonzept für die endgültigen Überlegungen bis kommenden März zu akzeptieren. „Fast jede Kirchengemeinde ist irgendwie davon betroffen, außer Gingen und Kuchen“, sagte Dekan Martin Elsässer, bevor er die Details erläuterte. Dass diese alle noch nicht in Blei gegossen, sondern noch Überlegungen seien, machte er ebenfalls deutlich. Bei einem Info-Abend seien die Vorstellungen den Kirchengemeinderäten und Pfarrern bereits vorgestellt worden. „Die Resonanz war überwiegend akzeptierend“, so drückte sich der Dekan aus.

Damit deutete er gleichzeitig den Widerstand der Gemeinden Wiesensteig und Gruibingen an. Dort ist angedacht, die momentan zwei Pfarrstellen um insgesamt 50 Prozent zu reduzieren. Und zwar, indem die bisherige 100-Prozent-Pfarrstelle in Wiesensteig erhalten wird, sich in Zukunft jedoch statt mit 25 Prozent um die Christuskirchengemeinde mit 50 Prozent um die Gruibinger kümmert. Dort würde im Gegenzug die bisherige 75-Prozent-Pfarrstelle ganz wegfallen. Die Wiesensteiger Synodale Heike Schenkel verlas vor dem Gremium eine Stellungnahme des Wiesensteiger Gemeinderats, mit der dieser von einer „überproportionalen Benachteiligung gegenüber den anderen Kirchengemeinden“ sprach. Vor allem deswegen, weil die beiden Gemeinden schon 2008 eine Kürzung um 50 Prozent hinnehmen mussten. Was wie ein gemeinsamer Kampf von Wiesensteig und Gruibingen klingt, scheitert jedoch an der Einigung, wo dann in Zukunft das geschäftsführende Pfarramt seinen Sitz haben soll: in Wiesensteig oder in Gruibingen. Dekan Elsässer appellierte an alle Beteiligten, miteinander zu ringen, zu diskutieren und verschiedene Meinungen auszuhalten, „aber dabei Christenmenschen zu bleiben, Zusammenhalt zu beweisen und Gottes Geist bei allen Diskussionen in der Mitte zu haben“.

Damit die Auswirkungen durch die Kürzungen des Pfarrplans nicht ganz so extrem schmerzhaft empfunden werden, hatte Eberhard Schmid von der Kirchlichen Verwaltungsstelle in Göppingen ein ganzes Bündel an „begleitenden Maßnahmen“ im Gepäck, über das in Zukunft nachgedacht werden soll: ein Diakon, der sich zusätzlich um den steigenden Bedarf bei der Altenheim-Seelsorge kümmert, ein weiterer Jugendreferent für das Obere Filstal, eventuell die personelle Ausweitung der Diakonischen Bezirksstelle, ein Kindergartenfachberater für den gesamten Kirchenbezirk und ein Architekt bei baulichen Maßnahmen.

Der Pfarrplan-Ausschuss wurde vor einem Jahr eingesetzt, um die Vorgaben des Pfarrplans 2024 der Evangelischen Landeskirche umzusetzen. Um das zu schaffen, sollen die bisher vier Distrikte Alb, Geislingen, Unteres und Oberes Filstal zu zwei Distrikten Nord und Süd zusammengefasst werden. Momentan ist Folgendes angedacht:

Türkheim-Aufhausen behält die 100-Prozent-Pfarrstelle, aber soll Predigten und Seelsorgeaufgaben in der Christuskirchengemeinde im Täle in Zukunft mit übernehmen.

Amstetten bleibt eine 100-Prozent-Stelle, übernimmt aber die Hochschulseelsorge, die bisher der Eybacher Pfarrer innehatte.

Steinenkirch bleibt 100-Prozent-Stelle, versieht aber die Kirchengemeinde Waldhausen mit. Außerdem wechseln 70 Gemeindeglieder aus Schnittlingen verwaltungstechnisch von Stötten nach Steinenkirch.

Schalkstetten bleibt 100-Prozent-Stelle, kümmert sich aber in Zukunft auch um die Gemeinden Hofstett-Emerbuch und Stubersheim, dadurch fällt in Stubersheim die 50-Prozent-Stelle weg.

● In Eybach entfällt die 100-Prozent-Stelle, dafür entsteht in Geislingen Nord (Paulus) aus der 50- wieder eine 100-Prozent-Stelle, die auch für Eybach verantwortlich ist.

Stötten, das bisher zu Eybach gehörte, wird durch Geislingen-Altenstadt Ost mitversorgt.

● Wegfallen wird bis 2024 auch die zweite 100-Prozent-Pfarrstelle in Geislingen-Altenstadt West. Dortige Aufgaben werden durch das Pfarramt in Bad Überkingen mit übernommen. Dafür wird das Bad Überkinger Pfarramt von 75 auf 100 Prozent erweitert.

●  In Unterböhringen bleibt die 100-Prozent-Pfarrstelle erhalten, die in der Christuskirchengemeinde im Täle ebenfalls.

Wiesensteig bleibt 100-Prozent-Pfarrstelle, kümmert sich aber mit 50 Prozent davon auch um Gruibingen, dessen 75-Prozent-Pfarrstelle entfällt.

● In Donzdorf fällt eine 50-Prozent-Stelle weg, die 100-Prozent-Stelle bleibt erhalten, ein Teil des Predigt­auftrages und der Seelsorge wird von Süßen Nord übernommen. Die dortige 75-Prozent-Stelle wird auf 100 Prozent erweitert.

● In Süßen Süd, Gingen und Kuchen bleibt alles beim Alten.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Brunnenfigur „Büble“ in Schräglage

Fast ein Jahrhundert harrte das „Büble“ als Brunnenfigur im Geislinger Stadtpark aus. Jetzt wurde es bei Fällarbeiten von einem Ast erschlagen. weiter lesen