Dominik Pertl unterrichtet Mathe mit der E-Gitarre

Seit August hat die Geislinger Einsteinschule einen neuen Schulleiter: Dominik Pertl hat viel vor – und gestaltet seinen Unterricht ganz besonders (mit Musikvideo).

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Verstärker an, und ab geht die Post: Dominik Pertl ist in seinem Element – als Mathelehrer der Drittklässler an der Einsteinschule und mit der E-Gitarre in den Händen.  Foto: 

Dominik Pertl stöpselt den Verstärker ein und umfasst das Griffbrett ­seiner goldfarbenen Fender. Lässig schlägt er die Saiten an und spielt ein Riff, während er leicht mit dem Fuß den Takt mitwippt. Auf seinem Gesicht macht sich ein spitzbübisches Lächeln breit. „Los geht’s“, ruft er: „1 mal 5 ist?“ – „Fünf!“ brüllen ihm die Drittklässler begeistert mithüpfend entgegen. Den Kindern gefällt der kantige Midtempo-Rock. „2 mal 5 ist?“ – „Zehn!“

Wer vor der Klassenzimmertür steht, ahnt nicht, dass unterm Dach der Einsteinschule gerade Mathe dran ist. Für Dominik Pertl, den neuen Leiter der Altenstädter Grundschule, ist es keine Frage, sein Lieblingsinstrument in den Unterricht zu integrieren. „Das ist ja nichts Neues, das gibt es seit etlichen Jahren“, sagt er bescheiden.

Als kleiner Junge saß der heute 33-Jährige begeistert vor dem Fernseher und schaute sich die Rockband Guns n’ Roses auf MTV an. Das will ich auch mal machen, dachte er sich damals. „Heute mache ich – immerhin so was Ähnliches“, stellt er mit einem Grinsen fest.

Der Degginger spielt in der deutschsprachigen Rockband „Autos“. Seine Vorbilder sind Musiker, die mit ihren Songs Geschichten erzählen, wie Bruce Spring­steen und Bob Dylan. „Man kann fast alles in ein Lied einbetten. Und Lieder bleiben viel besser im Kopf als Tafelaufschriebe“, hat der Pädagoge festgestellt.

Pertl studierte in Konstanz Deutsch und Geschichte – ursprünglich wollte er Gymnasiallehrer werden. Doch eigentlich, überlegte er sich während des Studiums, hatte ihm die Grundschulzeit am meisten Spaß gemacht. Pertl wechselte in den Grundschulbereich – und ist heute froh über diese Entscheidung: „Hier wuselt es auf dem Pausenhof. Das Lebhafte, Bunte gefällt mir so.“

Sein Referendariat hat Pertl in Reichenbach unterm Rechberg absolviert. Dort war er bald Ansprechpartner für Kollegen und Eltern, weil die Schule als Teil der Donzdorfer Messelbergschule keinen eigenen Schulleiter hat. „Das hat mir Spaß gemacht“, erklärt der 33-Jährige, warum er sich auf die frei werdende Schulleiterstelle in Geislingen bewarb, als klar war, dass sein Vorgänger Klaus Nuding zum Ende des vergangenen Schuljahres in den Ruhestand gehen würde.

Nuding habe ihm eine gut bestellte Schule hinterlassen und ihm den Einstieg leicht gemacht, erzählt Pertl, der mittlerweile in Gingen wohnt. Auch die Kollegen hätten ihn ausgesprochen nett willkommen geheißen; die Zusammenarbeit sei konstruktiv, und es gebe gute Diskussionen – „meine elf Kollegen sind offen für Neuerungen“.

Was Pertl an Neuem plant, will er noch nicht verraten. „Ideen hab’ ich viele“, sagt er, schränkt aber ein, dass er erst Teil der Schulgemeinschaft werden will, bevor er Änderungen angeht. „Ich hab’ ja Zeit, für mich ist diese Stelle nicht als Zwischenstation gedacht, sondern ich will hier richtig mitgestalten.“

Er verrät aber schon, dass er bereits ein eigenes Logo für die Schule plant und überlegt, einen Förderverein ins Leben zu rufen. „Ein Förderverein ist wichtig – zur Unterstützung einzelner Schüler genauso wie für Anschaffungen, die sonst gar nicht möglich sind.“

Dominik Pertl gefallen die Herausforderungen, die an ihn als Schulleiter gestellt werden. Wichtig ist ihm der enge Kontakt zu den Kollegen und zu den Eltern seiner Schüler. „Meine Tür hier ist nie zu. Zu mir darf jeder jederzeit kommen.“

Genauso gern steht der Pädagoge vor den Klassen: 17 Stunden in der Woche unterrichtet er die Grundschüler, vorwiegend in ­Mathe. Dass er sich als Lehrer in der Grundschule in einer Frauendomäne bewegt, stört ihn nicht: „Ich habe bisher nur positive Rückmeldungen erhalten. Und ich finde es wichtig, mehr Männer in Grundschulen zu haben.“ Das begründet er mit den Rollenbildern für die Schüler: „Nicht alle Kinder haben Mutter und Vater, also männliche und weibliche Vorbilder, zu Hause.“ Mit gleich drei männlichen Kollegen befindet er sich in der Einsteinschule in einer  Ausnahme-Position.

Als Schulleiter verbringt ­Dominik Pertl viel Zeit in der Schule. Seine Hobbys bei den „Autos“ und im Tennisclub Deggingen hat er deshalb auf Sparflamme zurückgedreht. „Meine Freizeit verbringe ich am allerliebsten mit meiner Familie“, erzählt er und meint damit seine Frau Bianca, die vierjährige Tochter Marlena und den sechs Monate alten Sohn Carlo.

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