Diskussion um die Gemeinschaftsschule

40 Interessierte, darunter auch viele Lehrer und Rektoren, diskutierten jüngst in der "Sportgaststätte Glück Auf" in Altenstadt durchaus kontrovers das aktuelle Thema Gemeinschaftsschule.

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Die SPD Geislingen hatte zu dem Infoabend mit Wilfried Nagel, ehemaliger stellvertretender Schulleiter der Staudinger Gesamtschule in Freiburg, Ottmar Dörrer, Schulleiter der Tegelbergschule und dem SPD-Landtagsabgeordneten Sascha Binder eingeladen. Letzterer stellte die Pläne der rot-grünen Landesregierung vor. Er ging auf die anstehende Änderung des Schulgesetzes ein und stellte die Rahmenbedingungen für die Einrichtung von Gemeinschaftsschulen dar. Es komme verstärkt auch auf das Engagement des Schulträgers an, der gemeinsam mit den Schulen eine Schulentwicklungsplanung betreiben müsse, sagte Binder. Zum neuen Schuljahr werden mit Bad Boll und Süßen zwei Schulen aus dem Landkreis mit einer Gemeinschaftsschule an den Start gehen.

Der Abend begann mit einem kurzen Film über die Hebelschule Schliengen, eine der ersten Gemeinschaftsschulen im Lande. Der Film verblüffte vor allem durch die Dokumentation einer absolut ruhigen Lernatmosphäre. Das Lehrpersonal unterstützt die Schüler und steht für Fragen zur Verfügung. Einmal pro Woche wertet jeder einzelne Schüler seine Arbeit zusammen mit dem Lehrer aus und plant die weiteren Lernschritte.

Ottmar Dörrer stellte die von seiner Schule in Angriff genommenen zentralen Punkte der Gemeinschaftsschule vor und die Unterschiedlichkeit des Unterrichts. Eine Schule für alle beinhalte auch die Inklusion von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf und erfordere die Zusammenarbeit von Lehrkräften der verschiedenen Schularten, machte Dörrer deutlich. Fragen zur Schulorganisation, zur Gruppenarbeit und Förderung der sozialen Kompetenz wurden von Wilfried Nagel beantwortet. Die Zuhörer konnten nachvollziehen, mit welchem Einsatz der ehemalige Geislinger die Entwicklung der Staudinger Gesamtschule vorangetrieben hat und mit welchen Widerständen er im damals CDU-geführten Kultusministerium zu kämpfen hatte. Erfreut zeigte sich Wilfried Nagel von der gegenwärtigen Entwicklung: "Bildungspolitik und Schulentwicklung sind wieder spannend geworden", stellte Nagel fest und bedauerte, dass er schon im Ruhestand sei. Wichtigster Faktor sei für ihn immer wieder die Erkenntnis, dass Heterogenität gewinnbringend für alle ist und kein zu eliminierender Störfaktor. Die passende Antwort auf die Heterogenität könne nur der individualisierte Unterricht sein, in dem die Lernenden neben der Verantwortung für ihren eigenen Lernfortschritt auch Verantwortung für die soziale Gemeinschaft übernähmen.

Einzelarbeit - beispielsweise mit dem Wochenplan - gemeinsames Lernen in Kleingruppen und in der größeren Lerngruppe wechselten sich ab. Die Lehrer würden zu Lernberatern. Unverzichtbar hierfür seien Schulsozialarbeit und das rhythmisierte Lernen in der gebundenen Ganztagesschule. Dies schließe vor allem auch Selektion und Ausgrenzung aus. Er ermutigte die Anwesenden, sich auf diesen Bildungsaufbruch einzulassen und mitzugestalten.

Die abschließende spannende Diskussion zeigte, dass es trotz einer großen Aufgeschlossenheit gegenüber dieser Schulform auch noch viele Bedenken auszuräumen gilt. Wilfried Nagel abschließend: "Ich wünsche mir, dass ich Mut machen konnte und es in meiner alten Heimatstadt Geislingen demnächst eine Gemeinschaftsschule gibt."

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