Die Menschen begleiten

Sie sind ein Ehepaar. Und ein berufliches Team. Seit Frühjahr arbeiten Margret Ehni und Volker Weiß als Seelsorger in der Geislinger Helfenstein Klinik: sie in der Palliativstation, er im Klinikbereich.

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Volker Weiß ist ein Mann mit grauem, kurzem Haar, einem gepflegten Vollbart und breitem Lächeln. Bei seiner schlanken, kurzhaarigen Frau mit der randlosen Brille und modischer Kleidung ist es ebenfalls das Strahlen im Gesicht, das ihr Gegenüber auf Anhieb für sie einnimmt.

Dass Humor für das Pfarrerehepaar eine große Rolle spielt - und zwar im Umgang untereinander als auch mit Patienten oder Freunden - zeigte sich bereits bei ihrer Investitur Mitte April. Dort stellten sie sich den Gottesdienstbesuchern in Form eines Dialogs vor. Auf diese unterhaltsame Weise hielten sie auch die - sehr eindrückliche - Predigt.

So unverkrampft, wie das Paar seinen Glauben hier präsentierte, so lebt es ihn auch. Beiden ist es wichtig, Verantwortung für die Schöpfung zu tragen, und sie wollen "weltweite Verantwortung auch im Alltag im Blick haben". Deshalb achten sie beispielsweise beim Einkauf auf fair gehandelte Waren und essen kein Fleisch.

Das setzen sie auch im Stillen um mit täglicher Meditation über einem Bibeltext - oder einfach durch die Art, mit der sie anderen Menschen begegnen. Egal ob in der Freizeit oder beruflich. Beruflich, das heißt seit März in der Helfenstein Klinik in Geislingen. Margret Ehni hat die Projektstelle "Seelsorge in der Palliativversorgung" der evangelischen Landeskirche inne. Im Lauf der auf fünf Jahre angesetzten 50-Prozent-Stelle wird sie eine Konzeption für die Seelsorge in der Palliativversorgung erstellen. Die Projektstelle ist Informations-, Beratungs- und Vernetzungsstelle für alle evangelischen Palliativseelsorger der Landeskirche. Zusätzlich ist ihr persönlich der Praxisbezug wichtig und so übernimmt sie einen Teil der Krankenhausseelsorge. Sie kümmert sich zum einen um Patienten und deren Angehörige in der Palliativstation oder bringt sich aktiv in die regelmäßigen Sitzungen des "multiprofessionellen Teams"- bestehend aus Ärzten, Pflegern, Therapeuten, Psychologen, Seelsorgern - mit ein.

Volker Weiß hat die Nachfolge von Klaus Hoof als Klinikseelsorger angetreten. Er besucht Patienten, redet mit deren Angehörigen, hält intensiven Kontakt zu Ärzten, Pflegenden und Verwaltung. Ihm ist zudem ökumenische Zusammenarbeit wichtig. Klinikseelsorge heißt für den 54-Jährigen "den Menschen zu begleiten und mit ihm das zu entdecken, was ihn stärkt". Denn: "Das sind persönliche Ressourcen und das Mutmachende des christlichen Glaubens", findet er.

Für Volker Weiß war es während seines Zivildienstes, als die Frage eines schwerkranken Patienten nach dem "Sinn des Lebens" ihn innerlich sehr bewegte. Um diese Frage zu beantworten, begann er mit dem Theologiestudium. Nach dem Ausbildungsvikariat ließ er sich noch zum Logotherapeuten (sinnorientierte Psychotherapie) ausbilden. Eine Aufgabe, die er bis heute freiberuflich ausübt.

Ein "Schlüsselerlebnis" in Bezug auf das "Geheimnis des Glaubens" habe er während seiner Vikariatszeit erlebt, erzählt er: "Ein schwer kranker Patient im Krankenhaus wollte das Abendmahl erhalten. Mein Ausbildungspfarrer war nicht da, so musste ich - herzklopfend - diese Aufgabe übernehmen. Der Patient hat aus dem Ritual sichtlich viel Kraft geschöpft und Frieden gefunden. Diese Erfahrung hat mich sehr erfüllt".

Auch für Margret Ehni stellte ein Praktikum nach dem Abitur die Weichen für ein Theologiestudium. Sie war in einem Krankenhaus, weil der Beruf des Arztes auf der Eventuell-Liste stand. "Mich auf Menschen einzulassen, sie zu erleben und zu begleiten, das hat mich fasziniert", erinnert sie sich an die Anfänge. Schon immer jedoch sei sie ein sehr kommunikativer Mensch gewesen und interessiert an dem, was Menschen bewegt und berührt. Vermutlich hat sich die wissbegierige Frau deshalb ihr ganzes Leben lang nebenberuflich fortgebildet als Gesprächstherapeutin, als Ausbilderin in diesem Metier, als Supervisorin und Coach, für "Palliative Care" oder sogar zum Thema "Homosexualität und Kirche", wo sie als Prälaturbeauftragte in der Prälatur Reutlingen tätig war. Als Referentin und Therapeutin ist auch sie nebenberuflich gefragt.

Zum inzwischen erwachsenen Nachwuchs aus ersten Ehen haben beide einen sehr guten Kontakt. "Unseren Urlaub verbringen wir gerne dort, wo die Kinder sich gerade aufhalten", erzählen sie. Das war schon in Amerika, wo Tochter Rebekka ein Jahr Schüleraustausch verbrachte, in Uganda bei Sohn Sebastian, der dort ein Praktikum absolvierte oder in Zürich, wo Jolanda studiert.

Ansonsten wandert das Paar gerne. Von Altenstadt aus haben sie schon einige Touren unternommen. "Es ist herrlich hier", schwärmen sie. Margret Ehni kocht außerdem leidenschaftlich gern vegetarisch und liebt es, wenn zum Essen viele Freunde das Haus füllen. "Sie kocht so gut, dass ich nie essen gehen will", lobt ihr Mann.

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