Die Lösung der S-Bahn-Frage: Metropolexpress bis Geislingen

Im Halbstundentakt nach Stuttgart - auch abends und am Wochenende. Über Züge mit S-Bahn-Qualität dürfen sich die Geislinger ab 2019 freuen. Doch wer wie viel dafür zahlen soll, das bleibt noch unklar.

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Kaum war die Mitteilung des Ministeriums versandt, überboten sich die Grünen im Landkreis, der GZ ihre Freude mitzuteilen: "Ich danke ausdrücklich Minister Hermann für seinen Einsatz", lobte der Landtagsabgeordnete Jörg Fritz. "Ich freue mich, dass er kommt", sagte der Geislinger Kandidat Eckhardt Klein. Der SPD-Landtagsabgeordnete Sascha Binder reklamiert den Erfolg eher für Geislingen: Es sei gelungen, "das Verkehrsministerium davon zu überzeugen, dass der Metropolexpress im Halbstundentakt für den Raum Geislingen unverzichtbar ist".

Wer nun einlenkte, das interpretiert jeder für sich. "Ich denke, es ist ein Verhandlungserfolg, dass wir uns mit dem Ministerium einig geworden sind", betont Landrat Edgar Wolff. Der Kreis habe erreicht, was er erreichen wollte: Den Metropolexpress bis Geislingen, statt nur bis Süßen, und obendrein den seit Jahren gewünschten S-Bahn-Standard - also ein Halbstundentakt nach Stuttgart, und das auch in den Abendstunden und am Wochenende. "Mein Bemühen ist es jetzt, den Kreistag dafür zu begeistern."

Das dürfte womöglich nicht so einfach sein. Der Metropolexpress kostet Geld - und der Kreis kommt nicht umhin, sein Scherflein beizutragen. Wie groß es ist, das wollen die Verhandlungspartner noch nicht verraten. Landrat Wolff will die Zahlen heute den Fraktionsvorsitzenden bekannt geben, später soll der Kreistag entscheiden.

Der Kreis hatte bisher darauf bestanden, nur den S-Bahn-Standard, also die Abend- und Wochenendzüge mitfinanzieren zu wollen. Das Ministerium dagegen klammerte sich an seine Standards, denen zufolge die Fahrgastzahlen für einen Metropolexpress nur bis Süßen wirtschaftlich seien.

Lenkte der Minister ein? Sein Sprecher Edgar Neumann sieht das nicht so. Die Partner seien sehr kreativ gewesen. Wer wofür wie viel Geld zahlt, sei gar nicht relevant. "Landrat und Minister sind mit einer gewissen Bereitschaft aufeinanderzugekommen. Das Land hat seinen Anteil gebracht. Wir wollen dabei keine Präzedenzfälle schaffen." Die Sorge: Gewährt man den Geislingern ein Angebot, das die Standards im Zielkonzept 2025 des Verkehrsministers Winfried Hermann (Grüne) bricht, könnten andere Regionen gleiches erwarten.

Die jetzt gefundene Lösung nennt sich nicht umsonst "Gesamtfinanzierungspaket". Dieses könnte so aussehen, das jede Seite zu jedem Bestandteil des Gesamtangebots etwas beisteuert und so beide Seiten ihr Gesicht wahren können. "Wir haben es geschafft, dass der Metropolexpress nicht in Süßen endet", betont derweil der Göppinger Landrat. Wenn der Kreistag nun der Verhandlungslösung zustimmt, "wäre das eine deutliche Attraktivitätssteigerung". Zum Metropolexpress, betont Wolff, bekomme der Landkreis auch eine schnelle Zugverbindung nach Stuttgart und Ulm, den künftig stündlich fahrenden Regionalexpress. "Dann haben wir einen hochmodernen Nahverkehr", meint der Landrat. Er ist die Meinung, dass die nun angebotene Leistung zum Preis passt und dies eine Lösung ist, die er dem Kreistag anbieten kann. "Auf lange Sicht ist das die Lösung der S-Bahn-Frage."

Das Land habe reagiert, stellt die Landtagsabgeordnete und Kreisrätin Nicole Razavi (CDU) mit Genugtuung fest. Insofern habe es sich gelohnt, dass die Region geschlossen für den Metropolexpress gekämpft hat. "Man muss sich das Angebot jetzt mal genau angucken."

Wer zahlt ein neues Gleis?

Kosten: Etwa drei Millionen Euro kosten die Zugkilometer für den Metropolexpress bis Geislingen pro Jahr, sagt das Ministerium. Für weitere fünf Millionen Euro soll in Geislingen ein Abstellgleis gebaut werden, das das Land zur Hälfte fördern will. Dass die Stadt Geislingen etwas dazu beitragen muss, ist möglich. Den Zuschlag für die Metropolexpress-Linie soll die britische Firma "Go-Ahead" erhalten. Die Bahn AG schied wegen eines Formfehlers aus.

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Metropolexpress

Der Metropol-Express rollt ab 2019 im Halbstundentakt bis Geislingen.

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