Die Kirche kommt in die Schule

Weil immer weniger Kinder Zeit für Kirche haben, kommt diese in Geislingen dorthin, wo die Kinder sind – in die Schule.

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Romy Zerrenner erzählt den Lindenschülern von Martin Luther. Für die evangelische Kirche ist die Teilnahme an der Nachmittagsbetreuung der Schule eine gute Möglichkeit, sich den Kindern vorzustellen.  Foto: 

Was sollen wir singen?“, fragt Romy Zerrenner die 15 Erst- und Zweitklässler, die es sich auf den Sofas gemütlich gemacht haben. „Gott mag Kinder“, schallt ihr die mehrstimmige Antwort entgegen, und sofort legt die Jugendreferentin der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde los. Die Kinder strahlen, singen lautstark mit und wissen genau, welcher Vers mit welchen Gesten unterstrichen wird.

Das Singen ist nur ein kleiner Teil des „Kids-Clubs“ am Dienstagmittag. Der Großteil dieser zwei Schulstunden während der Nachmittagsbetreuung an der Geislinger Lindenschule besteht aus Spaß und Spielen. Die Gruppe geht Schlittenfahren und Eis essen, macht Schnitzeljagden, malt, bastelt oder klettert auch mal in den Kirchturm der Martinskirche, um die Kirchenglocken zu hören.

Bei allem sind die Kinder mit Begeisterung dabei. Konzentriert hören sie Romy Zerrenner auch an diesem Dienstag zu, wie sie die Geschichte von Martin Luther weitererzählt, mit der sie in der vorigen Woche begonnen hat. Romy zeigt Zeichnungen des Kirchenmannes und schildert anschaulich, wie er sich für Gott einsetzte.

Ein Bild zeigt den Reformator als Junker Jörg mit langen Haaren und Bart auf der Wartburg. Er hat dort die Bibel übersetzt, erzählt die kirchliche Betreuerin. „Das ganze Buch – boah“, sagt Dominic staunend. Onur meint: „Dazu hat er bestimmt lange gebraucht. Ach, deshalb hat er den Bart bekommen.“

Romy Zerrenner hat Spaß an den Stunden mit den Kindern. Auch mittwochs übernimmt sie, gemeinsam mit Pia-Praktikantin Katharina Deininger, im Auftrag der Kirche zwei Stunden „Jungschar“ an der Lindenschule – dann mit Dritt- und Viertklässlern.

Die Nachwuchsarbeit, die jahrzehntelang in den Gemeindehäusern stattgefunden hat, ist nun in die Schulen gewandert. Der Grund ist der Wandel der Gesellschaft: Eltern arbeiten, Kinder bleiben den ganzen Tag in der Schule. Danach machen sie Hausaufgaben, lernen oder spielen, gehen zum Sport oder zum Musikunterricht. Für kirchliche Aktivitäten bleibt häufig keine Zeit mehr.

Die Gesamtkirchengemeinde mit Pfarrer Frank Esche als Initiator hat sich vor sieben Jahren an die neuen Zeiten angepasst und wartet nicht mehr auf die Kinder, sondern geht dorthin, wo sie sich befinden: in die Schule.

Von einer „Win-Win-Situation für beide Seiten“ sprechen sowohl Romy Zerrenner als auch Lindenschul-Leiter Christof Straub. Zerrenner: „Wir erreichen viele Kinder, die wir sonst nie erreicht hätten, und sie machen auf diese Weise positive Erfahrungen mit Kirche.“ Die Schule profitiert von der Mitarbeiter der außerschulischen Partner.

Dass viele von Romy Zer­renners Jungschar-Teilnehmern ­Moslems sind, stört weder sie noch die Kinder oder ihre Eltern, die über den christlichen Hintergrund informiert wurden. Zweimal sei es in den vergangenen sieben Jahren vorgekommen, dass ein Kind aus der Gruppe ab­gemeldet wurde, berichtet Romy Zerrenner. Ansonsten freuten sich die Eltern über die Werte, die dort vermittelt würden, ist der Eindruck der Jugendreferentin.

Ums Missionieren gehe es bei den Treffen übrigens nicht, betont sie. Stattdessen hebe sie eventuelle Gemeinsamkeiten mit dem Koran auch mal hervor und hole so die Kinder in ihrem Glauben ab.

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