Der, wo die Wahrheit sagt

Ralf Currle als Christian "Chris" Friedrich Daniel Schubart: Das versprach einen lustigen Abend und hat am Sonntag tatsächlich für gute Stimmung im ausverkauften Geislinger Schlachthof gesorgt.

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"Nennt mich einfach Chris!" Mit diesen Worten kehrte am Sonntag Christian Friedrich Daniel Schubart nach Geislingen zurück, an dem er seinerzeit nicht besonders Gefallen gefunden hatte. Nur die weiße Perücke zeigte an, dass diese selbstbewusste, in Jeans gekleidete Person mit Rollkoffer und Smartphone halt doch aus einer anderen Epoche entsprungen ist. Das Publikum im voll besetzten Schlachthof wusste über den historischen Schubart Bescheid (Lebensdaten, Aufenthaltsdauer in Geislingen, Name der Ehefrau), hieß aber auch die von Ralf Currle erfundene und gespielte aktualisierte Version des "Präzeptors" bestens gelaunt willkommen.

Er habe die vergangenen 250 Jahre nicht hinterm Mond gelebt, betonte Chris, sei aber doch der Gleiche geblieben. Auf gut Schwäbisch: "Jemand, der wo die Wahrheit ausspricht." Und dies tat er, vielmehr, er teilte sie ohne Rücksicht auf Verluste aus. Mit seinem Publikum ging er ebenso wenig zimperlich um, wie er zielsicher die Finger in Geislingens offene Wunden legte.

Currle spielte die Vorteile seiner Rolle voll aus: Er gab einen, der Geislingen als Bewohner kennengelernt und in sechs Jahren dort Spuren hinterlassen hat, und der das Geschehen rund 250 Jahre lang beobachten konnte. Da gab es viele Steilvorlagen: das Nel Mezzo, die Perlenketten-Strategie, das Türkheimer Gewerbegebiet, die Fülle an Spielotheken, an Schuhgeschäften und Brillenläden in der Stadt, das Kombibad, das WMF-Outlet.

Und immer wieder: "Mein lieber Wolfgang!" Geislingens Oberbürgermeister Wolfgang Amann saß in der ersten Reihe, direkt in Currles/Schubarts Schusslinie und musste sehr viel einstecken; im Hinblick auf die Bürgermeisterwahl im kommenden Jahr, wegen der Finanzsituation der Stadt ("Schuld ist, wie der Name schon sagt, der Schultes"), wegen seiner Frisur ("Welchen Beruf hat eigentlich Ihr Friseur?"). Am Ende der zweistündigen Veranstaltung überlegte sich das gefasst wirkende Stadtoberhaupt laut, ob er dem Kabarettisten die Riesenflasche "Schubart" denn nun überreichen oder doch lieber über den Schädel ziehen sollte. Souverän zog Amann die Lacher damit auf seine Seite.

Während Currles Schubart im ersten Programmteil vorwiegend Geislinger Themen beackerte und damit ganz auf die Stadt zugeschnittene Inhalte bot, fiel der zweite Teil recht beliebig aus. Hier bewies Currle seine Stimmen-Imitator-Qualitäten und kalauerte sich mit den Stimmen von Ex-Papst Benedikt, Inge Meysel, Stoiber, Merkel, Kohl, Blüm, Gerd Rubenbauer und Marcel Reich-Ranicki munter durch die deutsche Politik. Das Publikum amüsierte sich weiter, auch wenn manche Gags schon angestaubt waren. Der frechen Schubart-Version Currles verzieh man gern.

Info Das Programm des Geislinger Kulturherbstes wird am Dienstag, 8. Oktober, fortgesetzt mit einem Vortrag von Stadtarchivar Hartmut Gruber über "Die Geislinger und ihr Schubart".

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