Der große Aufstand blieb 1514 aus

Nicht nur die Geislinger erhoben sich 1514 gegen ihre Herrschaft, auch die Untertanen im Remstal und am Oberrhein revoltierten. Darüber referierte jüngst in Geislingen Dr. Andreas Schmauder.

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Dr. Andreas Schmauder, Stadtarchivar in Ravensburg, legte bei seinem Vortrag im Alten Bau im Rahmen des "Geislinger Kulturherbstes" den Werdegang des "Armen Konrad" im Remstal dar und zog Verbindungen zu den anderen aufständischen Gruppen - auch wenn es anders als elf Jahre später im Bauernkrieg noch zu keinem flächenübergreifenden Zusammenschluss kam.

Unmittelbar vor der Haustür der ulmischen Herrschaft, zu der Geislingen damals gehörte, erhoben sich im Remstal die Bauern gegen den Herzog von Württemberg. Vorausgegangen waren mehrere Missernten aufgrund verregneter Sommermonate, sodass die Bauern nicht einmal mehr über Saatgut verfügten. In dieser Situation fiel Herzog Ulrich nichts Besseres ein, als die Steuern zu erhöhen, um seinen Hofstaat und verschiedene Kriege zu finanzieren. Gegen diese Steuererhöhung mitten in einer der ärgsten Hungersnöte rebellierten die Bauern.

Dazu kam, dass das von den herzoglichen Jagdgesellschaften gehegte Wild die Felder verwüstete, aber von den Untertanen nicht zur Strecke gebracht werden durfte, weil es Eigentum des Herzogs war. Fleisch hatten die Bauern in diesen Jahren kaum noch zu essen, Wilderei aber wurde oft mit dem Tode bestraft, erläuterte Schmauder.

So bildete sich eine im Untergrund agierende Widerstandsgruppe, die sich "Der Arme Konrad" nannte, ein Synonym für Hinz und Kunz - eben den armen Mann. Ihre revolutionären Forderungen legten sie in einem Reimgedicht dar, referierte Schmauder. Sie wollten nur die Abschaffung der Missstände und mehr Mitbestimmung. Gereimt waren die Forderungen, weil Reime in einer Gesellschaft von Analphabeten einprägsamer waren.

In Beutelsbach brach der Aufstand unter Peter Gaiß, genannt Gaißpeter, aus. Da der Herzog die erhöhten Steuern für Fleisch, Getreide und Wein nicht direkt erheben wollte, hatte er einen Trick angewandt: Er ließ die Gewichte so ändern, dass die Bauern für dasselbe Geld weniger bekamen. Gaißpeter provozierte die Herrschaft, indem er die Gewichte unter dem Jubel der Menge bei Großheppach in die Rems warf.

Die Aufständischen versammelten sich, um gegen die Herrschaft vorzugehen. Sie schickten auch eine Delegation, um die ebenfalls rebellierenden Geislinger zum Zusammenschluss mit dem Armen Konrad zu bewegen. Die Ulmer aber waren wachsam und hatten Truppen im Geislinger Raum zusammengezogen, die ein Übergreifen der Revolte verhindern konnten.

Letztlich scheiterten auch die - schlecht bewaffneten - Aufständischen im Remstal. Schmauder, der die Ausstellung "Macht, Gewalt, Freiheit" mit Götz Adriani in Tübingen konzipiert hat, erläuterte in der Folge die Bestimmungen des Tübinger Vertrags, der zunächst nur den reichen Handwerkern und Kaufleuten in den Städten mehr Mitbestimmung versprach. Etliche Aufständische waren zwischenzeitlich ins Ausland, zur Eidgenossenschaft, emigriert. Die Rädelsführer, die in ihrer Heimat geblieben waren, wurden in Schorndorf, Stuttgart und Tübingen enthauptet, so, wie der Geislinger Lienhart Schöttlin in Ulm.

Trotzdem kam Herzog Ulrich von Württemberg seinen Bauern einige Wochen später mit geringen Zugeständnissen entgegen: Sie durften nun Wildschweine und Rotwild erlegen und fortan Wildschäden an ihren Äckern verhindern. Korrupte Amtsmänner sollten ausgetauscht werden. Leibeigene des Herzogs blieben aber die Bauern nach wie vor. Die freie Reichsstadt Ulm hingegen verschärfte eher ihre Sanktionen gegen die Geislinger.

Die Zuhörer spendeten Schmauder für diesen spannenden Vortrag, an den sich eine rege Diskussion anschloss, anhaltenden Applaus.

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