Demonstranten solidarisieren sich mit Opposition in Türkei

"Hoch die internationale Solidarität". Das skandierten knapp 200 Demonstranten am Montagabend in Geislingen. Sie brachten damit ihre Sympathie für die demokratische Opposition in der Türkei zum Ausdruck.

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Die Geislinger Songgruppe "Stadtratten" stimmte die Demonstranten mit türkischen und deutschen Liedern zur Solidaritätskundgebung ein - zu Anfang mit einem Freundschaftslied, zum Abschluss das "Bürgerlied", die Hymne der Demokratische Bewegung von 1848. Rund 200 einheimische und türkischstämmige Männer und Frauen, junge und ältere, folgten gestern Abend dem Aufruf eines breiten Initiativbündnisses von SPD und Grünen, Linke und Gewerkschaften, der türkischen Gruppierungen der Aleviten, Genclik und anderer. Die Teilnehmer kamen am Forellenbrunnen in der Fußgängerzone zusammen, um ihre Verbundenheit mit der demokratischen Opposition in der Türkei zu zeigen.

Zugleich protestierten sie gegen die autoritäre Regierung von Ministerpräsident Erdogan. Sie verurteilten das gewaltsame Einschreiten der Polizei gegen die Parkbesetzer und die Demonstranten auf dem Taksim-Platz das Verletzte und Tote forderte. Viele türkische Oppositionelle seien festgenommen worden. "Überall ist Taksim, überall ist Widerstand", so bekundeten die Demonstranten in Geislingen ihre Solidarität.

Sevgi Aslanboga von Genclik meinte, das martialische Vorgehen der Polizei gegen die Parkbesetzer in Istanbul habe überall in der Türkei und darüber hinaus zu spontanen Solidaritätsaktionen gegen Unterdrückung und für Demokratie geführt. Erdogan habe sein wahres Gesicht gezeigt, der neo-osmanische Herrscher regiere gegen sein Volk.

Schockiert von der Eskalation der Gewalt gegen friedliche Demonstranten in der Türkei zeigte sich Gerhard Wick (IG Metall). Er forderte die türkische Regierung zum Dialog mit der Opposition auf. Demokratie heiße auch, die Menschen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Freie Meinungsäußerung auch für Andersdenkende forderte Thomas Reiff (SPD) von der türkischen Regierung.

Es grenze an Krieg, wie Erdogan und die türkische Polizei gegen die Bevölkerung vorgingen, kritisierte Bernhard Lehle (Grüne). Er bezog sich auf Eindrücke der Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth, die vor Ort einen Polizeieinsatz mit Tränengas erlebt hat. Erdogan habe sein Vetrauen verspielt, sagte Lehle. Wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden, müsse jeder Mensch Solidarität zeigen, meinte als Partei-Ungebundener Roland Funk (Freie Wähler). Ercik Fadime sprach - auf Türkisch - für die Alevitische Gemeinde. Nach einer Stunde löste sich die Kundgebung, die ohne jede Zwischenfälle verlief, wieder auf.

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