DAS GEISTLICHE WORT: Perspektivenwechsel

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Ein Mann kam zu seinem Rabbi und beklagte sich: "Rabbi, mein Leben ist unerträglich. Wir wohnen zu sechst in einem einzigen Raum. Was soll ich nur machen?" Der Rabbi antwortete: "Nimm deinen Ziegenbock mit ins Zimmer!" "Den Ziegenbock?", wunderte sich der Mann. "Tu, was ich dir gesagt habe", entgegnete der Rabbi, "und komm nach einer Woche wieder."

Nach einer Woche war der Mann total am Ende: "Wir halten es nicht mehr aus, der Bock stinkt so fürchterlich!" Der Rabbi gab ihm den Rat: "Geh nach Hause und stelle den Bock wieder in den Stall. Dann komm nach einer Woche wieder." Die Woche verging. Als der Mann zurückkam, strahlte er über das ganze Gesicht: "Das Leben ist herrlich, Rabbi. Wir genießen jede Minute. Kein Ziegenbock - nur wir sechs."

Eine drastische Geschichte - und sie gefällt mir. Denn manchmal geht es mir wie dem Mann, der sich da beim Rabbi beklagt. Mir fallen nur Dinge in meinem Leben ein, die mich stören. Oder ich begegne Menschen, die sind so wie der Mann. Sie haben nur zu klagen und ich denke: "Mensch da ist doch so viel Gutes in ihrem Leben, warum sehen die das denn nicht."

Aber es hilft ja nichts, wer in der Klage und im Hader feststeckt, der braucht erst mal eine neue Erfahrung. Ein Gedanke, eine Anregung, die unterstützt das Leben von einer anderen Warte aus anzuschauen.

Deshalb gefällt mir die Geschichte. Der Rabbi ermöglicht durch seinen Rat eine neue Perspektive.

Nun haben Sie und ich wahrscheinlich keinen Ziegenbock zu Hause, den wir mal für eine Woche ins Wohnzimmer stellen könnten. Aber wir haben andere Möglichkeiten: Eine Zeit lang habe ich jeden Abend fünf Dinge in ein Buch geschrieben, über die ich mich am vergangenen Tag gefreut habe. Wie schnell war ich wieder zufriedener!

Am Sonntag ist Erntedankfest - für uns alle eine Möglichkeit die Perspektive zu wechseln. Einen Tag lang bewusst darauf zu schauen, was wir ernten dürfen, was Bauern für uns anpflanzen und hegen, was wir an Gaben haben, die wir in die Gemeinschaft einbringen und was Leib und Seele nährt.

Ich freue mich auf das Fest. Weil ich weiß es tut mir gut, an das zu denken, was mein Leben reich macht. Es tut mir gut, mich zu erinnern, dass Gott mit seinen guten Gaben mein Leben begleitet.

Gott sei Dank!

Ulrike Ebisch ist Pfarrerin

im Pfarramt Altenstadt-Ost

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