Das geistliche Wort: Grenzen des Machbaren

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Geht nicht, gibts nicht - hören wir häufig als Schlagworte, die die eigene unbeschränkte Kompetenz bestätigen sollen. Sind wir denn so vollkommen, dass wir alles können, alles bewältigen, mit allem fertig werden?

Kein Berg ist zu hoch, kein Weg zu weit; wenn wir uns anstrengen, schaffen wir das schon. Wer das von sich behauptet, macht anderen Angst. Denn was ist, wenn er doch an Grenzen kommt?

Wir haben alles Menschenmögliche getan. Es gibt mitunter Situationen im Leben, in denen wir uns das - verbunden mit Trauer und Schmerz - eingestehen müssen. Wenn Eltern an die Grenzen in der Erziehung ihres Kindes kommen. Wenn Jugendliche ihre Lehrstelle hinschmeißen oder in ein radikalisiertes Umfeld abgleiten. Wie wird man damit fertig, erkennen zu müssen, dass eben nicht alles machbar ist? Menschen, die in und mit der Natur arbeiten müssen, sind sich dessen viel eher bewusst, dass es Grenzen gibt, dass nicht alles machbar ist. Vor allem im Bereich der Gesundheit wird uns oft allzu schmerzlich vor Augen geführt, dass auch ärztlicher Kunst Grenzen gesetzt sind. Grenzüberschreitungen kündigen sich an beim ärztlich begleiteten Suizid.

Grenzverschiebungen oder -überschreitungen werden trefflich mit der eigenen Verantwortlichkeit und Freiheit begründet, weil die uneingeschränkte Selbstverfügung des Menschen über sein Leben ihn als Herr und Besitzer seines Lebens ausweisen will.

Das Erntedankfest will uns daran erinnern, dass Werden und Vergehen in Gottes Hand liegt. Es stellt mir die Frage: Liegt es denn wirklich an mir allein, ob mein Tun jene Frucht bringt, die ich mir erhoffe? Oder wird mir bewusst, dass ich selbst bei aller Fürsorge an Grenzen stoße und nichts erzwingen kann? Mit diesem Eingeständnis wird mir klar, dass ich auf eigene Erfolgsrezepte verzichten kann.

Haben wir ein Luxusproblem? Ich denke schon. Die Hälfte der Weltbevölkerung muss mit weniger als einem Euro am Tag auskommen, davon muss oft genug eine ganze Familie leben. Der anderen Hälfte der Menschheit geht es ungleich besser. Aber nur wenigen - uns zum Beispiel - geht es gut, sogar sehr gut, vielleicht schon zu gut! Das Erntedankfest sollte uns deshalb daran erinnern, die Grenzen des Machbaren in der Natur und im Leben zu achten und in Demut zu akzeptieren.

Uwe Bähr ist Diakon im Ruhestand bei der katholischen Kirchengemeinde Bruder Klaus in Jebenhausen

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