Christiane Paroch leitet die Werkstätten der Lebenshilfe

Christiane Paroch ist 57 Jahre alt, hat viel erlebt, Erfahrungen gesammelt, Kontakte geknüpft - und vor allem eins gelernt: Alle Menschen brauchen Anerkennung und Wertschätzung für ihre Leistung.

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Christiane Paroch ist seit Januar Bereichsleiterin der Werkstätten der Lebenshilfe Göppingen.  Foto: 

"Ein Behinderter kann vieles, wenn wir ihm das richtige Rüstzeug geben", ist Christiane Paroch überzeugt. Die 57-jährige zierliche Frau mit den blonden, kurzen Haaren und der schicken Kleidung arbeitet seit Januar als Bereichsleiterin der fünf - bald sechs - Werkstätten der Lebenshilfe Göppingen. Als solche - und schon lange vorher - setzt sie sich mit "Leib und Seele" für Menschen mit Behinderung ein.

Parochs Augen blitzen, wenn sie von den Fähigkeiten der Menschen mit Behinderung erzählt. Ihre Formulierungen sind mit berlinerischen Einschlägen und trockenem Humor gewürzt. "Mit den richtigen Hilfsmitteln können diese Menschen so viel machen. Eigentlich sind wir in unserer Gesellschaft diejenigen, die sie behindern, weil wir zu wenig Zutrauen haben."

Als Bereichsleiterin der Lebenshilfe kämpft das Energiebündel an mehreren Fronten für die Anerkennung der Arbeit behinderter Menschen in der Leistungsgesellschaft. "Ganz wichtig ist der Kontakt zu den Unternehmen", betont Paroch. Zum einen gelte es, die wirtschaftliche und qualitativ hochwertige Arbeit der Lebenshilfe-Werkstätten bekannt zu machen, zum anderen, Außenarbeitsplätze für Menschen mit Einschränkungen oder für ihre Inklusion auf dem ersten Arbeitsmarkt zu kämpfen.

"Da muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Bei den Vorgesetzten und - ganz wichtig - bei den Mitarbeitern der Betriebe, die begreifen sollen, dass gehandicapte Kollegen gute Kollegen sind", zählt die Diplom-Ingenieurin auf, die in der früheren DDR Betriebswirtschaft und Textiltechnik an der Technischen Universität Dresden studierte und in einer leitenden Position bei der "Plauener Spitze" ihre Karriere startete.

Ihr Herzblut für Menschen mit Behinderung entwickelte sich nach der Wende: Paroch hatte zusätzlich zum Studium eine Ausbildung "Marketing für Non-Profit-Unternehmen" absolviert. "Ich wollte mehr mit und für Menschen arbeiten. Als Beraterin ging es mir darum, die Anforderungen des Markts in sozialen Unternehmen zu erfüllen."

Für das Institut für Sozialforschung und Betriebspädagogik sollte sie 1992 gleich unter Beweis stellen, "dass schwerst mehrfach behinderte Menschen wirtschaftlich arbeiten können". Paroch besuchte eine Einrichtung und war zuerst entsetzt. Doch schon abends waren es für sie Mitarbeiter - und keine Behinderten mehr. Dass sie den Menschen helfen konnte, sich auf dem Arbeitsmarkt einzubringen, ließ Paroch nie mehr los.

Fünf Jahre lang leitete sie in Berlin eine Großeinrichtung der Behindertenhilfe, ab 2000 eine beschützende Werkstatt der Diakonie in Heilbronn. Ihre vielen Kontakte ermöglichen ihr Querverbindungen zwischen Profit- und Non-Profit-Unternehmen: Paroch ist ehrenamtlich tätig, unter anderem als Präsidentin im Marketingclub Heilbronn und im Förderverein der Wirtschaftsjunioren, in der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU und im "Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge".

2005 machte sich Paroch als Beraterin selbstständig. "Es war die Vielfalt, das In die Breite gehen, das mich gereizt hat", sagt die Berliner Neu-Schwäbin lächelnd.

Wenn sie heute die fünf Werkstätten der Lebenshilfe im Kreis Göppingen - Heiningen, Eschenbach, Geislingen, Ursenwang und Jebenhausen - neu organisiert sowie eine neue Werkstatt plant, dann weiß Christiane Paroch, worauf es ankommt: "Wir müssen die Mitarbeiter in den Werkstätten qualifizieren, neue Fertigungsbereiche auftun und mit Unternehmen wegen neuer Aufträge reden". Es geht weiter mit der langfristigen Planung für die neue Werkstatt, die Konzeption der Räumlichkeiten, das Akquirieren neuer Aufträge, die Anschaffung passender Maschinen, die Einarbeitung der Mitarbeiter mit den entsprechenden Fähigkeiten. Und nicht zu vergessen: Egal ob Langzeitarbeitslose, für die sich Paroch ebenfalls eine Zeitlang eingesetzt hat, ob Menschen mit Behinderung oder andere Angestellte in Profit- oder Non-Profit-Unternehmen: "Was sie alle brauchen, ist Anerkennung und Wertschätzung ihrer Arbeit."

Zeit für die eigene Wohnungssuche bleibt Christine Paroch erstmal nicht. Momentan liegt ihr Hauptwohnsitz noch in Siegburg bei Bonn. Sie pendelt von der kleinen Wohnung in Bad Boll, wo sie unter der Woche wohnt, an den Wochenenden nach Hause oder zu ihren Kindern und Enkeln nach Heilbronn. "Das ist herrlich, sie glooben das nicht", berlinert sie, als sie von ihren zweieinhalb bis dreieinhalb Jahre alten Enkeln schwärmt. Bei ihnen kann sie ausspannen, genauso wie auf der Fahrt zur Arbeit durch das "traumhafte Voralbgebiet": "Ich hab mich total verliebt in die Gegend hier. Da kommt man gleich gut gelaunt ins Geschäft."

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