Anita Gröh kritisiert Kirche wegen Hürden für gleichgeschlechtliche Ehe

Die Landessynodale Anita Gröh berichtet über die kommende Abstimmung in der evangelischen Landeskirche zur Trauung gleichgeschlechtlicher Paare.

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Anita Gröh vergleicht die Argumente gegen gleichgeschlechtliche Trauungen mit denen gegen die Ordination von Frauen vor 50 Jahren.  Foto: 

Sollen die evangelischen Pfarrer in Württemberg künftig gleichgeschlechtliche Paare trauen dürfen? Mit diesem Thema wird sich die Landessynode der evangelischen Kirche, also die gesetzgebende Versammlung der Kirchenleitung, am 29. November in Stuttgart beschäftigen. Dann nämlich geht es um einen Entwurf, kirchliche Richtlinien für eine gottesdienstliche Trauung – die sogenannte Trau-Agende – entsprechend anzupassen, um dies zu ermöglichen. Dafür benötigt die Landessynode eine Zweidrittel-Mehrheit.

Die Landessynodale Anita Gröh sagte bei der Herbstsynode des Kirchenbezirks Geislingen am Freitag dazu, dass die württembergische Landeskirche die einzige evangelische Landeskirche in Deutschland sei, in der eine kirchliche Segnung oder Trauung eines gleichgeschlechtlichen Paares im Rahmen einer öffentlichen Feier nicht möglich sei. Bisher darf eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in Württemberg nur „nichtöffentlich“ stattfinden. Der Oberkirchenrat will jetzt mit der Änderung der Agende Ausnahmen ermöglichen.

Selbst wenn die Trau-Agende abgeändert würde, gebe es viele Hürden, erklärte Anita Gröh: Jede Kirchengemeinde müsste für sich beschließen, ob sie eine solche Möglichkeit in Zukunft will. Dazu müsste das Paar auf den Pfarrer zugehen. Dieser müsste einen Antrag an den Kirchengemeinderat stellen; eine Gemeindeversammlung müsste sich mit dem Vorhaben auseinandersetzen und zustimmen. Zudem müsste der Kirchengemeinderat dem Antrag mit Dreiviertel-Mehrheit zustimmen.

Gröh: Trauung kein Sakrament

Was die Vertreterin des Gesprächskreises „Offene Kirche“ davon hält, sagte sie deutlich: „In unserer Landeskirche ist die Trauung kein Sakrament. Ich verstehe nicht, warum diese Amtshandlung an gleichgeschlechtlichen Paaren so hoch gehängt wird.“

Die Angst vor einer Spaltung der Kirche, die sie hinter den komplizierten Vorschriften vermutet, teile sie nicht, sagte Anita Gröh. Auch in allen anderen Landeskirchen seien keine auffallenden Austrittszahlen feststellbar gewesen.

Zum Schluss ihrer Ausführungen machte Anita Gröh darauf aufmerksam, dass es sich „heute um die gleichen Argumente handelt, wie sie vor beinahe 50 Jahren gegen die Ordination von Frauen vorgebracht wurden“. 

Info Die Diskussion in der Landes­synode am 28. November sowie die ­Abstimmung am 29. November kann
im Internet im Live-Stream verfolgt werden. Alle Infos dazu gibt’s
auf www.elk-wue.de

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