Aufhausen hat wieder einen Dorfladen

Nach 15 Jahren hat Aufhausen wieder einen Dorfladen. Die Bürger hatten das Projekt selbst auf den Weg gebracht. Dafür gibt es Lob von allen Seiten.

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Viele Aufhausener nutzen am Tag der Eröffnung die Gelegenheit, im Dorfladen einzukaufen.  Foto: 

Es passiert nicht alle Tage, dass in Aufhausens Ortsmitte die Parkplätze knapp werden. Am Samstag ist einer dieser Tage. Der Engelplatz: voll. Die Theodor-Heuss-Straße am Dorfplatz: voll. Die Zufahrt zum Steinboß: voll. Die Ortsunkundigen wundern sich, die Aufhausener wissen aber: Nachdem ihr Ort 15 Jahre kein Lebensmittelgeschäft mehr hatte, nachdem der Geislinger Stadtbezirk anderthalb Jahrzehnte lang ein weißer Fleck auf der Nahversorgungs-Landkarte war, gibt es nun wieder einen Dorfladen. Um exakt 10.03 Uhr schließt Ortsvorsteher Ludwig Kraus mit dem Schlüssel die Ladentür auf. Damit geht in diesem Augenblick ein Projekt über die Ziellinie, das die Aufhausener als Bürgerprojekt selbst gestemmt haben.

„Gott sei Dank haben wir jetzt wieder einen Laden“, sagt Günter Keller. Der 73-Jährige hat es sich wie so viele andere Aufhausener nicht nehmen lassen, gleich mal dort einkaufen zu gehen. „Das ganze Dorf hat sich den Laden gewünscht“, sagt er, „wenn ihn nun alle so annehmen wie bei der Eröffnung, ist das gut“. Gerade für die Älteren sei es eine große Erleichterung, sich wieder am Ort mit Dingen des täglichen Bedarfs eindecken zu können. „Viele haben kein Auto und können nicht schnell mal nach Geislingen fahren, wenn sie was brauchen.“

Doch auch für die Jungen ist der Laden eine Zugewinn an Lebensqualität – oder eine „super Sache“, wie es Daniel Sachs formuliert: „Der Laden ist in der Nähe und schnell erreichbar, das Sortiment ist gut. Für Familien ist das wirklich eine Erleichterung“, sagt der 33-Jährige, selbst junger Familienvater.

Im Laden herrscht schon dreieinhalb Stunden Hochbetrieb, als Geislingens Oberbürgermeister Frank Dehmer zum offiziellen Festakt eintrifft. Der OB ist voll des Lobes für all die ehrenamtlichen Schaffer um Ortsvorsteher Ludwig Kraus, der das Projekt 2014 angestoßen hatte. „Dass Aufhausen wieder einen Dorfladen hat, ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt Dehmer, „jeder weiß, wie viel Arbeit dahinter steckt“.

Das sind nicht nur jene 5000 Stunden ehrenamtliche Arbeit der insgesamt 31 Helfer, die die ehemalige Volksbank-Filiale seit Sommer weitgehend in Eigenregie umgebaut haben. Und es ist nicht nur die Leistung der Arbeitsgruppe Dorfladen, die – mit Unterstützung eines Unternehmensberaters – das Projekt Schritt für Schritt umgesetzt hat. Es ist, wie Kraus zuvor ausgeführt hat, ebenso die Bereitschaft vieler Bürger, das Projekt mitzutragen, indem sie Anteile für die Dorfladen-Gesellschaft gezeichnet und damit für ein Startkapital von knapp 78 000 Euro gesorgt haben. Insgesamt 222 Gesellschafter sind es, das Gros aus Aufhausen, aber auch etliche aus den Nachbargemeinden. Die Stadt Geislingen hält ebenfalls einige Anteile.

Dem Stadtoberhaupt gefällt vor allem der Gedanke, „dass nicht nur die älteren Mitbürger wieder am Ort einkaufen können, sondern auch die Kinder, die dadurch den Umgang mit Geld lernen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als Kind von der Mutter fünf Mark in die Hand bekommen habe und dann mit dem Täschle losgegangen bin. Das war in Aufhausen jahrelang nicht mehr möglich.“

Damit das nun dauerhaft so bleibt, hat Dehmer ein kleines Geschenk mitgebracht: eine  Bonboniere, wie sie früher in vielen Tante-Emma-Läden gestanden hatte und aus der sich die Kinder Süßigkeiten nehmen durften. „Wenn Sie, liebe Aufhausener, sehen, das Glas wird leer, dann gehen Sie im Dorfladen zum dritten Regal, kaufen etwas Süßes und füllen das Glas wieder auf. Den Kindern wird es gefallen.“

Die CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Razavi, ebenfalls Gast bei der Eröffnung, ist begeistert von dem, was da in Aufhausen entstanden ist. „Helmut Schmidt sagte einmal: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. Ludwig Kraus hat das zum guten Glück nicht getan und seine Vision umgesetzt.“ Genau diese Ideen brauche man. „Immer mehr Menschen ziehen in die Städte, weil sie sich auf dem Land nicht mehr versorgen können. Das tut den Städten nicht gut, weil die noch überfüllter werden. Und das tut den Dörfern nicht gut, weil die langsam sterben“, sagt Razavi: „Die Menschen sollen sich auf dem Dorf wohlfühlen. Dazu gehört auch ein kleiner Laden.“

Volksbank-Vorstand Hermann Sonnenschein, der bei seiner Stippvisite in Aufhausen davon beeindruckt ist, wie sich die ehemalige Filiale verwandelt hat, bringt es schließlich auf den Punkt: „Die Aufhausener können mächtig stolz sein auf das, was sie in ihrer Dorfgemeinschaft geschaffen haben.“

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