Experte von "Kwick" informiert Beamte über das Thema Internet und Recht
Kreis Göppingen. Im Internet treiben sich immer mehr Kriminelle herum - und die Polizei muss sie aufspüren. Doch wie soll sies anstellen? Und was darf sie tun? Darüber informierten die Beamten gestern ein Insider und Experte.
IP-Adressen, Phishing, Communities, Verkehrsdaten - so manchem Polizisten im Polizeirevier Uhingen dürfte ob all der Fachbegriffe der Kopf geraucht haben. Doch das Thema war es wert, sich intensiv damit auseinanderzusetzen: "Alles Recht im Web 2.0?" hatte der Referent Kai Hummel seinen Vortrag überschrieben, in dem er alle Jugendsachbearbeiter und Internetspezialisten der Polizeidirektion Göppingen über soziale Netzwerke und Datenspeicherung informierte. Hummel ist Jurist, Datenschutzbeauftragter und Leiter der Unternehmenskommunikation bei dem in Weinstadt ansässigen sozialen Netzwerk "Kwick" und konnte aus erster Hand über die Zusammenarbeit zwischen Kwick und der Polizei berichten.
1,2 Millionen Profile haben die Benutzer in Kwick angelegt, täglich kommen mehr als 3000 neue hinzu. Dass darunter auch schwarze Schafe sind, verwundert nicht. "Wir bekommen pro Woche rund 20 Anfragen von Polizeidirektionen aus ganz Deutschland", sagt Hummel. In der Regel würden die Anfragen innerhalb von zwei bis drei Stunden bearbeitet, je nachdem kann Kwick die Bestandsdaten - also Klarnamen und Adressen - der Benutzer oder auch die IP-Adressen liefern, die jeden Surfer im Internet identifizierbar machen.
Zumindest galt dies bis vorgestern. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung sieht nun alles anders aus. Zwar könne Kwick weiterhin IP-Adressen herausgeben, jedoch nützen diese der Polizei im Moment nichts - da die Internet-Provider auf Geheiß aus Karlsruhe alle gespeicherten Daten löschen mussten. Wie nun weiter verfahren wird, wusste auch in Uhingen gestern niemand zu beantworten, da ist jetzt zuerst die Politik gefragt.
Um welche Straftaten geht es? Hummel präsentierte den Beamten eine lange Liste mit all jenen Vergehen, wegen denen sich Polizisten aus der ganzen Republik, aber auch einfache Internetsurfer bei Kwick melden. Neben Beleidigungen und Verleumdungen stehe die Verbreitung pornografischer Schriften ganz oben, sagte Hummel. "Immer mehr Jugendliche filmen sich beim Geschlechtsverkehr und stellen die Filme dann ins Netz", berichtet er über einen neuen Trend. Oftmals würden aber auch Zeugen oder gar Täter auf Fotos wiedererkannt, Vermisste aufgespürt oder Suizidankündigungen oder Amokdrohungen entdeckt. In diesen Fällen gilt es schnell zu handeln. Dafür gibt es eigens eine 24 Stunden besetzte Hotline zwischen Kwick und der Polizeidirektion Waiblingen.
Sieben Tage speichert Kwick gemäß der aktuellen Rechtslage die Verbindungsdaten und gibt sie in begründeten Fällen an die Polizei weiter. Und wenn ein richterlicher Beschluss vorliegt, können auch Chats von der Polizei - analog zur Telefonüberwachung - mitgelesen werden, um etwa Drogengeschäften auf die Spur zu kommen.
Auch Thorsten Göthe saß gestern unter den interessierten Zuhörern. Er ist bei der Polizeidirektion Göppingen federführend für das Projekt "Kids online" verantwortlich und geht in Schulklassen, auf Elternabende oder auch zu Vereinen, um über die Gefahren des Internets aufzuklären und Medien- und Internetkompetenz zu vermitteln. Sein Geschäft boomt, Göthe macht mittlerweile nichts anderes mehr - und weiß seit gestern noch besser Bescheid, nicht nur über das Web 2.0.
Info
Wer an dem Projekt "Kids online" interessiert ist, kann sich direkt an Thorsten Göthe von der Polizeidirektion Göppingen wenden und einen Termin vereinbaren - allerdings nur Vertreter von Schulen oder Vereinen, keine Einzelpersonen: Telefon: (07161) 63-21 23.
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Autor: DIRK HÜLSER | 04.03.2010
Kai Hummel (links) von der Plattform "Kwick" erläuterte gestern den Jugendsachbearbeitern der Polizeidirektion Göppingen rechtliche Fragen rund ums Thema Internet. Mit dabei: Kripo-Chef Thomas Lutz (links am Tisch). Foto: Staufenpress
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