Arbeitskreis Asyl sieht sich sich "auf einem guten Weg"

Kinderbetreuung, Sprachkurse, Freizeitprogramm und Radwerkstatt: Der Geislinger Arbeitskreis Asyl hat jetzt seine Angebote vorgestellt. Die 70 Helfer decken die gesamte Lebenswelt der Flüchtlinge ab.

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Zu den Aufgaben der ehrenamtlichen Helfer im Geislinger Arbeitskreis Asyl gehört die Kinderbetreuung in den Kontaktcafés. Lin und ihr Bruder Amer malen an diesem Tag im Café Welcome der Diakonie zusammen mit Heidi Richter Bilder.  Foto: 

Rund 380 Flüchtlinge leben derzeit in Geislingen. Die Zahl der Neuankömmlinge steigt längst nicht mehr so rasant wie noch im zweiten Halbjahr 2015 - die Absicht des Arbeitskreises Asyl (AK Asyl) Geislingen ist dieselbe geblieben: Jeden Asylbewerber von der ersten Minute seiner Ankunft an zu betreuen, bis er anerkannt ist und Job- und Wohnungssuche selbst auf die Reihe bekommt. Der Arbeitskreis hat dafür ein fein gesponnenes Netz aus rund 70 Freiwilligen aufgebaut, die mit ihren Beratungs- und Hilfsangeboten die gesamte Lebenswelt der Asylbewerber abdecken.

Vergangene Woche stellten sich die Ehrenamtlichen rund 80 Geislinger Bürgern vor - eine Zahl, die Koordinator Wolfgang Nordmann sehr freut. Der Arbeitskreis habe sich ganz bewusst gegen eine Vereinsstruktur entschieden, sagt er, um frei von Strukturen und Zwängen zu sein, die dies mit sich brächte.

Arbeitsgruppen teilen sich die Aufgaben auf, damit es keine Überschneidungen gibt. Diese sind:

Arbeitsgruppe Willkommen: "Wenn neue Asylbewerber ankommen, schauen wir, dass wenigstens ein AK-Mitglied sie willkommen heißt", erklärt Nordmann. "Wir wollen zeigen: Da sind Menschen, die kümmern sich um euch, die könnt ihr bei Problemen ansprechen." Die Flüchtlinge sollen sich wohlfühlen - auch, wenn sie vielleicht nur kurze Zeit in der Stadt sind. Sie bekommen zu essen und zu trinken, eine Grundausstattung an Lebensmitteln und erste Info-Broschüren.

Begleitdienste: Die Ehrenamtlichen erfragen, welche Unterstützung die Flüchtlinge besonders nötig haben, sie helfen bei Behördengängen oder zeigen ihnen, wo sie einkaufen können. Und sie versuchen herauszufinden, welche Interessen und Begabungen sie haben, die man fördern könnte.

Sprache: Rund 16 Freiwillige unterrichten vor allem jene Flüchtlinge in Deutsch, die noch keinen Sprachkurs genehmigt bekommen haben. Auch einen Alphabetisierungskurs gibt es, an dem zurzeit ein paar Frauen teilnehmen.

Cafés: Bei einem Stück Kuchen oder einem Getränk ins Gespräch kommen, Kontakte knüpfen und - auf Seiten der Flüchtlinge - die Deutschkenntnisse verbessern: Das ist das Ziel der Kontakt-Cafés im Kaffeehaus der Diakonie (montags, 14 bis 17 Uhr) und in der Rätsche (dienstags und donnerstags jeweils 14 bis 17 Uhr). Ehrenamtliche spielen und malen mit den Kindern.

Kinder: Die Freiwilligen helfen beispielsweise beim Ausfüllen von Kita-Anträgen und bieten Spiel- und Freizeitangebote. Es sei nicht immer einfach, die Kinder in einer Kita unterzubringen, erklärt Nordmann. "Aber es ist für jedes Kind wichtig, dass es eine normale, kindgerechte Umgebung hat."

Schule: Schulpflichtige Kinder werden an Geislinger Schulen in Vorbereitungsklassen untergebracht, in denen zunächst das Deutschlernen im Vordergrund steht. Der Arbeitskreis organisiert beispielsweise Schulranzen.

Arbeit und Ausbildung: Bislang sei in diesem Bereich noch nicht viel möglich, bedauert Nordmann: "Das ist ein Thema, wenn es an die konkrete Integration geht - mit der Suche nach einem Praktikums- oder Ausbildungsplatz."

Integrationsbegleitung: Die Ehrenamtlichen helfen anerkannten Asylbewerbern beim Ausfüllen von Formularen oder bei Behördengängen. Dabei gelte es stets, die Menschen in die Selbstverantwortung zu begleiten, erläutert Nordmann die Schwierigkeit der Aufgabe. "Sie müssen irgendwann natürlich eigenverantwortlich zu etwas kommen." Diese Gruppe sei sehr wichtig, auch wenn ihre Arbeit weit über Asylthemen hinaus reiche.

Fahrrad und Freizeit: Die Gruppe vermittelt Fahrräder und bringt den Flüchtlingen in Zusammenarbeit mit der Geislinger Fahrradrecyclingwerkstatt bei, kleinere Schäden zu reparieren. Außerdem organisieren die Freiwilligen Freizeitangebote.

Patenschaften und Dolmetscherpool: Im Patenschaftsmodell betreuen Ehrenamtliche eine Familie oder eine Person und stehen dieser bei allen Fragen zur Seite. Im Dolmetscherpool, den die Stadtverwaltung derzeit einrichtet, lassen sich alle Helfer registrieren, die Übersetzerdienste leisten können. Es haben sich bereits "eine Menge Leute" gemeldet, so Nordmann.

Supervision: Zwei Mitarbeiter betreuen die Ehrenamtlichen und achten darauf, dass sie sich nicht übernehmen. Schwer zu verkraften sei es besonders, wenn etwa eine Familie, zu der man eine Beziehung aufgebaut habe, abgeschoben werde, erklärt Nordmann.
 

Der Arbeitskreis sei insgesamt auf einem guten Weg und bekomme von allen Seiten Unterstützung, sagt der Koordinator. "Wir sind dankbar dafür und können zufrieden sein." Weitere Ehrenamtliche seien dennoch nach wie vor willkommen - vor allem in den Cafés, bei der Kinderbetreuung und den Freizeitaktivitäten. "Da kann das Angebot nie groß genug sein."
 



Info Auskünfte zu Angebot und Mithilfe auf www.arbeitskreis-asyl-geislingen.de - E-Mail: kontakt@arbeitskreis-asyl-geislingen.de

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