Anklage: Vierjähriger stirbt nach Misshandlung

Die Staatsanwaltschaft Ulm hat Anklage erhoben gegen ein Paar aus Geislingen: Es soll im März 2011 das vier Jahre alte Kind der Frau so gezüchtigt haben, dass es an den Folgen von Hirnverletzungen starb.

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Der Fall hat seinerzeit für große Bestürzung und Betroffenheit in Geislingen gesorgt: Ein vier Jahre alter Bub starb nach brutaler Misshandlungen, die ihm daheim in der Wohnung der Lebensgefährte seiner Mutter oder sie selbst zugefügt hatten. Jetzt klagt die Staatsanwaltschaft Ulm die heute 26 Jahre alte Mutter und ihren 28-jährigen Lebensgefährten an, wegen Misshandlung eines Schutzbefohlenen und wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter vor, den Jungen nachweislich mehrfach mit der Hand kräftig ins Gesicht geschlagen zu haben. 2010 zog die Frau mit ihrem neuen Partner, mit dem sie auch ein gemeinsames Kind hat, zusammen. Neuer Wohnort war nun Geislingen. Seit dieser Zeit habe der Mann "die Erziehung des Jungen übernommen", formuliert es die Staatsanwaltschaft. Mutter und Stiefvater hätten den Vierjährigen "bei verschiedenen Gelegenheiten mehrmals kräftig mit der offenen oder zur Faust geballten Hand ins Gesicht, auf den Kopf, Rumpf, Arme und Beine geschlagen."

Die Züchtigungen lassen ein längeres Martyrium des Kindes befürchten - die Staatsanwaltschaft bezieht sich nur auf wenige Fälle der Misshandlung, nämlich auf solche, für die sie offenbar Zeugen hat und die sie nachweisen kann.

Die Schläge gegen den Kopf des Kindes führten zu massiven Verletzungen im Gehirn. Der Bub starb im März 2011 in der Helfenstein Klinik. Dem Notarzt, den die Mutter in letzter Minute alarmiert hatte, als der Junge bereits leblos in seinem Bettchen lag, fielen die Blutergüsse am Körper des Vierjährigen auf.

Hirnverletzungen führen zum Tod

Die Obduktion des Leichnams ergab laut Staatsanwaltschaft, dass die Gewalteinwirkung gegen den Kopf zum Tod des Kindes geführt haben: Die Hirnverletzungen setzten Schutzreflexe außer Kraft, die normalerweise verhindern, dass man Fremdkörper in die Lunge einatmet. Das führte zu einer Lungenentzündung. Die wiederum verursachte einen Sauerstoffmangel, der zum Hirntod des Jungen führte.

Der Mann bestreitet nach wie vor, das Kind geschlagen zu haben. Die Mutter sagte zuerst, die Blutergüsse habe sich das Kind bei Stürzen zugezogen, es sei die Treppe hinuntergefallen. Während sie selbst behauptet, den Bub nicht gezüchtigt zu haben, belastete sie bald ihren Lebensgefährten: Der habe den Vierjährigen aus nahezu nichtigem Anlass mit beiden Händen am Hals umfasst, ihn hochgehoben und in sein Zimmer gehievt. Dort sei der Junge bewusstlos zusammengebrochen. Er starb kurz darauf nach einer letztlich nicht mehr wirksamen Reanimation durch den Notarzt am 13. März 2011 in der Klinik.

Tatverdächtige gegen Auflage auf freiem Fuß

Jetzt, also mehr als zweieinhalb Jahre danach, beantragte die Staatsanwaltschaft beim Schwurgericht die Zulassung der Anklage. Die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, Ayfer Kaplan-Pirl, beschönigt nichts: Das Verfahren habe sich ungewöhnlich lange hingezogen, sagt sie. Ende 2011 habe die Kriminalpolizei ihre Ermittlungen abgeschlossen. Weil bei der Staatsanwaltschaft der Sachbearbeiter gewechselt habe, sei es zu Verzögerungen gekommen. Wann der Fall schließlich verhandelt wird, ist gegenwärtig also noch offen.

Die beiden Angeschuldigten kamen zunächst in Untersuchungshaft. Doch hob das Amtsgericht Ulm bereits im September 2011 den Haftbefehl auf, weil bei den Tatverdächtigen keine Fluchtgefahr bestehe, teilte die Staatsanwältin dazu auf Anfrage mit. Dem Paar wurden Auflagen gemacht und ihnen zum Beispiel getrennte Wohnorte zugewiesen. Sie dürfen untereinander keinen Kontakt aufnehmen.

Die Betroffenheit über den Tod des Bub war in Geislingen seinerzeit auch deswegen so groß, weil weder Nachbarn noch jemand im Kindergarten Anzeichen für die Misshandlungen registriert hatte.

Misshandlung und Körperverletzung mit Todesfolge
 
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Kommentare

28.11.2013 08:01 Uhr

Gefährliche Therapie- und Strafgläubigkeit.

Menschen, die wehrlosen Kindern sich so etwas antun können, stellen sich außerhalb unserer zvilisierten Gesellschaft und verdienen, entsprechend behandelt zu werden. Wehrlose Kinder werden einem gefährlichen Risiko ausgesetzt, solange nicht sichergestellt wird, dass Misshandler erst dann wieder in Freiheit kommen, wenn sie garantieren können, ihre Regungen soweit kontrollieren zu können, dass der Schutz von Kindern in kritischen Situationen, gleich welcher Art, für sie den Vorrang hat.
Tickenden Zeitbomben von vorneherein ein Veränderungspotential zu unterstellen, zeigt eine gefährliche Naivität, die weitere Kinder büssen müssen.
Die Konsequenzen für diesen immer auch feigen Missbrauch körperlicher und intellektueller Überlegenheit fallen offenbar nicht deutlich und wirksam genug aus, um die bekannten und potentiellen Täter wenigstens so zu entmutigen, dass sie vor weiteren Taten zurückschrecken.
Eine ziviliserte Gesellschaft muss sich daran messen lassen, wie ernst sie es mit der Würde ihrer Kinder nimmt, ohne die sie ihre Zukunft begraben kann.

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