Aja Soul Group: Weit weg vom süßlich-glatten Soulpop

|
Die Vorarlberger Aja Soul Group (im Bild Sängerin Aja und Bassist Stephan Rheintaler) hebt sich mit originellen Akkordriffs, jazzigen Harmonien und leicht schrägen klanglichen Ideen vom aktuellen süßlich-glatten Soulpop ab.  Foto: 

Dass Österreich weit mehr in Sachen Musik zu bieten hat als Austropop ist bekannt. Zu denken wäre da etwa im Bereich Jazz an die Muthspiel- oder Pilcher-Brüder. Auch die fünf Mitglieder der Aja Soul Group, allesamt virtuose, technisch beschlagene und sich sensibel einbringende Musiker, stellten dies am Freitag bei der Rätsche eindrücklich unter Beweis. Zur Band, deren Debütalbum 2010 erschien, gehören mittlerweile Benny Omerzell an den Tasten, Stephan Rheintaler am E-Bass, Christian Eberle an den Drums, der mit unglaublichem Timing,  geschmeidigem Anschlag und großer Soundvielfalt aufwartende Gitarrist Toni Eberle und allen voran Aja – eine stimmlich facettenreich und vielfarbig agierende Souljazzsängerin, die ihrem Publikum als mitreißende und mitgehende Vokalistin mit großem Ausdruck begegnet.

Mit dem Titelstück „Territory“ steckte das Quintett gleich zu Beginn sein musikalisches Revier ab. Die Musiker entwickelten eine persönliche Soul-Position, die sich wohltuend vom aktuellen allzu süßlichen, geglätteten und mutlosen Soulpop abhebt. So arbeiteten sie Funk, raffinierte, teils laid back, teils verschleppt, teils vertrackt oder auch straight gespielte Rhythmen, markante Licks und feinsinniges Songwritertum ein. Originelle Akkordriffs, jazzige Harmonien, Unisono-Passagen zwischen Gitarre und Stimme sowie leicht schräge solistische und klangliche Ideen rundeten neben dem unvergleichlichen Gesang diese eigenständige Mixtur ab.

Die hervorragend eingespielte Band bot diesen Stil mit einem unglaublichen Flow dar sowie mit einer Direktheit und feinsinnigen Rauheit, die vielen neueren Bands abgeht; man kennt einen solch direkten, mit großer Könnerschaft entwickelten musikalischen Ausdruck etwa von den frühen Alben Merry Claytons.

„Nu Soul“ bezeichnen die Musiker diesen Stil, und ihnen bei diesem zuzuhören war ein Genuss. Die Sängerin wand sich stimmlich, sang mit klarer sowie angerauter Stimme und zog frei über die rhythmischen Strukturen. Locker, leicht und geschmeidig glitt ihr Gesang über mehrere Oktaven und durch die sich raffiniert verzahnenden Einfälle der Band; die Stimme war Instrument und Klangelement, gab aber auch feine Texte wieder. So geht es etwa in „Push“ um Leistungsdruck, in anderen Texten um Beziehungen und alltägliche Beobachtungen. „Human“, „Fresh“, „Beauty“ sowie die hitverdächtigen Songs „European Heart“ und „Way We Feel“ lieferten zudem „catchy melodies“ mit Widerhaken. Alle Stücke stammen von Aja und Toni Eberle und zeichnen sich durch einen großen Wiedererkennungswert aus. Von der Gitarre und den Keys kamen immer wieder wertvolle, den Gesang ergänzende und unterstützende Kommentare, die das feinsinnige Zusammenspiel unterstrichen und berührende Momente anklingen ließen.

Im Publikum schloss manch ein Besucher die Augen und wippte verzückt auf seinem Stuhl mit. Das, was an diesem Abend von der Aja Soul Group geboten wurde, war ebenso beseelt und berührend wie beeindruckend und präsentierte sich toll abgemischt.          

Das neue Album „Territory“ wurde live im Studio eingespielt, es ist beim ­Label Little Big Beat erschienen und ­umfasst zwölf Songs: acht von Aja und vier von Aja und Toni Eberle.
Mehr unter www.aja-soul.com

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

MiGy-Sanierung: Es kommen nochmal 1,6 Millionen Euro oben drauf

An diesem Mittwoch, 22. November, muss der Geislinger Gemeinderat erneut außerplanmäßige Ausgaben fürs Michelberg-Gymnasium genehmigen. Die Kritik an Architekt und Fachplaner ist massiv. weiter lesen