"Suchet der Stadt Bestes"

Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Geislingen feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Dazu gab es gestern einen Festgottesdienst und einen geschichtlichen Rückblick von Professor Dr. Hermann Ehmer.

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Im Festvortrag hielt der Honorarprofessor Dr. Hermann Ehmer einen geschichtlichen Rückblick. Foto: Claudia Burst

Gottesdienstbesucher aus allen fünf Kirchengemeinden, die zur Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Geislingen gehören, füllten gestern Vormittag die Bankreihen der Stadtkirche. Zum Auftakt des "bunten Straußes aus Veranstaltungen" zur Feier des 100-jährigen Bestehens der Gesamtkirchengemeinde fand hier ein zentraler Festgottesdienst statt. Schon der musikalisch vollklingende Einstieg, den das Bezirksbläserensemble unter Axel Schlecht gemeinsam und im Wechsel mit Bezirkskantor Thomas Rapp an der Orgel bot, versprach einen außergewöhnlichen Sonntagvormittag.

"Wir feiern mit einem Gottesdienst, weil wir dankbar sind, uns freuen und Gott die Ehre geben wollen", erklärte Dekanin Gerlinde Hühn zu Beginn ihrer Predigt.

Sie ging kurz auf die Geschichte der Eingemeindung und der damit verbundenen "menschlichen" Probleme ein: "Eifersüchtig wird darüber gewacht, dass der eine nicht mehr bekommt als der andere." Stattdessen sollte man erkennen, was es an Vorteil und auch an Bereicherung bringt, mit den anderen zusammen zu sein.

Ihre Überlegungen führten die Dekanin weiter auf das Miteinander von Kirche und Kommune unter dem Bibelwort "Suchet der Stadt Bestes". Passend zum Anlass brachten sich auch die anderen Pfarrer und die Kirchengemeinderatsvorsitzenden der Gesamtkirchengemeinde in die Liturgie des Gottesdienstes ein.

An den Festgottesdienst schloss sich ein Vortrag des ehemaligen Leiters des landeskirchlichen Archivs, Dr. Hermann Ehmer an. Der Honorarprofessor bettete den "schlichten Vorgang" der Zusammenführung der Kirchengemeinden in Geislingen in den großen geschichtlichen Zusammenhang ein.

Schon Jahrzehnte vor der Revolution von 1918 sei mit der "Trennung von Kirche und Staat" der Rahmen dafür geschaffen worden. Ehmer ging hier auf "Meilensteine" ein wie die kirchliche Armenpflege, die 1873 den kommunalen Ortsarmenbehörden zur Aufgabe gemacht wurde und das Personenstandsgesetz von 1876, das Aufgaben wie das Führen der Kirchenbücher an die neu geschaffenen bürgerlichen Standesämter überwies. Vor allem das "Gesetz betreffend die Vertretung der evangelischen Kirchengemeinden und die Verwaltung ihrer Vermögensangelegenheiten" vom Juni 1887 forcierte auf örtlicher Ebene die Trennung zwischen kirchlicher und bürgerlicher Gemeinde, erklärte der Referent.

Durch die industrielle Entwicklung Geislingens und den Bau der Eisenbahnstrecke kam in Geislingen die Einwanderung katholischer Christen dazu. Auch das führte in der Folge zur Notwendigkeit, zwischen Aufgaben der kirchlichen und der bürgerlichen Gemeinde zu unterscheiden.

Die "Baupflicht der Kommunen" als dritter Meilenstein hatte die Einführung einer Ortskirchensteuer zur Folge - jedoch vorerst ab 1902 nur in Geislingen. Da sich diese Kirchensteuer in Altenstadt anfangs nicht durchsetzen ließ, wartete die Altenstädter Martinsgemeinde bereits "sehnsüchtig" auf die 1912 folgende Eingemeindung und die Gründung der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Geislingen.

Ein gemeinsamer Imbiss im Anschluss an das halbstündige Referat des Honorarprofessors förderte Gespräche, "um einander erstmals oder noch besser kennenzulernen", wie Pfarrerin Maren Pahl sagte.

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