"Es muss was laufen"

Er ist Lehrer, Küchenmeister, Autor, Hobbyfotograf, Sportler, Tierfreund und Genussmensch. Sein Beruf ist für ihn Berufung, das Kochen ist für ihn Erfüllung und gute Weine sind seine Leidenschaft.

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Walter Bauhofer, technischer Oberlehrer und Küchenchef an der Überkinger Landesberufsschule, in seinem privaten Weinkeller. Gute Weine sind seine Leidenschaft, Wein ist für ihn Erleben und Erlebnis zugleich. Foto: Jacqueline Bauhofer

Walter Bauhofer hat Geschmack. Guten Geschmack - und das in jeder Hinsicht, wie nicht nur das gemütliche Ambiente und ein gut sortierter Weinkeller in seinem Häuschen in Aufhausen beweisen. Der technische Oberlehrer an der Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe in Bad Überkingen lebt für seinen Beruf. Themen um das Kochen, die Gastronomie und die Esskultur bestimmen das ganze Leben des angehenden Fünfzigers. Nicht nur als Chef der Schulküche in Bad Überkingen, als GZ-Küchenmeister, Zeitschriften- und Buchautor oder Fotograf, sondern auch als Privatmensch, der sich in seinem Haus gerne mit Freunden und Bekannten umgibt, die ebenfalls guten Geschmack beweisen und gerne den kulinarischen Genüssen frönen. Nun sieht der drahtige Mann auf den ersten Blick ganz und gar nicht aus wie ein Koch, der vom guten Essen vielleicht ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen hat. Das liegt daran, dass Bauhofer Sport treibt, und dies ausgiebig.

Zehn Jahre lang hat Bauhofer in Gosbach Tennis gespielt, seit 2009 zieht er die Laufschuhe an, die er allenfalls für das Radeln wechselt. Fast täglich trainiert der Küchenmeister im Studio. Mindestens dreimal im Jahr ist Walter Bauhofer zum Radeln auf Mallorca oder in der Provence, zwischendurch sieht man ihn beim "Drei-Länder-Marathon" am Bodensee, beim "Trollinger Marathon" in Heilbronn oder einmal im Jahr beim Bietigheimer Silvesterlauf. Und der sportbegeisterte Genussmensch mit dem verschmitzten Lachen kann gut im oberen Mittelfeld mithalten. "Es muss was laufen", ist denn auch die Devise des äußerst humorvollen Oberschwaben, dessen Biografie sich fast wie ein Drehbuch liest.

Am 4. Mai 1963 in Altshausen bei Saulgau geboren - dort residiert auch der Herzog von Württemberg - wuchsen Walter Bauhofer und sein jüngerer Bruder, der heute in Amerika lebt, in Ravensburg auf. Dort besuchte er die Realschule, machte die mittlere Reife, um dann im renommierten Saulgauer Vier-Sterne-Hotel Kleber Post den Beruf des Kochs zu lernen. Die Ausbildung schloss er 1983 ab. Sein weiterer beruflicher Weg war sozusagen von "Sternen gepflastert". "Waldhorn" Ravensburg, "Schweizer Stuben" Wertheim, Bareiss Baiersbronn und schließlich der Höhepunkt: ein Jahr lang bei Spitzenkoch Joël Robuchon im "Jamin" in Paris.

"Ich wohnte damals bei der Gräfin von Paris", lacht Bauhofer, und die Begeisterung über diese Zeit lassen noch heute seine Augen leuchten. Den Job hatte ihm Diane, die Herzogin von Württemberg (Prinzessin von Frankreich) verschafft, denn beim 50. Geburtstag von Carl Herzog von Württemberg hatte natürlich Bauhofer gekocht, so auch beim 40. Geburtstag von Thomas Gottschalk oder öfter mal beim FC Bayern.

"Ich bin mit der Prominenz kreuz und quer durch Europa gejettet", erinnert sich Bauhofer, der einen ganzen Stapel an Bildern herbeischleppt. Ob bei Friedrich Karl Flick, Manfred Rommel, mit Petra Schürmann oder Marlene Charelle, Bauhofer stand am Kochtopf und verwöhnte die Prominenz. Möglich machte dies unter anderem sein Job Anfang der 90er-Jahre bei Michael Käfer in München und ein Jahr im "Aubergine" von Eckart Witzigmann. Hier in München lernte Walter Bauhofer auch seine Ehefrau Jacqueline kennen, eine West-Berlinerin und ebenfalls Fachfrau aus der Gastronomie. "Ich verkaufte die Partys bei Käfer, die er dann bekochte", wirft sie schmunzelnd ins Gespräch ein, zu dem natürlich ein vorzüglicher Wein gereicht wird. Der Keller von Walter Bauhofer ist gut sortiert und hat einiges zu bieten, wobei seine "Sammlung" besonders viele deutsche Weine beinhaltet. Zusammen mit seiner Frau bereist Bauhofer immer wieder die Weinanbaugebiete, hält Kontakt zu den Winzern und lässt Wein dadurch zum Erlebnis werden.

1992 entscheidet sich das Multitalent zum Besuch der Hotelfachschule in Heidelberg. Hier schließt er mit der Fachhochschulreife und dem Hotelfachwirt ab. 1994 kommt er mit seiner Frau nach Bad Überkingen und wird Lehrer an der Landesberufsschule. Seit 2004 ist der technische Oberlehrer dort auch Chef der Küche. "Ich möchte den Schülern vermitteln, dass das Leben als Koch nicht Lafer - Lichter - lecker oder Fernsehen ist, sondern ein knallharter Job, bei dem schon mal Pfannen fliegen".

"Aber es ist ein schöner Beruf", schwärmt Bauhofer, "den jungen Menschen steht die Welt offen". Er selbst schreibt mittlerweile zudem häufig für Fachzeitschriften oder entwickelt Rezepte, so seit 2005 auch als GZ-Küchenmeister. Die Fotos dazu liefert er selbst, sein Equipment ergibt quasi in Windeseile ein kleines mobiles Studio. Und wenn Bauhofer mal nicht lehrt, kocht, schreibt, radelt oder läuft, dann genießt er mit seiner Frau den großen Garten am Haus, in dem ein Holzbackofen steht, während Dobermann-Hündin "India" über allem wacht.

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