Wie die Bauern von einst . . .

Geislingen / Wolfegg.  Sommerliche Temperaturen und beste Ausflugslaune: Am Samstag steuerten die knapp 100 GZ-Leser das nächste Ausflugsziel an. Diesmal ging es zum Bauernhaus-Museum nach Wolfegg im Allgäu.

Mag das Wetter unter der Woche auch so bescheiden sein, an den Ausflugssamstagen der GEISLINGER ZEITUNG scheint immer die Sonne. So auch am vergangenen Samstag. Bei sommerlichen Temperaturen, bester Laune und ausgestattet mit der süßen Marschverpflegung von der Kreissparkasse Geislingen, dem Sponsor der Ausflüge, ging es für die knapp 100 GZ-Leser nach Wolfegg ins Bauernhaus-Museum. Unter der bewährten Reiseleitung von Michael Rahnefeld, dem stellvertretenden Redaktionsleiter der GEISLINGER ZEITUNG, steuerten die zwei Busse der Firma Merkle aus Böhmenkirch das Ziel im Allgäu an.

Im Bauernhaus-Museum bei Wolfegg erwarteten schon die Landfrauen vom Party-Service "Allgäuer Landfrauen Spezialitäten" die Ausflügler mit einem leckeren Mittagsessen. In Eingangsbereich der restaurierten "Zehntscheuer Gessenried" gab es Allgäuer Kässpätzle mit Schweinebraten.

Gut gestärkt ging es in vier Gruppen zu den Führungen durch das weitläufige zehn Hektar umfassende Museumsgelände. Die originalen Bauernhöfe aus dem Allgäu und Oberschwaben mit ihren Stuben, Kammern, Ställen und ihren historischen Einrichtungen versetzten die Besucher zurück in eine Zeit bis vor 300 Jahren.

Inmitten von Gärten, Weihern und Streuobstwiesen entdeckten die GZ-Leser die Spuren von Bauernfamilien, Dienstboten und Tagelöhnern. An Originalschauplätzen machten sie sich ein Bild von den Bedingungen, unter denen die Bewohner der Höfe früher gelebt und gearbeitet hatten, wie die Stuben und Küchen eingerichtet waren, was auf den Tisch kam und welche handwerklichen Fähigkeiten zum Leben auf dem Land gehörten.

Besonders beeindruckt zeigten sich die Ausflügler vom Haus Andrinet. In diesem Weberhaus aus dem Jahre 1740 lebte Pauline Andrinet - nach der das Gebäude benannt wurde - bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts ohne Strom und fließend Wasser. Die Einrichtung wurde über die Jahrzehnte nicht verändert. Der Rauchfang stammt von 1740, die Eckbank steht unter dem Herrgottswinkel, das kleine Bett, die wenigen Habseligkeiten der Pauline erwecken den Eindruck: Sie wohne immer noch hier. Dies ermöglicht den Besuchern einen Einblick in die Lebensweise dieser Frau und ihrer Vorfahren.

Dass das Leben einer Frau kein Zuckerschlecken war, erfuhren die GZ-Leser, die sich der speziellen Führung anschlossen. Dabei ging man ausgiebig den Fragen nach, wie die Rolle der Frau auf dem Bauernhof war, welche Rechte und vor allem Pflichten sie hatte. "Die Frau hatte kein Einkommen, außer dem Eiergeld, und war total vom Mann abhängig", sagte kopfschüttelnd eine Besucherin.

Diese Reaktion ist gewünscht. Denn das Bauernhaus-Museum möchte kein romantisches Idealbild von dem harten Landleben früherer Zeiten entwerfen. Vielmehr soll der Besucher an die tägliche Mühsal der Bewohner, das beengte Wohnen ohne den Komfort von fließendem Wasser, auch an die Gerüche und den Schmutz erinnert werden. Das ist im Museum sichtbar und regt zum Nachdenken an.

Mit vielen lebendig vorgetragenen Geschichten und Anekdoten brachten die Gästeführer das Leben und Arbeiten von damals den GZ-Lesern nahe. Sie klärten dabei Begriffe wie die "Fahrt ins Blaue", "durchhecheln" oder "flachsen" auf: "Das hatte mit dem Flachsanbau und der Weberei zu tun." Die Ausstellung rund um die Flachsverarbeitung veranschaulichte den Weg von der Pflanze bis zum Faden.

Die neuere Geschichte ist auch ein Thema im Museum. Am Beispiel des Hofes Häusing erfuhren die Ausflügler viel über die Zeit des letzten Krieges: Als oft die Männer jahrelang auf den Höfen fehlten, als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, als nach Kriegsende die Flüchtlinge auf dem Land eine Bleibe suchten. Eine aktuelle Ausstellung im Museum mit dem Titel "Dorf unterm Hakenkreuz" beschäftigt sich mit der Rolle der Frau im Nationalsozialismus.

Für die GZ-Leser gab es auch eine Überraschung. Ulrich Kumpf von der Kaiser-Brauerei sorgte für den erfrischenden Zwischenstopp auf dem Dorfplatz. Mit seiner Familie empfing er die Besucher und schenkte Freibier aus. "Das schmeckt jetzt besonders gut", freuten sich die Ausflügler. Die Geislinger Brauerei feierte in Wolfegg zusammen mit anderen Brauern das zehnjährige Bestehen der Vereinigung "Brauer mit Leib und Seele", die sich das traditionsgemäße Bierbrauen mit regionalen Produkten auf ihre Fahnen geschrieben hat.

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Autor: JOANNA STOLAREK | 23.08.2010

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