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Wenn die Lunge streikt

"Luft ist Leben" - aber was, wenn die Lunge schlapp macht? Ein neues ganzheitliches Zentrum für Beatmungsmedizin der Landkreis-Kliniken soll Patienten mit Atemproblemen Linderung schaffen.

ULRIKE ... |

Für die zunehmende Zahl von Patienten, die schwere Atemprobleme haben, steht an den Landkreis-Kliniken jetzt ein Spezialistenteam zur Verfügung: An der Helfenstein Klinik leitet es Chefarzt Dr. Walter Schlittenhardt, an der Göppinger Klinik am Eichert der Lungenfacharzt Dr. Axel Kuhwald (ab November).

In dem neu geschaffenen Zentrum der beiden Kliniken ist nach Angaben Kuhwalds die Versorgung dieser Patienten in allen Stadien ihrer Erkrankung sichergestellt - auch wenn eine Abhängigkeit vom Beatmungsgerät besteht oder ein sogenannter Lungenersatz notwendig ist, der den Sauerstoff - einem Dialyseverfahren gleich - direkt dem Blut zuführt. Diese Methode, so erläutert Schlittenhardt, werde bei völligem Lungenversagen angewandt. Gelinge es, die Ursache für diese Erkrankung zu beseitigen, bestehe für die Patienten eine gute Chance, wieder normal atmen zu können.

Während in der Göppinger Klinik am Eichert überwiegend die Patienten mit schwersten Beschwerden behandelt werden, hat man sich in Geislingen aufs "Weaning" spezialisiert, worunter die Vorbereitung zur Heimbeatmung zu verstehen ist. Mittlerweile stehen den Patienten laut Schlittenhardt dazu relativ handliche transportable Geräte zur Verfügung - von den Ausmaßen "einer mittleren Fototasche".

Unabhängig davon, welche Maßnahmen erforderlich sind, kann in den Kliniken jederzeit auf die Logistik der Intensivstation zurückgegriffen werden. Eine zentrale Monitoranlage überwacht die Vitalfunktionen des Patienten. Somit können kleinste Veränderungen sofort erkannt und behandelt werden.

Vor allem für Patienten, die beatmet werden müssten oder Patienten, die sich in der Weaning-Phase befänden, bedeute dies ein hohes Maß an Sicherheit, betont der Göppinger Lungenfacharzt Kuhwald.

Mit dem Leistungsspektrum, das Lungenheilkunde, interdisziplinäre Intensivmedizin und Physiotherapie umfasse, seien die beiden Kliniken bestens gerüstet. Großer Wert werde zudem auf einfühlsame pflegerische Unterstützung gelegt.

Das neue Zentrum richte sich auch an Lungenpatienten, die zwar nicht mehr "intensivpflichtig" seien, aber eigentlich noch nicht in die Normalstation verlegt werden könnten.

Das Hauptaugenmerk, so erläutert Kuhwald, liege jedenfalls auf ganzheitlicher Behandlung. So könnten beispielsweise auch Lungenkranke, die auf die Dialyse angewiesen oder übergewichtig seien, ein hohes Alter oder eine Herzschwäche hätten, gezielt behandelt werden. All diese Faktoren erschweren bekanntermaßen die Rückkehr eines Intensivpatienten ins normale Leben.

"Wir sind ein großes Akutkrankenhaus mit hoch spezialisierten Ärzten und Pflegefachkräften und bieten ein kompetentes Netzwerk zum Wohle des Patienten", hebt Dr. Jörg Martin, Geschäftsführer der Kliniken des Landkreises, deshalb hervor. Natürlich würden auch schwerst Lungenkranke aus anderen Krankenhäusern übernommen. Die Abholung erfolge mit einem sogenannten "Klinomobil" - einer rollenden Intensivstation.

Angesichts der Altersstruktur der Bevölkerung sowie des medizinischen Fortschritts wagt Kuhwald eine Prognose: "2020 werden die Lungenkranken auf die dritte Stelle der Sterblichkeitsrate aufgerückt sein, wir müssen uns auf diese Patienten besser einstellen, denn Luft ist Leben."

Info Am 17. November, 20 Uhr, wird an der Göppinger Klinik am Eichert die neue Beatmungsmedizin sowohl von den niedergelassenen Ärzten als auch den Klinikärzten vorgestellt.

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