Vier Lagen Kleidung

Geislingen.  Fest hatte Väterchen Frost am Wochenende die Fünftälerstadt im Griff. Bei eisigen Temperaturen trauten sich wenige Kunden auf den Wochenmarkt in Altenstadt. Viele Händler trotzten tapfer der Kälte.

Bei dem starken Wind fühlt sich die Kälte noch kälter an. Diese Empfindung bestätigt auch Josef Oswald, Leiter der Wetterwarte in Stötten. Der Meteorologe sagt, gefühlt seien die minus 12 Grad wie minus 25. Kein Wunder, dass kaum ein Mensch sich auf die Straße traut. Und wenn schon, dann gut eingepackt.

Auf dem Altenstädter Wochenmarkt am frostigen Samstagmorgen sind die Marktbeschicker jedoch hart im Nehmen. Die meisten kümmern sich zunächst um ihre Ware. Sie haben ihre Stände mit durchsichtigen Planen vor Wind und Wetter abgeschirmt. "Wer den Stand nicht auf diese Art zumachen kann, hat bei den Temperaturen keine Chance", erklärt die Obst- und Gemüseverkäuferin Jutta Leis.

Die meisten Marktleute sind abgehärtet und gut gegen die Temperaturen gewappnet. Marktbeschickerin Angelika Bleyer sieht die Sache ganz pragmatisch: "Die Arbeit muss einfach gemacht werden. Nur dastehen und frieren bringt nichts." Sie setzt auf das bewährte Zwiebelschalenprinzip und trägt vier Lagen Kleidung übereinander und eine dicke Skihose. Ein Teppich hinter der Verkaufstheke auf dem Boden hält die schlimmste Kälte von den Füßen ab, ein kleiner Gasstrahler wärmt von außen, das heiße Getränk aus der Thermoskanne von innen. "So lässt es sich recht gut aushalten", meint sie lächelnd.

Jutta Leis muss sich selbst und ihre Ware - Obst und Gemüse - warm halten. Der mit durchsichtigen Planen verhängte Marktstand wird schon vor Ankunft der Ware mit Gasstrahlern beheizt. So ist es im Gemüsestand vergleichsweise mollig warm. Doch empfindlichen Südfrüchten ist es auch dort noch zu frostig. Bananen gibt es bei der Kälte zum Beispiel überhaupt nicht im Sortiment. "Bis die hier sind, wären sie erfroren", erklärt die Marktfrau. Zum Glück gibt es noch das heimische Wintergemüse. Der frostharte Feldsalat etwa kann gut mit der Kälte. Er wird im Winter geerntet und ist bei den Kunden, die sich doch auf den Wochenmarkt wagen, heiß begehrt.

Marktbeschicker, die wie Bäcker Uwe Rügner ihre Ware aus dem Verkaufswagen heraus anbieten können, haben es bei den extremen Minustemperaturen vermutlich am besten. "Wir haben einen Ofen dabei", sagt er. "Deshalb geht es eigentlich ganz gut." Aber auch der Esslinger, der schon seit 17 Jahren auf den Wochenmarkt in Altenstadt kommt, kennt seine Grenzen: "Hat es erst einmal Tagestemperaturen von unter 15 Grad minus, kommen wir auch nicht mehr. Das ist dann zu kalt."

Das kann Zeitungszustellerin Marianne Boschitsch nicht sagen. Bei jeder Temperatur und jedem Wetter muss sie in aller Herrgottsfrühe aus dem Haus. Sie sorgt dafür, dass Leser am Morgen ihre GZ im Briefkasten haben. Um 2.30 Uhr fängt ihre Schicht an. Bis halb sechs sind alle ihre Kunden mit der frisch gedruckten Presse versorgt. Und sie sitzt mit ihrem Kaffee am Frühstückstisch, während alle anderen erst so langsam aufstehen. Normalerweise hat Marianne Boschitsch ein kleines Gebiet, in dem sie Zeitungen, Briefe und Prospekte austrägt. Sie springt aber oft als Krankheits- und Urlaubsvertretung ein, zum Beispiel im Bereich Oberböhringer Straße in Geislingen, dann muss sie früher aus den Federn.

Seit 23 Jahren trägt sie schon Zeitungen aus. "Das ist bei uns fast eine Tradition. Meine Mutter hat es auch 30 Jahre gemacht", sagt sie lächelnd. Kälte mache ihr nichts aus: "Die Luft ist bei Frost so schön frisch." Gegen die Kälte hat die 59-Jährige altbewährte Methoden: Anziehen nach dem Zwiebelprinzip, mit mehreren Schichten Kleidung übereinander. Unter die Wollmütze kommt eine Sturmhaube, dicke Handschuhe, Fäustlinge gehören dazu. Für die empfindliche Haut schwört die Geislingerin auf Niveacreme. Es falle ihr schon manchmal schwer, bei den Minusgraden in aller Frühe aufzustehen: "Die ersten zehn Minuten sind kritisch. Wenn ich dann draußen bin, dann läuft es schon", bemerkt sie. Die Minusgrade seien nicht so schlimm, wie der leichte Wind: "Der ist schon gemein."


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Autor: STEFANIE SCHMIDT JOANNA STOLAREK | 06.02.2012

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