Vesperkirche zeigt soziale Realität vor Ort
Geislingen. Diesmal wurden weniger Mahlzeiten in der Geislinger Vesperkirche ausgegeben. Das bedeute nicht weniger Not, betont Pfarrer Drescher-Pfeiffer.
130 Essen wurden im Durchschnitt jeden Tag während der drei Vesperkirchen-Wochen in der Pauluskirche im Geislinger Seebach ausgegeben. Das sind weniger Mahlzeiten als in den vergangenen Jahren. "Aber es bedeutet leider nicht, dass die Not zurückgegangen ist", erklärt Diakoniepfarrer Dr. Karl-Heinz Drescher-Pfeiffer.
Seinem Eindruck nach sind vor allem die "Solidaritätsesser" weniger geworden. Das sind diejenigen, die nicht zur direkten Zielgruppe der Vesperkirche der bedürftigen und einsamen Menschen gehören; sondern all diejenigen, die durch ihr Kommen und auch dadurch, dass sie für ihr Drei-Gänge-Menü mehr als die verlangten 1,50 Euro zahlen, das Projekt unterstützen.
"Mehr Frauen mit kleinen Kindern sind in der Vesperkirche zu sehen", hat Drescher-Pfeiffer festgestellt, "und nach wie vor sehr viele ältere Leute". Diese seien oft gleich bei Toröffnung gekommen und bis zum Schluss geblieben. Die nette Gesellschaft und die Ansprache sind es, was diese Menschen jedes Jahr in die Vesperkirche zieht - drei Wochen ohne das Alleinsein, das ihren Alltag sonst häufig prägt.
Gefreut hat sich der Diakoniepfarrer über die sichtbare Akzeptanz und Verankerung der Realität, dass es Armut auch in Geislingen gibt. Schulklassen brachten sich ein (wir berichteten), aber auch Oberbürgermeister Wolfgang Amann und Vertreter verschiedener Gemeinderatsfraktionen zeigten vor Ort Flagge.
Als Lieblingsessen der Gäste kristallisieren sich nach und nach "Linsen und Spätzle" sowie "Spaghetti Bolognese" heraus. Die Tatsache, dass immer öfter nachgefragt wird, ob Schweinefleisch verwendet wur- de, ist für Drescher-Pfeiffer der Beweis, dass auch Muslime verstärkt die Vesperkirche besuchen. Er finde das gut, führt der Seelsorger aus, weil die Not vor diesen Mitbürgern ja nicht Halt mache: "Das zeigt die soziale Wirklichkeit in Geislingen!"
Etliche Vesperkirchenbesucher hätten ihn nach Marken für das "Vesperkirchen-Angebot" im Café WunderBar im Altenzentrum Bronnenwiesen in Altenstadt gefragt, berichtet der Pfarrer. Dort erhalten Bedürftige an allen Werktagen das ganze Jahr über von 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr für 1,50 Euro ein gutes Mittagessen. Die Berechtigungs-Marken gibt es beim Carisatt-Laden, beim Frühstücksgottesdienst jeden Dienstagvormittag in der Volksmission, im Gemeindebüro Altenstadt in der Tälesbahnstraße, in der Diakonischen Bezirksstelle in der Steingrubestraße, im Dekanat sowie im Pfarramt der Stadtkirche.
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Autor: CLAUDIA BURST | 09.02.2012
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Die Vesperkirche ist zu Ende. Pfarrer Drescher-Pfeiffer zieht Bilanz. Foto: cb
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